Heinrich Krobbach und Bücher
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Hallo und herzlich willkommen auf meiner Webseite!

Hier gibt es mich zu sehen und zu lesen.

Für Literaturliebhaber/innen meine Rezensionen gelesener Bücher. Über viele und nette Kommentare freue ich mich.
Rechts übrigens die neuesten Rezensionen.

Wer sich wundert, dass neuerdings so viele Krimis auftauchen. Seit dem Superstart der VHS-Lesungen "Tod im Turm" bekomme ich massenhaft Empfehlungen - ich bin sozusagen fast im Krimi-Lese-Stress. Aber es gibt auch immer wieder unblutige Literatur.

Ich suche natürlich auch Gäste für meine Ferienwohnung am schönen Traunsee (Österreich, Salzkammergut).

Viel Spaß beim Surfen
Heinrich Krobbach

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Lukas Bärfuss

Lukas Bärfuss: Hagard

In einer nicht genannten Stadt am See (Zürich?) erblickt der Immobilienmakler Philip eine junge Frau, die ihn in ihren Bann zieht. Er folgt ihr durch die Stadt, auf Bahnhöfen und in Zügen bis zu ihrem Haus. Er will ihr nahe sein, sich jedoch nicht zeigen. Er versäumt alle Termine, holt auch seinen Sohn nicht von der Tagesmutter ab. Nach einer Nacht im Auto folgt er der Frau erneut, vergisst sein Geld und Handy-Ladekabel. Er fährt schwarz, verliert einen Schuh im Zug und beobachtet – inzwischen hungrig, frierend und mittellos – die Frau weiter. Bis er schließlich – aber der Schluss soll nicht verraten werden.

Eine verstörende (frz. hagard) Geschichte, berichtet von einem (ver)zweifelnden Freund Philips als Ich-Erzähler. Zunächst löst dieser Ausbruch aus den Routinen des Lebens noch Faszination aus, doch bald schlägt es um in selbstzerstörerische Obsession. Sprachlich ist dies alles in dichten atmosphärischen Beschreibungen genial in Szene gesetzt. Doch was die Botschaft sein soll, hat sich mir auch durch die zahlreichen Reflexionen des Erzählers über Freiheit und Bindung, Kontrolle und Getrieben sein nicht erschlossen. Wie bedrückend muss das Leben sein, um sich einer unbekannten Erscheinung aufzuliefern – und dies um den Preis der eigenen Existenz. Wie groß muss die Furcht sein, dass Philip die Frau zwar verfolgt, sich aber scheut, ihr ins Angesicht zu sehen, weil der Zauber dann verfliegen könnte. Während der Ich-Erzähler Ereignisse wie das Verschwinden des Flugzeugs der Malaysien Airline im Pazifik und die russische Invasion der Krim einflicht, räsoniert er über den Untergang der Welt, wie wir sie kannten. Ob der Apokalypse der Welt mit individueller Apokalypse zu begegnen ist, wäre dann eine der offenen Fragen, mit der Bärfuss die Leser zurücklässt.

Land: Schweiz
Genre: Roman
Verlag: btb, München
Jahr: 2019
Seiten: 176
Rezension von HK am 17.08.2019

Anna Bodenbach

Anna Bodenbach: Pfeil und Tod

Der unauffällige Familienvater und Mitarbeiter des Einwohnermeldeamtes Hermann Lang wird in Hanau-Steinheim von einer Bogenschützin mit Pfeilen hingerichtet. Die Hanauer Kripo-Kommissare Wiebke Müller und Paul Fischer finden zunächst kein Motiv und nur durch mühsame Recherche (mit Hilfe des Vorsitzenden des Bogensportvereins) Hinweise auf die Tatwaffe. Damit gerät die Bogenschützin Jutta Neumann in Verdacht, zumal sie verschwiegen hat, dass sie Hermann Lang kannte. Doch bevor dies alles geklärt werden kann, erfolgt eine zweite Hinrichtung – ebenfalls mit Pfeil und Bogen. Jemand ist auf einem mörderischen Rachefeldzug – doch wer, gegen wen und warum? Volle Klarheit findet sich erst nach einer finalen und skurrilen Schießerei.

Nette Krimikost mit einigen spannenden Momenten. Viel eigene Fantasie braucht der Leser nicht, denn es gibt nichts zu rätseln – bis man (irgendwo in der Mitte) weiß, wer es ist. Die anschließende „kriegen sie den Täter“-Phase hat schon einige Glaubwürdigkeitsdefizite im Handeln der Beteiligten. Auch sprachlich gibt es Luft nach oben, was überflüssige Detailbeschreibungen oder auch Hinweise auf Wiebkes Konfirmationsspruch betrifft. Das Wiebke zu jeder (un)passenden Gelegenheit das Herz oder der Puls schneller schlägt, ist nicht so ganz einleuchtend. Aber immerhin hat der Krimi ein sehr wichtiges Thema beleuchtet (wird hier nicht verraten, um nicht zu spoilern).

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Midnight, Berlin
Jahr: 2019
Seiten: 248
Rezension von HK am 15.08.2019

Dörte Hansen

Dörte Hansen: Mittagsstunde

Ingwer Feddersen ist im kleinen nordfriesischen Dorf Brinkebüll aufgewachsen als Sohn von Marret (Tochter von Ella Feddersen). Ella und ihr Mann Sönke sind die Gastwirte im Ort. Marret ist „nicht von dieser Welt“, streift durch die Landschaft, sammelt alle möglichen nutzlosen Dinge, redet kaum und ist meist abwesend. So wird Ingwer eher von seinen Großeltern erzogen, wobei Sönke wie selbstverständlich annimmt, dass er später die Gastwirtschaft übernehmen wird. Doch Ingwer wird vom Dorfschullehrer Steensen für das Gymnasium empfohlen, studiert später und ist nun Professor für Archäologie in Kiel. Er nimmt ein Sabbatjahr und kehrt 50 Jahre nach seiner Kindheit ins Dorf zurück, um seine gebrechlichen Eltern zu pflegen. In Rückblicken auf die Vergangenheit entfaltet sich seine Lebensgeschichte und die Geschichte des Dorfes von den 1960er Jahren bis heute. Damals in traditionell bäuerlichen Verhältnissen (kleine Betriebe mit vielfältiger Feld- und Viehwirtschaft), sehr naturnah (bzw. den Naturgewalten ausgesetzt) mit Aufgehoben sein in der Dorfgemeinschaft mit ihren Regeln, Gebräuchen, Tabus, aber auch akzeptierten Gewaltverhältnissen. Dann die Flurbereinigung, der Wandel in der Landwirtschaft zu spezialisierten Großbetrieben, Naturzerstörung, Straßenbau – die Leute haben Autos und fahren zum Aldi (statt in Dora Koopmanns Dorfladen einzukaufen) und die Jüngeren fahren in die Disko (statt ins Gasthaus Feddersen) – und rasen sich die Köpfe ein. Und schließlich Windkraftanlagen, Solarparks – und in der alten Mühle leben Alternative aus Berlin und Hamburg.

Ach, die Beschreibung will mir nicht gelingen. Zuviel Geschichte der Alltagskultur im Wandel von der bäuerlichen Lebensweise zur (Post-)Moderne ist in diesem Roman in wunderbar anschaulicher Weise und in sprachlich lebendigen Bildern und Szenen beschrieben, als dass ich es in kurzer Inhaltsangabe darstellen könnte. Soviel müsste noch berichtet werden. Von Ingwers Zerrissenheit zwischen Dorf- und Uni-Leben, seiner Verlorenheit im Dreiecksverhältnis zwischen ihm, Ragnhild und Claudius. Am besten selber lesen – diese melancholisch-schöne Geschichte. Nur noch ein erhellendes Zitat: „Es war ein großes Missverständnis. Die Leute aus der Großstadt suchten die Natur und das Ursprüngliche, und in den Dörfern wurde es gerade abgeschafft.“

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Penguin, München
Jahr: 2018
Seiten: 320
Rezension von HK am 12.08.2019

Dietrich Faber

Dietrich Faber: Hessen zuerst!

Ex-Kommissar Henning Bröhmann ist mit Anfang 40 aus dem Polizeidienst ausgeschieden, macht auf Hausmann (seine Frau Franziska ist Lehrerin) und will eigentlich einfach nur seine Ruhe haben. Wäre da nicht sein Nachbar und Vermieter Rüdiger (mit Ehefrau Gisa) mit nervigen gemeinsamen Aktionen wie eine Wanderung durch den heimatlichen Vogelsberg. Und dann ist Rüdi neuerdings auch noch Landtagskandidat der neuen Partei „HESSEN ZUERST!“ und nervt mit seinem fremdenfeindlichen Geschwätz. Mit der Ruhe ist es endgültig vorbei als zwei verschwundene junge Afghanen aus dem örtlichen Flüchtlingsheim vermutlich den Bretzenhainer Bürgermeister erstochen haben, sich eine Bürgerwehr gründet und das Nachbarschaftsfest des Flüchtlingsheims angegriffen wird. Nun kann sich Henning nicht mehr heraushalten und will den wahren Ereignissen und Hintergründen auf die Spur kommen – und kommt dabei ziemlich selbst aus der Spur.

Ein Krimi der anderen Art, wobei Ex-Kommissar Henning – selbst für einen Krimi – erstaunlich unprofessionell durch die Geschichte tappst. Es wird aber eine herrliche Krimi-Klamotte daraus, wenn man die anderen Beteiligten – wie den singenden Cowboy Manni, seine Freundin Hessi, die gleichzeitig die gnadenlose Übermutter für die Bewohner des Flüchtlingsheims spielt, Hennings extrovertierte Mutter mit ihrem neuen Freund Johann – hinzunimmt. All diese skurrilen Gestalten, Szenen, Dialoge haben absolut humoristische Qualität (kein Wunder, wenn der Autor Kabarettist ist). Aber auch ernsthaft sehr lesenswert sind die politischen Auseinandersetzungen (besonders zwischen Henning und Rüdi), die exakt die perfide Diskussionsmasche der Rechtsextremen beschreiben. Die als harmlos und besorgt getarnten Kleinbürger, die – während sie schon zuschlagen – sich noch als Opfer fühlen und darstellen. Knapp 270 Seiten Lesevergnügen.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Rowohlt, Reinbek
Jahr: 2017
Seiten: 272
Rezension von HK am 11.08.2019

H.K. Anger

H.K. Anger: Odenwaldglut

Die Anwältin Charlie Knapp hat in Hamburg einen Drogendealer hinter Gitter gebracht und wird nun von dessen Bruder bedroht. Um zur Ruhe zu kommen, kehrt sie in ihre Heimatregion, den Odenwald, zurück und findet Unterkunft auf dem Atzeldoalhof ihres Schulfreundes Reiner Haase; doch die Idylle hält nicht lange. Beim traditionellen „Lärmfeuer“ entdeckt sie eine Leiche in dem brennenden Holzstapel. Schnell finden Kriminalkommissar Gunter Haase (Bruder von Reiner) und seine Leute heraus, dass der Tote (der Eigenbrötler, aber heimlich sehr reiche Schorschel Binz) schon vorher getötet wurde. Kurze Zeit später „stolpert“ Charlie über die nächste Leiche, die der alleinlebenden Brigitte Dingeldein. Binz wurde mit Methanol vergiftet, Brigitte durch ein Pesto, das giftige Kräuter enthielt. Da auch in Brigittes Wohnung Feuer gelegt wurde, geht die Polizei von einem Täter aus. Doch sie tappt (auch nach einem weiteren Mordversuch) im Dunklen. War es Brigittes Geliebter? Oder diese ominöse Gruppe radikaler Tierschützer (beim Lärmfeuer verbrennen Kleintiere; Brigitte liebte Pelzmäntel)? Aufklärung kommt erst durch Charlies Neugier und (eher zufällige) Beobachtungen, wobei sie selbst in tödliche Gefahr gerät.

Schön zu lesen ich das Buch als detailreich geschilderte Heimatgeschichte des Odenwalds rund um die Tromm von den Zeugnissen aus römischer Zeit über die wunderbare Landschaft, die Wanderwege, die dörfliche Gemeinschaft bis hin zu den Problemen der modernen Landwirtschaft. Bevölkert ist der Krimi (auf der Seite der Guten) mit herzlichen und sympathischen Menschen zwischen Tradition und Moderne. Kriminalistisch gesehen ist jedoch noch Luft nach oben (ist ja der erste Krimi). Die mehrfach eingeschobene Erwähnung eines ominösen Mannes im Wald, der zu einem Treffpunkt (mit wem eigentlich?) geht und düsteren Gedanken nachhängt, verweist schon von Anfang auf einen Täter, den aber niemand (über 80% des Textes) auf dem Schirm hat. So weiß der Leser schon früh, dass die Polizei falsche Spuren verfolgt, so dass die Handlung irgendwann ihre Längen bekommt und dahinplätschert. Aber insgesamt war’s schon spannend zu lesen. Ach ja, als „Zugeroasde“ hat die Autorin das mit dem Odenwälder Dialekt recht gut hingekriegt.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Gmeiner, Meßkirch
Jahr: 2019
Seiten: 376
Rezension von HK am 04.08.2019