Heinrich Krobbach und Bücher
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Hallo und herzlich willkommen auf meiner Webseite!

Hier gibt es mich zu sehen und zu lesen.

Für Literaturliebhaber/innen meine Rezensionen gelesener Bücher. Über viele und nette Kommentare freue ich mich.
Rechts übrigens die neuesten Rezensionen.

Wer sich wundert, dass neuerdings so viele Krimis auftauchen. Seit dem Superstart der VHS-Lesungen "Tod im Turm" bekomme ich massenhaft Empfehlungen - ich bin sozusagen fast im Krimi-Lese-Stress. Aber es gibt auch immer wieder unblutige Literatur.

Ich suche natürlich auch Gäste für meine Ferienwohnung am schönen Traunsee (Österreich, Salzkammergut).

Viel Spaß beim Surfen
Heinrich Krobbach

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Lilo Beil

Lilo Beil: In kindlicher Liebe

Sophie, die Nichte der pensionierten Lehrerin Charlotte Rapp (Lebensgefährtin des Ex-Kripo-Chefs Ferdinand Guldner) erhält nach der Trennung von ihrem Freund Torsten mysteriöse Drohanrufe. Angst und Verunsicherung hemmen sie in ihrer Arbeit an der Restauration eines Bildes von einer schönen, aber eiskalt wirkenden Frau – der Mutter ihres Auftragsgebers Gabriel Vonderheit, der in einer vornehmen Bensheimer Villa (gemeinsam mit der dementen Mutter) lebt. Etwas gespenstisch ist die Szenerie schon, aber Sophie fühlt sich von dem wesentlich älteren Mann sehr angezogen. Gleichzeitig wurden in Darmstadt und Fürstenlager (nahe Bensheim) zwei Frauen getötet. Die Polizei geht von einem Serientäter aus. Ist vielleicht er Sophies Telefonstalker?

Lilo Beil hat mit Sophie, Charlotte und Ferdinand äußerst sympathische Protagonisten geschaffen. Wer könnte sich nicht an diesem warmherzigen, zugewandten kunstsinnigen, weltoffenen Familienszenario erfreuen? Die detail- und kenntnisreichen Schilderungen von Charlottes Garten und ihrer Kunstsammlung sind einfach nur schön. Andererseits schwächelt der Verlauf der Krimihandlung. Allzu eng sind die Fäden zu Beginn gesponnen, so dass die Spannung nur noch durch eine überraschende Wendung zu halten ist. Auch wenn wilde Finalszenen nicht das Faible von Lilo Beil sind, treibt die Handlung hier doch etwas zu harmlos dem Ende zu. Insgesamt hat es Spaß gemacht, die ca. 160 Seiten zu lesen.

 

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Conte, St. Ingbert
Jahr: 2018
Seiten: 180
Rezension von HK am 23.06.2018

Daniel Galera

Daniel Galera: So enden wir

Aurora, Antero, Emiliano und Andrej Dukelski, genannt Duke (sie sind 20 – 25 Jahre alt) betreiben Mitte der 1990er in Brasilien das Online-Magazin Orangotango. Ein Projekt der späten Gegenkultur – Literatur, Szene-Kultur, Aktionskunst (z.T. pornografisch). In der Jetzt-Zeit des Romans (2014) treffen sich die drei erstgenannten wieder, und zwar auf der Beerdigung von Duke (inzwischen erfolgreicher Schriftsteller), der bei einem Raubüberfall erschossen wurde. Aurora promoviert in Mikro-Biologie, Emiliano ist Journalist und Antero Inhaber einer erfolgreichen Werbeagentur. Außer von dem Austausch von Erinnerungen erfahren wir, dass Aurora das Ende der Welt kommen sieht, Emiliano den Auftrag erhält, eine Biografie über Duke zu schreiben, und beginnt zu recherchieren, Antero einen bizarren Vortrag über Marquis de Sade in der Werbung hält. Außerdem ist Aurora von Antero schwanger (sie hatten Sex am Abend von Dukes Beerdigung) und abtreibt. Antero wird von seiner Frau Giane vor die Tür gesetzt. Aurora will aufs Land an einen Ort, wo alle vier 1999 gezeltet haben (ein Anwesen von Emilianos Eltern).

So wechselt halt ein Kapitel das andere ab – jeweils als Ich-Erzählung eines der drei Überlebenden. Und diese Erzählungen plätschern emotionslos dahin. Keine Menschen aus Fleisch und Blut (außer vielleicht beim Masturbieren), bisserl Geist, aber seelenlos. Wenn’s das ist, ja dann – so enden wir. So endet dann aber auch Literatur, die noch was will.

 

Land: Brasilien
Genre: Roman
Verlag: Suhrkamp, Berlin
Jahr: 2018
Seiten: 231
Rezension von HK am 22.06.2018

Marc-Oliver Bischoff

Marc-Oliver Bischoff: Die Sippe

Die Hamburger Krankenschwester Katharina ist besorgt, weil sie ihre Schwester Sara nicht mehr erreichen kann. Auch als sie kurz entschlossen in Saras Rostocker Wohnung fährt, findet sie Sara dort nicht, aber auch kein Anzeichen, dass sie verreist sein könnte. Anhaltspunkte findet sie in Saras Akten; ihr letzter Termin als Gerichtsvollzieherin war Grantzow, in einem kleinen Dorf 60 km südlich von Rostock. Dort trifft sie auf eine seltsam verschworene Dorfgemeinschaft, die sie zunächst freundlich aufnimmt. Aber erste Fragen nach ihrer Schwester zeigen die Risse in dieser scheinbar heilen Welt. Viel später, fast schon zu spät muss sie erkennen, dass sie in einem monströsen völkischen Dorfexperiment gelandet ist, deren Bewohner zu allem entschlossen sind.

Kein Krimi der üblichen Art, sondern eher ein Politthriller der besonderen. Sehr instruktiv werden die Gedanken- und Gegenwelten rechtsextrem-völkischer Gemeinschaften geschildert wie auch ihre subtilen, aber ggf. auch brutalen Methoden. Das emotionale Eintauchen Katharinas in diese Welt ist szenisch und dialogisch sehr nachvollziehbar beschrieben. Nebenbei wird auch die dubiose Rolle des Verfassungsschutzes in Bezug auf rechtsextreme Gruppen zum Thema. Und die Spannung und der Nervenkitzel bleiben hoch bis zum Schluss.

 

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: grafit, Dortmund
Jahr: 2016
Seiten: 317
Rezension von HK am 12.06.2018

Jochen Frickel

Jochen Frickel: Villa Clementine

Im Jahr 1888 trifft die serbische Königin Natalija mit ihrem Sohn Aleksandar in Wiesbaden ein. Der Kronprinz soll dort seine Schulausbildung fortsetzen. Hintergrund ist aber auch, dass die Ehe Natalijas mit ihrem Mann, König Milan, völlig zerrüttet ist. Andererseits steht Milan politisch erheblich unter Druck und will seinen Sohn, den Thronfolger, nach Serbien zurückholen, um seine Macht zu stabilisieren. Und dazwischen agieren noch eine oppositionelle Untergrundorganisation, die „schwarze Spinne“, der russische Geheimdienst und die preußische Regierung, alle mit jeweils ganz speziellen Interessen. Zwischendrin der umtriebige Reporter Freddie Diekmann, der das Vertrauen der Königin gewinnt (und das Herz von Marie, der Erzieherin des Kronprinzen) und mit Tricks und Finten versucht, das Unvermeidliche – die Rückführung Aleksandars nach Serbien – zu verhindern.

Aus einigen historischen Fakten (im Kern der Besuch der Königin mit ihrem Sohn in Wiesbaden) hat der Autor eine lebendige und facettenreiche Geschichte gestrickt. Etwas von Krimi und Agententhriller, aber auch Liebesgeschichte und politischer Roman. Die Protagonisten sind sehr farbig und eingängig beschrieben (mit Ausnahme des Bruchs in Persönlichkeit und Motiven Freddie Diekmanns). Sehr gelungen ist aus meiner Sicht die illustrative Beschreibung der Alltagskultur, des Lebens und Lebensgefühls im preußischen Wiesbaden im ausgehenden 19. Jahrhundert – wie auch jene des preußischen Beamtenapparats.

 

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Roland Reischl, Köln
Jahr: 2018
Seiten: 348
Rezension von HK am 10.06.2018

Petra Morsbach

Petra Morsbach: Justizpalast

Thirza Zorniger, geb. 24.11.1956, wächst in beschaulichen Verhältnissen bei Großvater und Tanten in Pasing auf. Der Großvater war nazi-vorbelasteter Richter, die Mutter Gudrun (früh gestorben) wollte Juristin werden, gab das Studium jedoch wegen ihrer Hochzeit mit Carlos Zorniger auf. Dieser ein egomanischer Schauspieler, der es in seinem Leben auf ca. 20 Kinder mit zahlreichen Frauen bringt. Thirza will – gegen den Rat des Großvaters – Richterin werden. Sie schafft das Studium und Referendariat mit glänzenden Noten und wird über etliche Stationen (Staatsanwaltschaft, Amtsgericht, Ministerium) Vorsitzende Richterin am Landgericht (Zivilkammer für Wirtschaftsstreitigkeiten).

Der Hauptteil des Buches besteht aus Schilderungen der Gerichtsprozesse mit – auch für Laien lesbaren – Darstellungen der Sachverhalte und juristischen Erwägungen. Besonders lesenswert sind allerdings die, zum Teil schillernden, Persönlichkeiten sowohl der Streitparteien als auch der Anwälte und Richter. Oft scheint mehr psychologische Kompetenz als juristisches Wissen vonnöten zu sein. Ein durchgehendes Thema ist auch Thirzas Frage nach dem Verhältnis (oder auch Missverhältnis) von Recht und Gerechtigkeit. So entsteht der Eindruck von Aktenberge umschichtenden juristischen Mühlenarbeitern, die viel Recht sprechen, aber an den wirklichen ungerechten Verhältnissen nichts ändern – besonders dann, wenn (staatliche, wirtschaftliche) Macht ins Spiel kommt.

Auf der Strecke bleibt dabei für Thirza das eigene Leben. Die erste Liebesbeziehung beginnt im Referendariat und endet nach kurzer Zeit im Chaos. Danach nur sporadische kollegial-freundschaftliche Kontakte. Erst im höheren Alter begegnet sie mit dem erfolgslosen Versicherungsjuristen, aber literarisch gebildeten Max ihrer großen Liebe. Wobei sowohl das Zustandekommen als auch das gemeinsame Leben wesentlich auf Max‘ Initiative beruht. So erweist sich die Hauptfigur Thirza als ziemlich zweigeteilte Persönlichkeit. Beruflich stark und von starken Motiven geleitet, scheint sie im privaten Leben eher dahin zu treiben. Zwar bleibt sie – im Kontrast zu Kollegen und Bekannten – von Schicksalsschlägen unversehrt („Hab ich ein Glück gehabt“, lautet mehrfach ihr Kommentar), doch als sich der Bogen zum Ende neigt, stellt sich die – milde vorgetragene – Frage, was ein glückliches Leben wäre.

 

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Knaus, München
Jahr: 2017
Seiten: 480
Rezension von HK am 07.06.2018