Heinrich Krobbach und Bücher
StartBücherLinkseMailImpressum

Hallo und herzlich willkommen auf meiner Webseite!

Hier gibt es mich zu sehen und zu lesen.

Für Literaturliebhaber/innen meine Rezensionen gelesener Bücher. Über viele und nette Kommentare freue ich mich.
Rechts übrigens die neuesten Rezensionen.

Wer sich wundert, dass neuerdings so viele Krimis auftauchen. Seit dem Superstart der VHS-Lesungen "Tod im Turm" bekomme ich massenhaft Empfehlungen - ich bin sozusagen fast im Krimi-Lese-Stress. Aber es gibt auch immer wieder unblutige Literatur.

Ich suche natürlich auch Gäste für meine Ferienwohnung am schönen Traunsee (Österreich, Salzkammergut).

Viel Spaß beim Surfen
Heinrich Krobbach

Neue Bücher
(auf den Titel klicken)

Jan Zweyer

Jan Zweyer: Starkstrom

„Kern-Europa“ (von Italien gehört nur noch Groß-Tirol dazu, von Spanien nur Katalonien) hat sich im Jahr 2030 durch einen hochtechnisierten Zaun gegen jegliche Migration abgeschottet. Aufgegriffene Flüchtlingen werden wegen versuchten illegalen Grenzübertritts sofort abgeschoben oder zu Hunderttausenden in „Transitzentren“ interniert. Raus kommt hier nur, wer sein Herkunftsland preisgibt (und dann abgeschoben wird) oder bei der monatlichen Lotterie einen von 500 Berechtigungen zur Einreise erhält. Doch das ist den verantwortlichen Politikern, wie Staatssekretär Grinter im deutschen Innenministerium, nicht genug. Gemeinsam mit Hagedorn, Vorstand des Zaunbetreibers GoFeCo (Good Fence Cooperation) verfolgt er einen irren Plan, Flüchtlinge noch stärker abzuschrecken. Doch dabei geht einiges schief – ein Mitarbeiter kommt am Zaun durch Stromschlag zu Tode und die Öffentlichkeit fragt sich, warum dort auch ein totes Schwein gefunden wurde. Auch intern drohen Grinter Probleme, denn sein Referent Baader interessiert sich zu sehr für sorgsam gehütete Geheimnisse – und muss dies mit dem Leben bezahlen.

Als Parallelhandlung reist die Journalistin Karla Touré mit dem Fotografen Ben zu einer Recherche über Flüchtlinge, Fluchtursachen und Schlepperorganisationen in den Senegal und nach Niger. Nach einem abenteuerlichen Verlauf, auch über Tripolis und Palermo, schmuggeln sie einen Flüchtling durch den Zaun. Zurück in Hamburg versuchen sie Awa Mané, die dort lebende Frau und „Kassenwartin“ des nigerianischen „Schlepperkönigs“ zu befragen und stoßen auf personelle Verbindungen zur Grenzzaun-Connection. Zusammen mit der BKA-Kommissarin Julia, Nielsen, die den Tod ihres Freundes Baader aufklären will und auch die Schwester von Karlas Ex-Mann Peter Nielsen (leitender Angestellter bei GoFeCo) ist – hier wird in der Konstruktion der Handlung der Zufall vielleicht etwas zu sehr bemüht – stoßen sie auf eine äußerst unappetitliche Verquickung von Politik und Wirtschaft, bei der es um sehr viel Geld auf Kosten von sehr viel Menschen geht.

So, das war der Versuch, wenigstens den groben Verlauf dieses opulenten Kriminalromans darzustellen. Aber trotz vieler Verästelungen behält man immer den Überblick, was wie zusammengehört. Außer natürlich, was die Auflösung betrifft. Hier bekommt der Leser jeweils die gesunde Portion Ahnung, um der Erkenntnis am Schluss entgegenzufiebern. Also richtig spannend geschrieben. Und schließlich leuchten die „Verästelungen“ sehr gut die Verhältnisse und die „Denke“ in solchen Milieus wie dem Berliner Politikbetrieb aus. Oder schildern mit Empathie das Elend afrikanischer Dörfer, das die Menschen dort in die Flucht treibt. Auch die handelnden Figuren werden differenziert und sehr lebendig gezeichnet. Und schließlich eine deutliche Warnung, wo es hinführt, wenn man auf Kosten der Menschlichkeit den Rechtsextremen immer schneller hinterherlaufen will.

 

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Grafit, Dortmund
Jahr: 2018
Seiten: 282
Rezension von HK am 24.04.2018

Frank Schuster

Frank Schuster: Sternenfutter

In einer nicht allzu fernen Zukunft ist die Erde von den Phagen, einem Volk von einem anderen Planeten, kolonisiert. Die Phagen sind Menschenfresser, doch die Ergs, die dortigen Opfer, waren von einer Pandemie befallen. So werden die Erdenmenschen in Zuchtstationen gehalten und geschlachtet, wie sie es selbst früher mit Tieren getan haben. Sie sind weitgehend entzivilisiert, können kaum noch Lesen und Schreiben und haben nur vage Erinnerungen an die frühere Welt, wie z.B. Jara die Hauptperson des Romans. Doch es gibt auch noch die „Wildmenschen“ außerhalb der Zuchtstationen. Jara gelingt die Flucht dorthin und gemeinsam entwickeln sie einen ebenso listigen wie tollkühnen Plan, um die Menschen zu befreien. Doch dazu müssen sie unbemerkt auf den Planeten der Phagen gelangen.

Der spannend und flott geschriebene Roman wirkt durch die einfache und klare Sprache, in der die Szenen entfaltet werden. Und passt gut zum Prozess der Re-Zivilisierung, der Wiederaneignung menschlicher Kultur, der besonders von Jara verkörpert wird. Eine interessante Aufforderung nachzudenken, was zum Menschsein eigentlich gehört. Und erfrischend offen wird die Kontroverse gehalten, ob Menschen – gerade angesichts des eigenen Schicksals – Fleisch essen sollten. Insgesamt ist es kein Orwell, Huxley oder Samjatin, aber das Lesen hat Spaß gemacht.

 

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: mainbook, Frankfurt
Jahr: 2018
Seiten: 200
Rezension von HK am 22.04.2018

Jan Costin Wagner

Jan Costin Wagner: Sakari lernt, durch Wände zu gehen

Der 19jährige, psychisch kranke Sakari steigt in der finnischen Stadt Turku nackt in einen Brunnen. Der Polizist Petri will in beruhigen, fühlt sich jedoch vom Messer in der Hand und einer abrupten Bewegung Sakaris bedroht und erschießt ihn. Von Selbstzweifeln geplagt sucht er Rat bei seinem Kollegen Kimmo Joentaa. Beide besuchen Aune Ekman, die Mutter Sakaris, als plötzlich im Nachbarhaus ein Brand entsteht. Petri kann Leena Nystad aus dem Haus retten, Kimmo findet den Sohn David – und schafft nur mit dessen Hilfe die Flucht aus den Flammen. Sie konnten aber Erik, den jüngeren Bruder Davids, nicht mehr retten. Danach ist David verschwunden. Die kriminaltechnische Untersuchung ergibt, dass es Brandstiftung war, die zum Niederbrennen des gesamten Hauses geführt hat. Und es gibt eine tragische Verbindung zwischen den Nachbarsfamilien Ekman und Nystad…

Ein ungewöhnlicher Krimi. In den Bann zieht eher nicht die Krimihandlung, sondern die „ausgesprochene“ Innerlichkeit der Protagonisten. Egal ob Polizisten mit Beteiligten oder diese jeweils miteinander reden, geht es fast nur beiläufig um Aufklärung, sondern hauptsächlich um tiefe Unsicherheit hinsichtlich der eigenen Identität und des Lebens. Das unberechenbare Unglück schwebt immerzu über dem fragilen Glück. Die Protagonisten wirken seltsam entrückt und passiv. Sprachlich ist dies meisterlich in Szene gesetzt. Ein bedrückendes Gefühl bleibt nach der letzten Seite.

 

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Galiani, Berlin
Jahr: 2017
Seiten: 240
Rezension von HK am 16.04.2018

Georg Klein

Georg Klein: Miakro

Die Beschäftigten des „mittleren Büros“ arbeiten an Pulten, in deren weichem Glas sie mittels Handbewegungen Bilder hervorrufen. Ihre Verpflegung (vorwiegend Süßkartoffeln und Rüben) finden sie in – unwillkürlich sich in der Wand öffnenden (und auch wieder schließenden) – Nährfluren. Für den Schlaf hat jeder eine Schlafkoje. Während einer Exkursion nach draußen verlieren sie den Kollegen Wehler – er wird von einer sich schließenden Tunnelöffnung verschluckt. Als schließlich der Büroleiter Nettler in seiner Schlafkoje ebenfalls fast von der Wand verschluckt wurde, verlassen 5 Männer das mittlere Büro und suchen in der Außenwelt nach Wehler. Schließlich gelangen sie an ein dreistöckiges Gebäude, fahren mit dem Aufzug nach oben und gelangen in einen gläsernen Raum, aus dessen Wand eine Riesenmade wächst, die von Axler mit dem Schockstock getötet wird.

Nun wechselt die Handlungsebene. Wir sind bei Blank, dem Hauptmann einer Hundertschaft. Fünf seiner Männer sind nach einer Erkundung eines seltsamen Gebäudes, das organische Eigenschaft hat, nicht wieder zurückgekommen. Gemeinsam mit Fachleutnant Xazy, die von „hohen Büro“, dem „mobilen Hauptquartier“, zur Untersuchung des Falls geschickt wurde, versucht er die Männer wieder zu finden.

Das ist nur ein Teil der Ereignisse und Handlungsstränge des Buches. Weitere Schilderungen würden kein Mehr an Aufklärung bringen. Die 5 „Büro-Angestellten“ scheinen mit den 5 verschwundenen Soldaten identisch zu sein. Seitenweise liest man unverständliche Details der Umgebung, in der sie sich bewegen. Doch weder physikalische Gegebenheiten (außer dass die Störung aus einem unheimlichen organischen Etwas besteht), noch die Zeitebenen und -abfolgen – und auch nicht die Handlungsmotive und -logiken werden auch nur annähernd verständlich. Schon klar, wenn – laut Feuilleton – das Entgleiten von Raum und Zeit das Thema des Autors ist. Mir aber vergeht die Lust, wenn ich mich durch 333 Seiten verwirrender äußerer Handlung und innerem Nichts quäle. Wieder mal so ein Fehlgriff aus dem Buchpreis-Umfeld (diesmal Leipzig).

 

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Rowohlt, Berlin
Jahr: 2018
Seiten: 333
Rezension von HK am 14.04.2018

Esther Kinsky

Esther Kinsky: Hain

Die Ich-Erzählerin schildert drei Reisen nach Italien. Die erste (1. Kapitel) 2 Monate nach dem Tod ihres Mannes nach Olevano Romano, eine kleine Bergstadt vor den Toren Roms. Die zweite Reise (3. Kapitel) führt in die Po-Ebene. Im 2. Kapitel beschreibt sie mehrere Reisen nach Italien mit ihrem Vater. Eine echte Handlung existiert nicht; eine Interaktion der Ich-Erzählerin mit anderen Menschen findet – außer bei Alltäglichkeiten – kaum statt. Eher gleitet sie als Beobachterin durch die Dörfer, Städte und Landschaften. Wer also (wie ich) einen Roman mit Handlungsbogen erwartet, ist bei diesem Buch falsch. Die Stärke des (so auf dem Cover bezeichneten) Geländeromans ist die präzise, detailreiche, atmosphärisch dichte Beschreibung besonders der Landschaft und des Himmels in allen Schattierungen, aber auch der Friedhöfe, Häuser, Plätze und Menschen. Grandiose Bilder einer Landschaftspoesie. Wie gesagt, man muss es mögen.

 

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Suhrkamp, Beriln
Jahr: 2018
Seiten: 287
Rezension von HK am 06.04.2018