Heinrich Krobbach und Bücher
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Hallo und herzlich willkommen auf meiner Webseite!

Hier gibt es mich zu sehen und zu lesen.

Für Literaturliebhaber/innen meine Rezensionen gelesener Bücher. Über viele und nette Kommentare freue ich mich.
Rechts übrigens die neuesten Rezensionen.

Wer sich wundert, dass neuerdings so viele Krimis auftauchen. Seit dem Superstart der VHS-Lesungen "Tod im Turm" bekomme ich massenhaft Empfehlungen - ich bin sozusagen fast im Krimi-Lese-Stress. Aber es gibt auch immer wieder unblutige Literatur.

Ich suche natürlich auch Gäste für meine Ferienwohnung am schönen Traunsee (Österreich, Salzkammergut).

Viel Spaß beim Surfen
Heinrich Krobbach

Neue Bücher
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Mara Pfeiffer

Mara Pfeiffer: Im Schatten der Arena

Die Lokaljournalistin Johanna ist alleinerziehende Mutter des fünfjährigen Luca und lebt in der Mainzer Neustadt. Als ihr Kollege und bester Freund Jonas mit dem Auto tödlich verunglückt, glaubt sie nicht an einen Unfall, sondern vermutet, es müsse etwas mit seinen jüngsten Recherchen über Spieler von Mainz 05 zu tun haben. Doch zunächst werden vorwiegend ihr Leben mit Lucas, mit ihrer Großmutter, mit den Freundinnen und Kollegen und ihre beginnende Liebesbeziehung zum Polizisten Hans geschildert. Erst auf Seite 176 (von 256) findet sie einen möglichen Hinweis auf ein mögliches Motiv eines möglichen Täters.

Bis zum Ende geht dann das Gemisch aus zeitgenössischem Frauenroman und möglichem Krimi. Kriminalistisch geklärt wird bis zum Schluss nichts so richtig; selbst im Epilog nur Andeutungen. Schön das viele Mainzer Lokalkolorit und die Geschichten um Mainz 05, aber zu einem spannenden Krimi gehört nun wirklich bisserl mehr.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Societäts Verlag, Frankfurt
Jahr: 2018
Seiten: 256
Rezension von HK am 18.09.2018

Olaf Jahnke

Olaf Jahnke: Die vermisste Freundin

Der Privatdetektiv Roland Bernau erhält den ungewöhnlichen Auftrag, die spurlos verschwundene Martina Weber, eine Mitarbeiterin eines landwirtschaftlichen Entwicklungsprojekts in Madagaskar, zu finden. Er findet Martina Weber in Madagaskar überraschend schnell, doch die Frau ist völlig verstört und redet – auch nach ihrer Rückkehr nach Deutschland – nicht darüber, was geschehen ist. Gleichzeitig ist in Madagaskar ein freiberuflicher Controller von Entwicklungsprojekten, laut Polizei durch einen Raubmord, ums Leben gekommen, doch die deutsche Botschaft glaubt nicht an diese Version und beauftragt Bernau mit weiteren Recherchen. Damit tritt er offensichtlich Leuten, die nicht an einer genaueren Kontrolle von Entwicklungsgeldern interessiert sind, auf die Füße und wird fast selbst Opfer eines Anschlags. Erst zurück in Deutschland gelingt es ihm, alle Fakten und Abläufe so zu sortieren, dass der finanziell lukrative und mörderische Skandal zu Tage kommt.

Ein flott geschriebener Krimi mit gut durchdachtem Handlungsaufbau. Geschickt werden Spuren ausgelegt und Ahnungen ermöglicht, wem es um was gehen könnte, und auch, wer die Schurken sein könnten. Roland Bernau und seine Freundin Julia (die – mit einem Reportageauftrag der GIZ mit ihm nach Madagaskar reist) sind sympathische Figuren, wenn auch ihr Gekabbel und Liebesgeturtel etwas dick aufgetragen ist. Sehr instruktiv sind die Schilderungen der Verhältnisse in einem armen afrikanischen Land und ein kritischer Blick auf Entwicklungsprojekte, hinter denen nicht immer nur Hilfs-, sondern auch handfeste politische und ökonomische Interessen stehen.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Größenwahn-Verlag, Frankfurt
Jahr: 2018
Seiten: 300
Rezension von HK am 17.09.2018

Christoph Hein

Christoph Hein: Verwirrnis

Friedeward, geboren 1933 als Sohn des konservativen, strenggläubigen Lehrers Pius Ringeling, erlebt seine Jugend in Heiligenstadt (Thüringen – DDR) und leidet unter der grausamen Erziehung durch seinen Vater. Besonders unter der Züchtigung mit einer Riemenpeitsche leiden die Kinder (sein älterer Bruder flieht mit knapp 16 aus dem Elternhaus). Besonders hart trifft es Friedeward, als sein Vater ihn beim Sex mit seinem Freund Wolfgang erwischt. Erst als die beiden Freunde in Leipzig studieren, können sie ihre Liebe einigermaßen leben. Denn noch ist Homosexualität strafbar und gilt in der bürgerlichen Moral sowieso als Tabu. So schaffen sie sich Tarnexistenzen. Wolfgang verlobt sich mit der Jugendfreundin Helga. Friedeward heiratet Jacqueline, die eine lesbische Beziehung zur Dozentin Herlinde hat. Als Wolfgang sich in den Westen absetzt, um als Kantor zu arbeiten, bleibt Friedeward alleine in Leipzig zurück. Er übersteht als bekannter Professor für Germanistik die politische Repression in der DDR ebenso wie die Wende. Doch ein Eintrag bei der Stasi bringt ihn in Schwierigkeiten, die er nur beheben könnte, wenn er sich zu seiner Homosexualität bekennt.

Genau hier ist für mich das einzig spannende Thema des Romans. Bei aller Festigkeit von Friedewards sexueller Orientierung einerseits und bei all dem Hass und der Verachtung gegenüber dem herrischen und grausamen Vater bleibt er bis zum Ende verstrickt in das religiöse Wahnkonstrukt einer Sünde. Man fragt sich „ungläubig“, wie eine solch menschenverachtende Erziehung sich so tief in das Opfer eingraben kann. Darüber hinaus empfand ich den Roman eher als eine nett geschriebene Geschichte mit ab und zu überflüssigen Detailschilderungen.

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Suhrkamp, Berlin
Jahr: 2018
Seiten: 303
Rezension von HK am 13.09.2018

Wolfgang Schorlau

Wolfgang Schorlau: Der große Plan

Anne Hartmann, ehrgeizige Mitarbeiterin des Außenministeriums und Beraterin der „Troika“ (Europäische Kommission, Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfond), die die Finanzhilfen für Griechenland überwacht, wird mitten in der Nacht in Berlin entführt. Nachdem die Polizei keinerlei Spur finden kann, beauftragt das Außenministerium den Privatdetektiv Georg Dengler, alle Spuren nochmals zu sichten. Und da gibt es einige: Ein eventuell eifersüchtiger Lebensgefährte, Finanz- und Politkreise, die die Aufdeckung unangenehmer Wahrheiten der „Griechenlandrettung“ fürchten, ein konkurrenter Geschäftsführer der Stiftung ihres verstorbenen Vaters Otto-Hartmann. Zunächst gelingt es Dengler mit seiner Freundin Olga, einer begnadeten Hackerin, auf die Spur der Entführer zu kommen. Doch, immer wenn sie einem nahe kommen, wird dieser umgebracht.

Erst umfangreiche und akribische Recherchen erhellen die möglichen unterschiedlichen Motive und führen auf die richtige Spur. Wobei dem vermeintlichen Ende (der Auflösung) immer noch eine Volte hinzugefügt wird, bis der findige Dengler auch die letzten Ecken ausgeleuchtet hat. Bis dahin liest sich der Wechsel zwischen Recherche- und Denkarbeit einerseits und wahren Actionszenen andererseits sehr flüssig und hält die Spannung hoch bis zum Schluss. Wobei die „Denkpassagen“ schon Aufmerksamkeit erfordern, aber auch – quasi nebenbei – schonungslos offenlegen, dass die angebliche Griechenlandhilfe zum Großteil weder dem griechischen Staat noch dessen Bürger/inne/n, sondern den internationalen Banken zugeflossen ist. Auch die nationalsozialistischen Verbrechen in Griechenland während des zweiten Weltkriegs werden ausführlich beleuchtet, gehören sie doch in gewissem Sinn zur Vorgeschichte der Otto-Hartmann-Stiftung. Somit ist es (wie von Schorlau gewohnt) ein hochpolitischer Krimi, der sauber recherchierte reale Geschehnisse mit Fiktion verknüpft. Und die drängende Frage nach der historischen Verantwortung der „Nachgeborenen“ stellt. Mal wieder der Tipp: Unbedingt lesen!

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Kiepenheuer & Witsch, Köln
Jahr: 2018
Seiten: 448
Rezension von HK am 01.09.2018

Nino Haratischwili

Nino Haratischwili: Das achte Leben

Von fast 1300 Seiten eine Inhaltsangabe zu erstellen, die die Vielzahl von Personen und Handlungssträngen auch nur annähernd schildert, ist schlicht nicht auf die Länge einer Rezension zu bringen. Es geht um 8 Leben – die Töchter eines georgischen Schokoladenfabrikanten, Stasia (geb. 1900) und Christine (geb. 1907), Stasias Kinder Kostja (geb. 1921) und Kitty (geb. 1924), Kostjas Tochter Elene (geb. 1953), ihre Töchter Daria (geb. 1970) und Niza (geb. 1973) sowie Darias Tochter Brilka (geb. 1993).

Die Geschichte dieser Familie Jaschi ist eng verwebt mit der Geschichte vom ausgehenden Zarenreich über die russische Revolution, die Stalinära bis hin zu Perestroika und dem Zerfall der Sowjetunion und reicht ins 21. Jahrhundert. Damit liefert das Buch auch einen anschaulichen Geschichtsunterricht und tiefe Einblicke in soziale und politische Umwälzungen, in kulturelle Prägungen bis in die (kollektive) Seele der Kaukasus-Republik.

Wie Menschen das alles erleben und verarbeiten, wäre schon Stoff genug für einen dicken Roman. Doch die Familie Jaschi (in enger Verquickung mit der Familie Eristawi) verstrickt sich auch noch in sich selbst und von Generation zu Generation wird die Last von tragischen Schicksalsschlägen, enttäuschten Lieben, zerschellten Hoffnungen und Verrat größer. Niemand scheint diesem Fluch (des geheimen Schokoladenrezepts?) entkommen zu können, egal wie sein/ihr Leben verläuft. Eine düstere Innerlichkeit, die (wie mir inmitten dieser fast 1300 Seiten öfters mal schien) ins Mysteriöse kippt und Empathie und Verständnis des Lesers schwächt. Das Weiterlesen wird dennoch befeuert vom immer wieder neu erzeugten Spannungsbogen der Handlung, von der Farbigkeit (auch schwarz ist eine Farbe) und der Kraft der gezeichneten Protagonisten und von der unglaublich gefühlvollen Poesie, mit der die Autorin sowohl höchstes Glück als auch tiefstes Leid sprachlich in Szene setzt. Also, es hat sich mehr als gelohnt durchzuhalten.

Land: Georgien
Genre: Roman
Verlag: Ullstein, Berlin
Jahr: 2018
Seiten: 1280
Rezension von HK am 20.08.2018