Heinrich Krobbach und Bücher
StartBücherLinkseMailImpressumDatenschutz

Hallo und herzlich willkommen auf meiner Webseite!

Hier gibt es mich zu sehen und zu lesen.

Für Literaturliebhaber/innen meine Rezensionen gelesener Bücher. Über viele und nette Kommentare freue ich mich.
Rechts übrigens die neuesten Rezensionen.

Wer sich wundert, dass neuerdings so viele Krimis auftauchen. Seit dem Superstart der VHS-Lesungen "Tod im Turm" bekomme ich massenhaft Empfehlungen - ich bin sozusagen fast im Krimi-Lese-Stress. Aber es gibt auch immer wieder unblutige Literatur.

Ich suche natürlich auch Gäste für meine Ferienwohnung am schönen Traunsee (Österreich, Salzkammergut).

Viel Spaß beim Surfen
Heinrich Krobbach

Neue Bücher
(auf den Titel klicken)

Marlene Streeruwitz

Marlene Streeruwitz: Flammenwand

Die 52jährige Deutschlehrerin Adele aus Wien hat ein Sabbatjahr genommen und lebt mit ihrem Freund Gustav temporär in Stockholm. Dort „entschwindet“ er ihr. War alles nur Verstellung? Adele irrt verzweifelt durch Stockholm und findet sich in zum Teil bizarren Szenerien wieder. Ihre Gedanken kreisen um die Abhängigkeit der eigentlich emanzipiert sein sollenden Frau von der Liebe des Mannes, um die Lieblosigkeit in ihrem Elternhaus, um die unbewältigte Nazi-Vergangenheit. Ein spezieller Aspekt ist noch die Diskriminierung als mögliche Roma-Frau, da sie sich aus einer Laune heraus einen roma-typischen bunten Rock gekauft hat. Zu jedem Kapitel wird genannt, wann und wo (Wien, Berlin usw.) es geschrieben wurde. Anmerkungen verweisen auf aktuelle politische Ereignisse im von der ÖVP-FPÖ-Koalition regierten Österreich im (Schreib-)Jahr 2018.

Es ist etwas scher, die Handlung zu beschreiben, wenn – außer szenischen Erlebens – nichts passiert, also sich nichts entwickelt. Der Klappentext spricht von 5 Stunden im Leben von Adele, in denen es um ihren inneren Halt geht. Gelingt ihr der Gang durch das Fegefeuer (der Titel „Flammenwand“ verweist wohl auf den entsprechenden Teil von Dantes Göttliche Komödie) und der Aufstieg ins Leben? So ganz klar wird das nicht. Das Lesen dieser 369 Seiten ist auch ein hartes Stück Arbeit. Bei der Stange gehalten hat mich nur der faszinierende Schreibstil – die Eindrücklichkeit der atemlos herausgestoßenen Sätze.

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: Fischer, Frankfurt
Jahr: 2019
Seiten: 416
Rezension von HK am 23.06.2019

Wolf Haas

Wolf Haas: Junger Mann

Der 13jährige Internatsschüler (wird irgendwo ein Name genannt?) jobbt in den Ferien in seinem österreichischen Dorf an der Tankstelle (die Geschichte spielt in den 1970er Jahren und der Zeit der Ölkrise und Fahrverbote). Dort begegnet ihm die 20jährige Elsa, Frau des LKW-Fahrers Tscho, und er verliebt sich sofort. Nun sind ihm seine 93 Kilo zu viel und er beginnt mit einer Abmagerungskur. Direkt vor der Villa, in der Elsa als Haushälterin arbeitet, hat sein Fahrrad einen Platten. Während er repariert bietet ihm Elsa etwas zum Trinken an, lässt ihn die Hände waschen und fordert ihn sogar zum Bad im Swimmingpool auf. Er lehnt (natürlich) ab, ist aber von jetzt an überzeugt, dass Elas ihm zugetan ist. Schließlich nimmt ihn Tscho auf eine Tour nach Thessaloniki mit, weil er ihm mit seinen Englischkenntnissen beim Zoll helfen könnte. Auf der Fahrt erlebt er so einiges, und die Rückkehr nach Österreich bedeutet für alle ein glückliches Ende der Geschichte.

Na, sind sie jetzt richtig scharf auf die Geschichte? Ich wurde es vor dem Lesen nicht (weil kaum was im Klappentext steht) und danach nicht (mehr). Ich dachte, ist von Wolf Haas, also muss gut sein. Bisserl der bekannte Wortwitz und die Situationskomik, bisserl die übliche horizontale Limitiertheit – aber auch bisserl fad.

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: Hoffmann und Campe, Hamburg
Jahr: 2018
Seiten: 240
Rezension von HK am 14.06.2019

Tom Coraghessan Boyle

Tom Coraghessan Boyle: Das Licht

Fitz und Joanie leben zu Beginn der 1960er Jahre in Harvard in finanziell beengten Verhältnissen. Sie hat ihr Studium bei der Geburt ihres Sohnes Corey aufgegeben und nun nur schlecht bezahlte Jobs. Er ist Schulpsychologe und promoviert bei Prof. Timothy Leary. Dieser propagiert den Einsatz von LSD in psychologischer Therapie (soweit übrigens der reale Hintergrund) und beginnt mit seinen Studenten und Anhängern immer intensiver werdende Selbstexperimente. Mehr und mehr zieht es auch Fitz und Joanie in den inneren Kreis um Tim. Doch schon der Sommer in Mexiko, den die etwa 25 Anhänger (inkl. Kinder) gemeinsam in einem Hotel verbringen (und der mit der Ausweisung durch die Polizei endet), zeigt, dass es kaum noch um Forschung geht. Die kollektive Selbsterfahrung zielt auf die Überwindung bürgerlich-individueller Lebenskonzepte und die Entwicklung einer kollektiven Gruppenidentität. In Millbrook wurde Tim ein riesiges Anwesen überlassen, in welchem alle nun gemeinsam wohnen, rauschende Drogen-Partys feiern und mit obskuren Selbsterfahrungsseminaren für Externe Geld verdienen. Doch das Ehepaar wird auf eine schwere Probe gestellt, als Fitz immer mehr den Realitätsbezug verliert und sich in die junge Lori verliebt. Joanie reagiert mit Eifersucht und verlässt schließlich mit Corey die Kommune.

Also alles nicht so einfach mit der Überwindung der bürgerlichen Dispositionen (des „Set“, wie Leary sagen würde). Man muss dieser Sturm- und Drangzeit der Psychologie zu Gute halten, dass sie aus den lebensfremden Gefängnissen der Skinnerschen Verhaltenspsychologie (mit ihren Ratten-, Affen- und Menschenexperimente) ausbrechen wollten. TC Boyle beschreibt einleuchtend die Auswirkungen, wenn die Überwindung überkommener Wissenschaft nicht zu neuen Reflexionsformen, sondern zur Absolutheit unmittelbaren Erlebens (und das noch im Rausch) führt. Fitz steht für die Hilflosigkeit, Joanie für die Widerständigkeit des Individuums, wenn es allzu sehr über einen – welchen Kamm auch immer geschoren werden soll. Sprachlich sind die Geschichte und die Protagonisten meisterhaft in Szene gesetzt. Ob Landschaft, Wetter oder Gefühlslagen – alles stand mir beim Lesen in kräftigen und farbigen Bildern vor dem inneren Auge.

Land: USA
Genre: Roman
Verlag: Carl Hanser, München
Jahr: 2019
Seiten: 384
Rezension von HK am 07.06.2019

Robert Seethaler

Robert Seethaler: Der Trafikant

Der 17jährige „Burschi“ Franz Huchel ist bei seiner alleinerziehenden Mutter am Attersee behütet, naturverbunden und verträumt aufgewachsen. Nun sorgt sich die Mutter um seine Zukunft und schickt ihn zu einem alten Freund, dem Wiener Trafikanten Otto Trsnejk zur Ausbildung. Nach anfänglichem Fremdeln mir der Großstadt erweist er sich als gelehriger und aufgeweckter junger Mann, der gut mit dem Geschäft und den Kunden zurechtkommt. Unter diesen ist auch ein gewisser Prof. Sigmund Freud, der von Franz‘ unbefangenen Fragen über das Leben beeindruckt ist. Wobei er Franz aber weniger helfen kann, ist bei dessen unglücklicher Verliebtheit in das Varieté-Mädchen Anezka. Doch zwischenzeitlich bahnt sich größeres Unheil an – wir schreiben das Jahr 1938, und Österreich wird an das Nazi-Reich angegliedert. Otto wird denunziert und von der Gestapo verhaftet und stirbt (?) im Gefängnis; Franz muss die Trafik allein weiterführen. Nun beginnt er seltsamerweise die Aufzeichnungen seiner Träume (war ihm von Freud geraten) täglich im Fenster der Trafik auszuhängen. Und auch Franz – warum auch immer – gerät in das Visier der Gestapo.

Eine eigentümlich berührende Geschichte eines Jungen zwischen Tradition, Heimat, Natur und überschaubarer Welt einerseits und der Komplexität der Großstadt sowie der eindringenden Nazi-Herrschaft. Hierbei wirkt die Trafik wie ein letzter Zufluchtsort, jedoch zu klein und zu verletzlich, um dem Terror zu widerstehen. Ebenso beeindruckend ist die Figur von Franz, wie er trotz (oder wegen) aller Innerlichkeit sich mit wachsendem Selbstbewusstsein in der neuen Welt zu behaupten versucht. Und alles mit einfühlsamer und farbiger Sprache in Szene gesetzt. Ich bin beeindruckt auf der letzten Seite angekommen – und zurückgeblieben.

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: Kein & Aber, Zürich - Berlin
Jahr: 2013
Seiten: 249
Rezension von HK am 02.06.2019

Thorsten Fiedler

Thorsten Fiedler: Schlusspfiff

In Offenbach werden mehrere Schiedsrichter ermordet. Sie sterben durch einen Stich in die Lunge und werden anschließend im Mittelkreis eines Sportplatzes abgelegt. Das Team um Kriminalhauptkommissar Adi Hessberger (Sina Fröhlich und Rüdiger Salzmann) tappt völlig im Dunkeln. Dann verschwindet nach dem Lokalderby FSV Frankfurt – Offenbacher Kickers der Schiedsrichter, es geht eine Lösegeldforderung ein und der Entführer wird bei der Geldübergabe angeschossen, stirbt jedoch kurz darauf im Krankenhaus. Fall gelöst? Der inzwischen suspendierte Adi (beim Gespräch mit der Frau eines der Schiedsrichter ist diese tödlich gestürzt, und der angetrunkene Adi hat einen hinzukommenden Staatsanwalt beleidigt) glaubt nicht daran – und wird leider durch die nächste Schiedsrichter-Leiche bestätigt. Es müssen erst noch einige Morde bzw. Mordversuche geschehen, bis die Zusammenhänge klar werden und ein dramatisches Finale auf der Carl-Ulrich-Brücke den Fall beendet.

Die Unberechenbarkeit eines irren Täters und die hohe Taktung der Leichen (musste mir Notizen machen, um den Überblick zu wahren) treibt die Spannung voran. Insgesamt wirkt der Plot jedoch zu konstruiert und kratzt psychologisch am Klischee. Sehr viel liebevolles Lokalkolorit steckt in der Beschreibung der Offenbacher Fanszene und den einschlägigen Lokalitäten. Das „Personal“ ist sehr bodenständig gezeichnet, wobei der ebbelwoiselige Adi Hessberger in seiner „unbeherrschten“ Art wie ein Bruder des Frankfurter Kommissars Andreas Rauscher wirkt. War nett in einem Rutsch zu lesen.

Land: Deuitschland
Genre: Krimi
Verlag: Mainbook, Frankfurt
Jahr: 2018
Seiten: 203
Rezension von HK am 01.06.2019