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Nele Neuhaus: Im Wald

Auf einem Campingplatz bei Ruppertshain im Taunus wird nachts ein Wohnwagen abgefackelt. Darin stirbt Clemens Herold, der an einer Ortschronik gearbeitet hat. Kurz darauf wird seine Mutter Rosi Herold im Altersheim erdrosselt. Schließlich wird der ehemalige Pfarrer Adalbert Maurer erhängt in der Sakristei gefunden – und es war kein Selbstmord. Soweit die vorläufige Liste der Leichen in der Jetzt-Zeit. Für Hauptkommissar Oliver von Bodenstein, in Ruppertshain aufgewachsen, ist es ein besonderer Fall, kennt er doch alle Beteiligten schon sein Leben lang. Bald kommt ihm der wahnwitzige Verdacht, dass die Morde mit den Ereignissen von 1972 zu tun haben, als er 11 Jahre alt war und sein Freund Arthur ebenso spurlos verschwand wie sein zahmer Fuchs Maxi.

Dass Bodenstein mit seiner Vermutung recht hat, ist ja gerade der anspruchsvolle Plot des Krimis. Dieses weite Netz, in dem unzählige Familiengeschichten über drei Generationen verwoben sind, zu spannen und ohne sich sprichwörtlich im Wald zu verlaufen, ist eine Meisterleistung der Autorin. Ab und zu muss man im – klugerweise angelegten – Personenregister nachschauen, aber dann zieht die Geschichte den Leser wieder in den Bann. Viel Psychologie kommt gelungen ins Spiel durch Bodensteins Verwicklung in den Fall – von seinem Schuldgefühl, weil er damals nicht auf Arthur aufgepasst hat, bis zum archaisch anmutenden Showdown am Schluss. Und ganz nebenbei wird die Frage aufgeworfen, was aus Kindern / Jugendlichen der (dörflichen) Flower-Power-Zeit nach 40 Jahren geworden ist, und dabei tritt ein burleskes Sittengemälde hinter der scheinbar harmonischen dörflichen Bürgerlichkeit zu Tage. Also, den habe ich gerne gelesen.

 

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Ullstein, Berlin
Jahr: 2017
Seiten: 560
Rezension von HK am 27.01.2018