Heinrich Krobbach und Bücher
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Hallo und herzlich willkommen auf meiner Webseite!

Hier gibt es mich zu sehen und zu lesen.

Für Literaturliebhaber/innen meine Rezensionen gelesener Bücher. Über viele und nette Kommentare freue ich mich.
Rechts übrigens die neuesten Rezensionen.

Wer sich wundert, dass neuerdings so viele Krimis auftauchen. Seit dem Superstart der VHS-Lesungen "Tod im Turm" bekomme ich massenhaft Empfehlungen - ich bin sozusagen fast im Krimi-Lese-Stress. Aber es gibt auch immer wieder unblutige Literatur.

Ich suche natürlich auch Gäste für meine Ferienwohnung am schönen Traunsee (Österreich, Salzkammergut).

Viel Spaß beim Surfen
Heinrich Krobbach

Neue Bücher
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Charly Weller

Charly Weller: Bonames

In Frankfurt ist kriminalistisch was los. Auf der Messe fällt der Ingenieur Hanno Erlenbrecht kurz vor einem öffentlichen Auftritt einem Attentat zum Opfer. Offensichtlich wollte jemand verhindern, dass er interne Details zum Abgasbetrug der Autoindustrie enthüllt. Dann wird in Bonames die erschossene Bankmitarbeiterin Birgit Wohlraab in ihrem Auto gefunden. Später beobachtet in Sachsenhausen die Sekretärin Rebecca Lohrberg die Entführung eines Briefkastenleerers und kurz darauf wird die Post vom Entführer erpresst, der allerdings nur läppische 12.000€ fordert – und außerdem fehlt der Post gar kein Mitarbeiter. Zwischendrin der arbeitslose Hilmar Petri, der die tote Birgit entdeckt hatte und zeitweise unter Verdacht gerät. Dann noch das Muttersöhnchen Hans-Christian Wilhelmi und dessen alter Freund Roland ihm wegen Schulden die Heizung abmontieren will.  Kommissar Roman Worstedt, der mit seiner Kollegin Regina Martz wegen seiner Milieukenntnis (Ffm-Bonames) aus Gießen herbeigeordert wird, bekommt all diese Fälle von den Frankfurter Kollegen zugeschoben. Doch es muss erst noch viel blutiger werden, bevor sich die Zusammenhänge enthüllen.

Oben ist nur etwa ein Drittel des Personals benannt, das in diesem mehrschichtigen Krimi auftritt. Ohne ein Personenverzeichnis und Notizen zu den einzelnen Kapiteln (die mit durchschnittlich 5 Seiten die Handlung sprunghaft werden lassen) hätte ich völlig den Überblick verloren. Das kratzt dann doch schon an der durchaus vorhandenen Spannung dieses Krimis. Immerhin werden (fast) alle Handlungsstränge am Ende zwecks Lösung der Fälle zusammengeführt, wenn auch sich nicht alle Teile logisch einfügen. Aber das geht mir ja beim Tatort jeden Sonntag so. Sehr farbig konturiert ist die Hauptperson Roman Worstedt, wobei dessen „kerniger“ Grundton Geschmacksache ist. Eine Kritik muss noch sein. Wenn schon Lokalkrimi mit genauen Ortsbezeichnungen, dann müssen sie stimmen. Der Knast und die Obere Kreuzäckerstraße sind nicht in Praunheim, sondern in Preungesheim. Bonames ist nicht der nördlichste Stadtteil von Frankfurt (da sind noch Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach drüber). Es gibt keine Kreuzung von Höhenstraße und Eckenheimer Landstraße. Ansonsten hat es Spaß gemacht, den flott und launig geschriebenen Krimi zu lesen.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: KBV, Hillesheim
Jahr: 2018
Seiten: 280
Rezension von HK am 13.01.2019

Maja Lunde

Maja Lunde: Die Geschichte des Wassers

Es handelt sich um zwei – mehrschichtig miteinander verbundene – Geschichten. Die 67jährige Norwegerin Signe fährt im Jahr 2017 mit ihrem Segelboot von Norwegen nach Frankreich. Geladen hat sie 12 gestohlene Kisten Eis, das nach Südfrankreich transportiert werden sollte, um dort als Eiswürfel in exklusiven Drinks zu dienen. In der Nähe von Bordeaux lebt ihre Jugendliebe Magnus, der als Ingenieur mitverantwortlich für die Zerstörung des Gletschers und der Wasserfälle war – und auch für den Abbau und Export des Eises. Sie will ihm das Eis vor die Füße werfen, doch das kommt am Ende anders… Während der langen und gefährlichen Überfahrt lässt sie die Vergangenheit Revue passieren. Kindheit, Eltern, Jugendliebe – und der Verrat von Magnus an den Protesten gegen die Umweltzerstörung.

In der parallelen beschriebenen zweiten Geschichte flieht David mit seiner Tochter Lou im Jahr 2041 aus Argelès vor Dürre und Feuersbrünsten. In einem Flüchtlingslager in der Nähe von Bordeaux warten beide auf Ehefrau Anne und Sohn August, die sie während der panischen Flucht aus den Augen verloren haben. Die Verhältnisse im Lager werden immer schlechter und die Vorräte (besonders Wasser) immer knapper. Bei einer Erkundung der Umgebung entdecken sie ein Anwesen, in dessen Schuppen ein Boot aufgebockt ist (Signes Boot – so viel darf man verraten, da es auch im Klappentext steht), und richten sich – als es im Lager unerträglich wird – dort ein. Und sie warten auf Regen, der jahrelang ausgeblieben war – und eine Chance zu überleben.

Ein wahrhaft kunstvoll gestalteter Roman. Besonders durch den Kontrast zwischen der Vergangenheit (die von Signe im Rückblick erzählte Geschichte muss etwa um die 1970er Jahre spielen), in der Ursache der Klimakatastrophe ebenso lieben wie die ersten Warnungen davor, und der Zukunft, in der die Menschen unter den gnadenlosen Auswirkungen leiden müssen. Dem entsprechen die Bilder – Gletscher, kaltes Wasser einerseits und Dürre, brennende Sonne andererseits. Und auch die alte Signe und der junge David mit seiner Tochter. Außerordentlich gut gelungen ist die atmosphärisch dichte, farbige und einfühlsame Sprache, mit der sowohl Szenen beschrieben als auch die Protagonisten entfaltet werden. Selten war ich in einem Roman so drin – davon so gefesselt. Und habe mitgefiebert, dass es irgendwie gut ausgehen möchte.

Land: Norwegen
Genre: Roman
Verlag: btb, München
Jahr: 2018
Seiten: 480
Rezension von HK am 09.01.2019

Christof A. Niedermeier

Christof A. Niedermeier: Tödliches Sushi

Ein japanischer Geschäftsmann wird nachts auf der Loreley enthauptet; der Kopf wurde vom Mörder mitgenommen. Restaurantchef Jo Weidinger, in dessen Lokal auf der anderen Rheinseite das Opfer vorher noch gegessen hatte, wird neugierig und beginnt eigene Ermittlungen. Kurz darauf wird ein weiterer Japaner in Düsseldorf enthauptet. Während die Polizei im Dunklen tappt, lässt sich Jo von seiner Intuition leiten und erkundet Hintergründe der Opfer – beide gehörten Familien mit uralter Samurai-Tradition an. Eine Rückfrage bei seinem früheren Seemannsfreund Kenji ergibt, dass auch in Japan in jüngerer Zeit ein Mensch enthauptet wurde. Kurzentschlossen reist Jo nach Japan. Kenji hat zwar wenig Zeit, doch seine junge (und sehr attraktive) Tante Mikiko, Professorin für mittelalterliche Geschichte, macht nicht nur die Fremdenführerin, sondern hilft bei seinen Recherchen. Und sie stoßen auf die uralte Legende der 5 Samurai. Doch erst nach dramatischen Ereignissen und weiteren Toten gelingt es beiden, im Zusammenspiel von Mikikos historischen Fachkenntnissen und Jos Spürsinn dem wahnsinnigen Killer auf die Spur zu kommen.

Ein Krimi, der besonders von den Kontrasten seiner Bestandteile belebt wird. Hier die beschauliche Atmosphäre von Jos Restaurant im Rheintal und seiner sympathischen Crew, dort der blutige und mörderische Thriller. Hier die moderne aufgeklärte Gesellschaft (in Deutschland und Japan), dort jahrhundertealte archaische Tradition und Konvention. Der originelle Plot bereichert den Krimi zusätzlich um interessant Einblicke in die japanische Geschichte und auch in historische Forschungsweisen. Lediglich die psychologisierende Biografie des Killers schrammt nur knapp am Klischee vorbei. Wie auch die etwas romaneske Liebesgeschichte zwischen Mikiko und Jo. Aber insgesamt ein Krimi, der die Spannung bis zum dramatischen Finale hochhält. Ach ja, sehr appetitanregend sind auch die detaillierten Beschreibungen der kulinarischen Leckerbissen, die Jo zubereitet.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Gmeiner, Meßkirch
Jahr: 2018
Seiten: 408
Rezension von HK am 06.01.2019

Sandra Hausser

Sandra Hausser: Düstere Rache

Die Rüsselsheimer Kommissarin Hannah Bindhoffer entdeckt nach einem Besuch in Hamburg (ihre frühere Dienststelle) ein unbekanntes Handy in ihrem Handschuhfach und wird gleichzeitig von einem schwarzen SUV auf der Autobahn gerammt. Ihre schreckliche Ahnung wird bestätigt, als ein zu Hilfe eilender Kollege das Handy, kurz bevor es explodiert, noch wegwerfen kann – jemand trachtet ihr nach dem Leben. Weitere Anschläge folgen, und es fließt noch viel Blut, bis der Täter in einem dramatischen Finale gestoppt werden kann.

In einer Parallelhandlung stalkt der von Minderwertigkeitskomplexen geplagte Hartmut Lydia, dringt während ihres Urlaubs in ihre Wohnung ein und trifft dort plötzlich auf Susi, die die Blumen gießen sollte. Für Susi endet dies tödlich, was Hartmut nicht davon abhält, weiterhin (nun als Ralf) Lydia nachzustellen. Dabei schreckt er vor dem Einsatz von Ko-Tropfen nicht zurück und verstrickt sich immer mehr in Wahn und Gewalt.

Der Leser merkt schnell, dass die beiden Geschichten gar nichts miteinander zu tun haben, außer der Doppelbelastung für Hannahs sympathisch dargestellte Rüsselsheimer Kollegen Hardy, Cetin und Axel – sogar der (im Gegensatz zu vielen anderen Krimis mal kollegiale) Chef Josef Mitheimer muss ran. Wobei – neben Hannah – der Psychopath Hartmut am Plastischsten rüberkommt, wenn auch hier und da nur knapp am Klischee vorbei. Die Handlung hat einige Glaubwürdigkeitsdefizite (welche Kommissarin öffnet denn kurz nach dem Sprengstoffanschlag ein ihr nach Hause zugestelltes Paket mit unleserlichem Absender?), aber insgesamt war’s spannend zu lesen.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Midnight, Berlin
Jahr: 2018
Seiten: 248
Rezension von HK am 01.01.2019

Stephen King

Stephen King: Erhebung

Scott, 42 Jahre, ist Webdesigner in der Kleinstadt Castle Rock und beobachtet seltsame Veränderungen: Obwohl er ständig an Gewicht verliert, sind an seinem Körper keine Veränderungen zu erkennen. Auch sein Freund (und ehemaliger Arzt) Bob steht vor einem Rätsel. Zwischenzeitlich gerät Scott mit seiner neuen Nachbarin Deirde in einen Konflikt, weil deren Hunde ihr Geschäft in seinem Vorgarten verrichten, sie kein Entgegenkommen zeigt und ihn stattdessen arrogant abweist. Deirde ist mit ihrer Frau Missy Inhaberin des veganen Restaurants „Holy Frijole“, das allerdings gemieden wird, weil die Kleinstädter Vorurteile gegen eine lesbische Ehe hegen. Nun will Deirde, ehemalige Profi-Läuferin, den Turkey Trot (den jährlichen Marathonlauf in Castle Rock) gewinnen, um ihr Image aufzubessern. Aber auch Scott, dessen Gewichtsverlust ihn immer mehr von der Schwerkraft befreit, läuft mit. Wie es ausgeht – mit dem Lauf und mit Scott – soll hier nicht verraten werden.

Mein erster Stephen King (Weihnachtsgeschenk) und so ganz anders, als ich bisher von ihm gehört habe (Grusel, Horror). Eher eine psychologisch differenzierte Geschichte über Kleinstadtmilieu und gegenseitige Vorurteile, aber auch Zugewandtheit und Nächstenliebe. Ja, in der Tat irgendwie auch eine anrührende Weihnachtsgeschichte.

Land: USA
Genre: Roman
Verlag: Heyne, München
Jahr: 2018
Seiten: 144
Rezension von HK am 26.12.2018