Heinrich Krobbach und Bücher
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Hallo und herzlich willkommen auf meiner Webseite!

Hier gibt es mich zu sehen und zu lesen.

Für Literaturliebhaber/innen meine Rezensionen gelesener Bücher. Über viele und nette Kommentare freue ich mich.
Rechts übrigens die neuesten Rezensionen.

Wer sich wundert, dass neuerdings so viele Krimis auftauchen. Seit dem Superstart der VHS-Lesungen "Tod im Turm" bekomme ich massenhaft Empfehlungen - ich bin sozusagen fast im Krimi-Lese-Stress. Aber es gibt auch immer wieder unblutige Literatur.

Ich suche natürlich auch Gäste für meine Ferienwohnung am schönen Traunsee (Österreich, Salzkammergut).

Viel Spaß beim Surfen
Heinrich Krobbach

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Jan Costin Wagner

Jan Costin Wagner: Sakari lernt, durch Wände zu gehen

Der 19jährige, psychisch kranke Sakari steigt in der finnischen Stadt Turku nackt in einen Brunnen. Der Polizist Petri will in beruhigen, fühlt sich jedoch vom Messer in der Hand und einer abrupten Bewegung Sakaris bedroht und erschießt ihn. Von Selbstzweifeln geplagt sucht er Rat bei seinem Kollegen Kimmo Joentaa. Beide besuchen Aune Ekman, die Mutter Sakaris, als plötzlich im Nachbarhaus ein Brand entsteht. Petri kann Leena Nystad aus dem Haus retten, Kimmo findet den Sohn David – und schafft nur mit dessen Hilfe die Flucht aus den Flammen. Sie konnten aber Erik, den jüngeren Bruder Davids, nicht mehr retten. Danach ist David verschwunden. Die kriminaltechnische Untersuchung ergibt, dass es Brandstiftung war, die zum Niederbrennen des gesamten Hauses geführt hat. Und es gibt eine tragische Verbindung zwischen den Nachbarsfamilien Ekman und Nystad…

Ein ungewöhnlicher Krimi. In den Bann zieht eher nicht die Krimihandlung, sondern die „ausgesprochene“ Innerlichkeit der Protagonisten. Egal ob Polizisten mit Beteiligten oder diese jeweils miteinander reden, geht es fast nur beiläufig um Aufklärung, sondern hauptsächlich um tiefe Unsicherheit hinsichtlich der eigenen Identität und des Lebens. Das unberechenbare Unglück schwebt immerzu über dem fragilen Glück. Die Protagonisten wirken seltsam entrückt und passiv. Sprachlich ist dies meisterlich in Szene gesetzt. Ein bedrückendes Gefühl bleibt nach der letzten Seite.

 

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Galiani, Berlin
Jahr: 2017
Seiten: 240
Rezension von HK am 16.04.2018

Georg Klein

Georg Klein: Miakro

Die Beschäftigten des „mittleren Büros“ arbeiten an Pulten, in deren weichem Glas sie mittels Handbewegungen Bilder hervorrufen. Ihre Verpflegung (vorwiegend Süßkartoffeln und Rüben) finden sie in – unwillkürlich sich in der Wand öffnenden (und auch wieder schließenden) – Nährfluren. Für den Schlaf hat jeder eine Schlafkoje. Während einer Exkursion nach draußen verlieren sie den Kollegen Wehler – er wird von einer sich schließenden Tunnelöffnung verschluckt. Als schließlich der Büroleiter Nettler in seiner Schlafkoje ebenfalls fast von der Wand verschluckt wurde, verlassen 5 Männer das mittlere Büro und suchen in der Außenwelt nach Wehler. Schließlich gelangen sie an ein dreistöckiges Gebäude, fahren mit dem Aufzug nach oben und gelangen in einen gläsernen Raum, aus dessen Wand eine Riesenmade wächst, die von Axler mit dem Schockstock getötet wird.

Nun wechselt die Handlungsebene. Wir sind bei Blank, dem Hauptmann einer Hundertschaft. Fünf seiner Männer sind nach einer Erkundung eines seltsamen Gebäudes, das organische Eigenschaft hat, nicht wieder zurückgekommen. Gemeinsam mit Fachleutnant Xazy, die von „hohen Büro“, dem „mobilen Hauptquartier“, zur Untersuchung des Falls geschickt wurde, versucht er die Männer wieder zu finden.

Das ist nur ein Teil der Ereignisse und Handlungsstränge des Buches. Weitere Schilderungen würden kein Mehr an Aufklärung bringen. Die 5 „Büro-Angestellten“ scheinen mit den 5 verschwundenen Soldaten identisch zu sein. Seitenweise liest man unverständliche Details der Umgebung, in der sie sich bewegen. Doch weder physikalische Gegebenheiten (außer dass die Störung aus einem unheimlichen organischen Etwas besteht), noch die Zeitebenen und -abfolgen – und auch nicht die Handlungsmotive und -logiken werden auch nur annähernd verständlich. Schon klar, wenn – laut Feuilleton – das Entgleiten von Raum und Zeit das Thema des Autors ist. Mir aber vergeht die Lust, wenn ich mich durch 333 Seiten verwirrender äußerer Handlung und innerem Nichts quäle. Wieder mal so ein Fehlgriff aus dem Buchpreis-Umfeld (diesmal Leipzig).

 

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Rowohlt, Berlin
Jahr: 2018
Seiten: 333
Rezension von HK am 14.04.2018

Esther Kinsky

Esther Kinsky: Hain

Die Ich-Erzählerin schildert drei Reisen nach Italien. Die erste (1. Kapitel) 2 Monate nach dem Tod ihres Mannes nach Olevano Romano, eine kleine Bergstadt vor den Toren Roms. Die zweite Reise (3. Kapitel) führt in die Po-Ebene. Im 2. Kapitel beschreibt sie mehrere Reisen nach Italien mit ihrem Vater. Eine echte Handlung existiert nicht; eine Interaktion der Ich-Erzählerin mit anderen Menschen findet – außer bei Alltäglichkeiten – kaum statt. Eher gleitet sie als Beobachterin durch die Dörfer, Städte und Landschaften. Wer also (wie ich) einen Roman mit Handlungsbogen erwartet, ist bei diesem Buch falsch. Die Stärke des (so auf dem Cover bezeichneten) Geländeromans ist die präzise, detailreiche, atmosphärisch dichte Beschreibung besonders der Landschaft und des Himmels in allen Schattierungen, aber auch der Friedhöfe, Häuser, Plätze und Menschen. Grandiose Bilder einer Landschaftspoesie. Wie gesagt, man muss es mögen.

 

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Suhrkamp, Beriln
Jahr: 2018
Seiten: 287
Rezension von HK am 06.04.2018

Andrea Habeney

Andrea Habeney: Abgetaucht

Der Ex-Polizist Lars findet seine gute Freundin Clarissa erwürgt in ihrer Wohnung. Die Ermittlungen der Kripo führen nach Zeugenaussagen sehr schnell zum Piloten Michael Danner. Ein Abgleich bei Interpol ergibt, dass überall auf der Welt Frauen beim misshandelt oder gar zu Tode gekommen sind, als Danner als Pilot vor Ort war – offensichtlich ein Serientäter. Der hat sich jedoch nach Thailand abgesetzt, und von dort kommt die Meldung, dass er mit einem Boot tödlich verunglückt ist. Karl, der zuständige Kommissar und Ex-Kollege von Lars schließt die Akte überraschend schnell. Lars glaubt nicht an Danners Tod, fliegt nach Thailand, findet ihn auch und fädelt ein Kennenlernen beim Tauchen (beide sind Profis) ein. Doch ahnt Danner, wer Lars ist? Wird Lars in seiner Wut Selbstjustiz üben? Bei gemeinsamen Tauchgang wird der Krimi zum nervenkitzelnden Thriller. Zwischenzeitlich hat sich in Frankfurt die Kommissarin Jenny Becker die Akte vorgenommen, recherchiert weiter und unterstützt Lars mit Hinweisen. Der Fall ist komplizierter, als es scheint. Und der Krimi birgt noch einige überraschende Wendungen.

Also, ich bin abgetaucht in den flott geschriebenen Krimi, der den Leser auch sehr gut mitnimmt. Geschickt eingestreute Informationen und Andeutung lassen immer etwas ahnen, lüften jedoch nicht vorschnell den Vorhang. Und der sympathische, gradlinige Lars lädt zur Identifikation und zum Mitfiebern ein und lässt verschmerzen, dass Jenny diesmal etwas im Hintergrund bleibt. In zwei Rutschen mit Freude gelesen.

 

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: mainbook, Frankfurt
Jahr: 2017
Seiten: 250
Rezension von HK am 04.04.2018

Ivana Sajko

Ivana Sajko: Liebesroman

Irgendwann – vor „tausend Jahren“ haben sie sich ineinander verliebt, hatten Sex am Strand, er kam zu früh und sie wurde schwanger. Nun leben sie in einer kleinen Wohnung, sie hat ihren Theaterjob für das Kind aufgegeben, und er will einen Liebesroman schreiben. Doch er verbringt Tage depressiv auf dem Sofa und verzweifelt an der schlechten wirtschaftlichen Lage. Sie macht ihm Vorwürfe (das macht den Großteil des Textes aus) wegen seiner Passivität. Trotz kleiner Lichtblicke geht es steil bergab.

Das war schon im Wesentlichen die Handlung. Dazwischen ist das Büchlein angefüllt mit bitterem Hadern mit dem misslungenen Leben und Verzweiflung über die Perspektivlosigkeit. Dies schütten beide sich gegenseitig über den Kopf. Das Gegenteil eines „Liebesromans“, eher noch ein Roman über die verlorene Liebe, die aber auch nicht helfen würde. Faszinierend ist aber die drängende, atemlose Sprache – ein Stakkato der „Wörter, Wörter, Wörter“ (so beginnt der Roman), die dem Leser entgegengeschleudert werden und ihn in den Bann des Untergangs ziehen. Selten haben Form und Inhalt so zusammengepasst.

 
 

Land: Kroatien
Genre: Roman
Verlag: Voland & Quist, Dresden / Leipzig
Jahr: 2017
Seiten: 176
Rezension von HK am 02.04.2018