Heinrich Krobbach und Bücher
StartBücherLinkseMailImpressumDatenschutz

Hallo und herzlich willkommen auf meiner Webseite!

Hier gibt es mich zu sehen und zu lesen.

Für Literaturliebhaber/innen meine Rezensionen gelesener Bücher. Über viele und nette Kommentare freue ich mich.
Rechts übrigens die neuesten Rezensionen.

Wer sich wundert, dass neuerdings so viele Krimis auftauchen. Seit dem Superstart der VHS-Lesungen "Tod im Turm" bekomme ich massenhaft Empfehlungen - ich bin sozusagen fast im Krimi-Lese-Stress. Aber es gibt auch immer wieder unblutige Literatur.

Ich suche natürlich auch Gäste für meine Ferienwohnung am schönen Traunsee (Österreich, Salzkammergut).

Viel Spaß beim Surfen
Heinrich Krobbach

Neue Bücher
(auf den Titel klicken)

Lilo Beil

Lilo Beil: Mädchen im roten Kleid

Ex-Kripo-Chef Friedrich Gonthard und seine Frau Anna Sind im geliebten Südfrankreich im Urlaub. In der Abtei Le Thoronet und später im Museum Granet in Aix-en-Provence erblickt er eine dunkelhaarige junge Frau im roten Kleid und mit goldenen Sandalen, die ihm bekannt vorkommt. Seine Erinnerung versagt jedoch. Dieselbe Frau meint er in einem Mercedes zu erkennen, der das Ehepaar auf der Rückfahrt nach Deutschland überholt. Als kurz darauf bei ein Heidelberger Kunstauktion (ein Hobby von Friedrich) das Bild „Mädchen im roten Kleid“ versteigert wird (das gemalte Mädchen gleicht aufs Haar jener Frau aus Frankreich), kommt die Erinnerung zurück. Das Bild gehört zu seiner frühen Kindheitsgeschichte und das gezeigte Mädchen kennt er. Doch das war vor fast 70 Jahren – das Mädchen kann nicht die aktuelle junge Frau sein. Nun wird diese ermordet am Neckar gefunden und Friedrich unterstützt seinen früheren Mitarbeiter Manfred Berberich (inzwischen bei der Heidelberger Kripo) mit seinem Wissen über die familiären Zusammenhänge und die Kunstszene bei den Ermittlungen.

In Kunst und Malerei (und ihren schönen, aber auch zwielichtigen und abgründigen Seiten) finden sich Ursachen, Motive, Täter und Opfer. Lilo Beil spannt vor diesem Hintergrund ein feines Netz von Geschichten und Zusammenhängen, dass sich erst am Ende für den Leser (und dann sehr plausibel) erschließt. Damit ist es nicht nur ein spannender Krimi, sondern auch ein kritischer (und sehr fachkundiger) Blick auf die Kunstszene. Nur der kritische Hinweis, dass die tote Frau im roten Kleid, die in Südfrankreich gefunden wird, in Vergessenheit gerät. Auch warum die Geschichte im Jahr 2004 angesiedelt ist, hat sich mir nicht erschlossen. Aber hervorzuheben sind noch die einfühlsam und sympathisch entwickelten Hauptfiguren (auch im Umgang mit dem Altern des nun 80jährigen Friedrich) sowie die grandiosen farbigen Beschreibungen der südfranzösischen Landschaft und der Kulturdenkmäler.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Conte, St. Ingbert
Jahr: 2019
Seiten: 190
Rezension von HK am 12.07.2019

Helene Hegemann

Helene Hegemann: Bungalow

Charlie wächst in einer Modellsiedlung (wohl Berlin) auf, in der sich Mietwohnblöcke (für den ärmeren Teil der Bevölkerung) als auch direkt angrenzend Bungalows (für die Betuchteren) befinden. Das Mädchen erzählt seine Geschichte (aus der Retrospektive) von der Grundschule bis zur weiterführenden Schule, die sie recht erfolgreich absolviert. Dies wäre nicht bemerkenswert, wenn nicht Charlies Elternhaus völlig zerrüttet wäre. Ihre alleinerziehende Mutter ist alkoholkrank und nur zeitweise in der Lage, Haushalt und Existenz beieinander zu halten. Ekelerregende Beschreibungen von verdreckter Wohnung, Schimmel, in die Hose pissen (Mutter), Apathie, Aggression und Autoaggression, die den Alltag von Charlie und ihrer Mutter bestimmen, werden seitenlang beschrieben. Dies bleibt dem Umfeld (Charlies Kinderfreund Iskender, den Lehrern) nicht verborgen. Obwohl als Assi erkannt, gelingt es Charlie, ihre Position zu behaupten – allerdings um den Preis traumatischer Belastung. Aber auch das Wohnumfeld ist alles andere als „behaust“ – prekäre Schicksale, sich häufende Selbstmorde – der Leser muss sich auf ein Horrorszenario nach dem anderen einlassen. Als gegenüber in einen der Bungalows ein junges schillerndes Ehepaar einzieht, verknüpfen sich Charlies Fantasien von einem besseren Leben mit den beiden und sie versucht verzweifelt (und chaotisch) deren Nähe.

Kein Roman im klassischen Sinne, wenn man einen Handlungsbogen erwartet, der irgendwo hinsteuert. Hier steuert niemand irgendwo hin. Die Geschichte spielt gnadenlos im Hier und Jetzt, und das ist widerwärtig und traumatisch genug, um alle Kraft fürs Überleben zu gebrauchen oder auch sich erschöpft fallen zu lassen. Das Buch ist die Diagnose einer Endzeitstimmung ohne Ziel und Perspektive. Sprachlich glänzt es durch die Intensität der Beschreibungen – man sieht, hört, spürt, riecht geradezu das Chaos, den Dreck und die Angst – und bleibt verstört zurück. Lediglich, dass die von der Sprache her intelligente Ich-Erzählerin die Geschichte in der Retrospektive erzählt, vermittelt diffuse Hoffnung.

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Hanser, Berlin
Jahr: 2018
Seiten: 288
Rezension von HK am 07.07.2019

Belinda Vogt

Belinda Vogt: Toskanische Täuschung

Die etruskische Bronzestatue einer antiken Chimäre (Tiergestalt aus Löwe, Ziege und Schlange) ist von todbringender mystischer Gewalt. Für Enzo Margoni, Direktor des archäologischen Museums in Arezzo, ist es der Höhepunkt seines Schaffens, dass die Statue aus Florenz zu ihrem Fundort Arezzo zurückkehrt. Doch er wird es nicht feiern können – in der Nacht vor der offiziellen Präsentation wird er erdrosselt und zwischen die Löwentatzen der verhüllten Statue drapiert. Commissario Roberto Fabbri nimmt die üblichen Ermittlungen auf, doch spätestens bei der nächsten Leiche, bei der ein Ziegenkopf gefunden wurde, drängt sich ihm ein Zusammenhang zur dreifach todbringenden Chimäre auf (bei fanden sich Margoni waren Schlangenschuppen auf der Haut). Dann ist noch ein dritter Mord zu erwarten. Eine andere Spur führt jedoch zu einer nahegelegenen Schlafklinik, in der die deutsche Psychologin Pia Michaelis Therapien mit luziden Träumen durchführt und dessen Direktor Moretti sich durch schlechte Lügen verdächtig macht. Doch dann führt eine überraschende Wende in eine ganz andere Richtung.

Und dies wird nicht die letzte Wende in diesem spannenden Krimi sein. Die Autorin entwickelt ein Verwirrspiel, das den Leser aber nicht verwirrt, sondern die Leselust antreibt. Gutes Krimihandwerk! Interessant sind auch die Geschichte und das Konzept des luziden Traums zu lesen. Dass die attraktive Psychologin damit auch dem Commissario, der seit dem Unfalltod seiner Frau von Alpträumen geplagt wird, hilft, bringt die beiden näher und näher, zumal Pia gerade ihren zwielichtigen Freund Alexander zum Teufel gejagt hat. Also, schöne Love-Story inklusive. Stimmungsvolle Beschreibungen des toskanischen Lebens, der Atmosphäre und der Landschaft runden diesen schönen Krimi ab.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: emons, Köln
Jahr: 2019
Seiten: 288
Rezension von HK am 03.07.2019

Ulrike Blatter

Ulrike Blatter: Die Töchter des Todes

Das muslimisch-katholische Ehepaar Edin und Kristina Hodzic musste im Bürgerkrieg aus Bosnien fliehen, da ihre Religionszugehörigkeit sie zu Zielscheiben für beide Seiten machten. Im süddeutschen Taufingen leben sie vollkommen integriert und haben mit Religion nichts am Hut. Ihre beiden Töchter sind in Deutschland aufgewachsen. Semina arbeitet inzwischen als Sozialpädagogin in Köln, Aylin hat gerade Abitur gemacht, will Journalistin werden und ist frisch verliebt in Jordan, den Kollegen aus dem Theaterprojekt. Doch plötzlich ist Semina verschwunden und auf ihrer Facebook-Seite ist zu lesen, dass sie sich dem Islamischen Staat angeschlossen hat. Als kurz darauf in Taufingen eine Bombe explodiert steht für viele fest, dass die Selbstmordattentäterin nur Semina gewesen sein kann. Eine entfesselte Hetzjagd gegen die Familie beginnt. Kristina wird im Kindergarten entlassen. Selbst die langjährige Freundin Stefanie sagt sich von ihr los; Aylin darf nicht mehr ihren Sohn Tim betreuen. Die Familie verbarrikadiert sich in ihrem Haus. Aylins Freund Jordan meldet sich nicht mehr, aber das hat spezielle Gründe. Und während die Polizei mühsam ermittelt, bringt ausgerechnet der Sven, der Jugendliche mit den rechtsradikalen Sprüchen, Bewegung ins Spiel. Einige dramatische Ereignisse weiter werden dann die wahren Zusammenhänge klarer. Schließlich gelingt der Autorin am Ende noch eine sympathisch-kreative Wendung.

Es ist eigentlich kein Krimi, aber spannend wie ein Krimi. Einige Zusammenhänge, wie die Figur des Baudezernenten Emmerich und die von ihm durchgeboxte Shopping-Mall, sind nicht so ganz organisch in die Handlung integriert. Aber der Kern ist beeindruckend. Besonders die einfühlsame Schilderung, wie sich die Familie in dieser Katastrophe fühlt, und auch der inneren Zerrissenheit von Freunden haben mich sehr berührt und nachdenklich gemacht. Und der Schluss ist ein wahrer Mutmacher. Meine Leseempfehlung!

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Leinpfad, Ingelheim
Jahr: 2019
Seiten: 340
Rezension von HK am 30.06.2019

Marlene Streeruwitz

Marlene Streeruwitz: Flammenwand

Die 52jährige Deutschlehrerin Adele aus Wien hat ein Sabbatjahr genommen und lebt mit ihrem Freund Gustav temporär in Stockholm. Dort „entschwindet“ er ihr. War alles nur Verstellung? Adele irrt verzweifelt durch Stockholm und findet sich in zum Teil bizarren Szenerien wieder. Ihre Gedanken kreisen um die Abhängigkeit der eigentlich emanzipiert sein sollenden Frau von der Liebe des Mannes, um die Lieblosigkeit in ihrem Elternhaus, um die unbewältigte Nazi-Vergangenheit. Ein spezieller Aspekt ist noch die Diskriminierung als mögliche Roma-Frau, da sie sich aus einer Laune heraus einen roma-typischen bunten Rock gekauft hat. Zu jedem Kapitel wird genannt, wann und wo (Wien, Berlin usw.) es geschrieben wurde. Anmerkungen verweisen auf aktuelle politische Ereignisse im von der ÖVP-FPÖ-Koalition regierten Österreich im (Schreib-)Jahr 2018.

Es ist etwas scher, die Handlung zu beschreiben, wenn – außer szenischen Erlebens – nichts passiert, also sich nichts entwickelt. Der Klappentext spricht von 5 Stunden im Leben von Adele, in denen es um ihren inneren Halt geht. Gelingt ihr der Gang durch das Fegefeuer (der Titel „Flammenwand“ verweist wohl auf den entsprechenden Teil von Dantes Göttliche Komödie) und der Aufstieg ins Leben? So ganz klar wird das nicht. Das Lesen dieser 369 Seiten ist auch ein hartes Stück Arbeit. Bei der Stange gehalten hat mich nur der faszinierende Schreibstil – die Eindrücklichkeit der atemlos herausgestoßenen Sätze.

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: Fischer, Frankfurt
Jahr: 2019
Seiten: 416
Rezension von HK am 23.06.2019