Heinrich Krobbach und Bücher
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Hallo und herzlich willkommen auf meiner Webseite!

Hier gibt es mich zu sehen und zu lesen.

Für Literaturliebhaber/innen meine Rezensionen gelesener Bücher. Über viele und nette Kommentare freue ich mich.
Rechts übrigens die neuesten Rezensionen.

Wer sich wundert, dass neuerdings so viele Krimis auftauchen. Seit dem Superstart der VHS-Lesungen "Tod im Turm" bekomme ich massenhaft Empfehlungen - ich bin sozusagen fast im Krimi-Lese-Stress. Aber es gibt auch immer wieder unblutige Literatur.

Ich suche natürlich auch Gäste für meine Ferienwohnung am schönen Traunsee (Österreich, Salzkammergut).

Viel Spaß beim Surfen
Heinrich Krobbach

Neue Bücher
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Brigitte Pons

Brigitte Pons: Su

Die Studentin Su (Susanne) kümmert sich öfters um die alleinstehende und betagte Anni und findet sie eines Tages erschlagen in ihrer Wohnung. Für die labile Su bricht eine Welt zusammen, schließlich war Anne eine wichtige Gesprächspartnerin für sie. Su bringt den im Treppenhaus streunenden Kater Moritz zu seinem im gleichen Haus wohnenden Besitzer, dem Naturwissenschaftler Jakob. Bald geht Su dort ein und aus, eine bizarre „Beziehung“ beginnt zwischen der jungen Frau und dem wesentlich älteren Jakob, der sich der erotischen Avancen Sus nur mühsam erwehren kann. Als Su auch Jakobs Sohn Erik ihr Spiel treibt, wird die Lage noch verworrener. Dass auch Jakobs neue Freundin Lisa (eine Kollegin) in Sus Fadenkreuz gerät ist selbstverständlich. Die Welt aller Beteiligten gerät aus den Fugen. Niemand kann der hinreißend unkonventionellen Persönlichkeit, den tiefen dunklen Augen, der Eloquenz, der Begeisterung, aber auch der offensiven, fordernden Art und schon gar nicht der spitzfindigen Kommunikation von Su widerstehen – bis Erik dem Spiel ein drastisches Ende setzt. Doch das ist erst der Anfang dramatischer Ereignisse, die erst in Spanien auf den Jakobsweg die Erlösung bringen.

Die Autorin hat mit Su eine schillernde und tiefgründige Protagonistin erschaffen, die den Leser nicht kalt lässt. Wobei ich zwischen Ablehnung (aufdringliche, respektlose und spitzfindige Göre) und Empathie (kluge, liebes- und schutzbedürftige junge Frau) hin und her schwankte. Sehr einfühlsam ist Sus Ambivalenz zwischen Nähe und Distanz, ihre Angst vor der Liebe beschrieben, die angesichts der biografischen Traumata sehr nachvollziehbar sind. Genauso interessiert aber auch das (kaum rationale) Verhalten von Jakob und Erik – da riecht die Psychoanalyse geradezu die Gegenübertragung zur Übertragung. Etwas anstrengend waren die zu zahlreichen spitzfindigen Dialoge zwischen Su und anderen – über Seiten die Perspektiven so oft hin- und hergewendet (bis zerredet) – das hätte etwas weniger Raum einnehmen können. Nicht ganz so plausibel waren die Figur und die Handlungen von Lisa. Aber insgesamt ein flott und mit viel Sprachwitz geschriebener Roman – und spannend war’s auch noch.

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: BoD, Norerstedt
Jahr: 2018
Seiten: 412
Rezension von HK am 20.01.2019

Matt Ruff

Matt Ruff: Fool on the hill

Bei der Geschichte fällt schon die Inhaltsangabe schwer. Sie spielt in Ithaca im Staat New York in den 1980er Jahren, vorwiegend um die Cornell University. Hauptfigur ist der „Geschichtenerzähler ohne Papier“ und Dozent Stephen Titus George (abgekürzt S.T. George), der Drachen steigen lässt und später einen fürchterlichen bekämpfen muss (St. Georg?) und von der großen Liebe träumt, die ihm in Gestalt der traumhaften Kalliope Glück und Schmerz bescheren wird, bis er die richtige Liebe findet. Bis dahin sind es jedoch hunderte von Seiten, deren Inhalt von Mr. Sunshine bestimmt wird, einem „griechischen Original“ und Geschichtenerzähler, der 1866 Ezra Cornell, den Gründer der Universität, getroffen und schon erste Visionen entwickelt hat, was über 100 Jahre später geschieht.

Da geht es um die Bohiemer, eine Gruppe bizarr gekleideter, meist auf Pferden reitenden Studenten, die vorwiegend ausufernde Gelage veranstalten. Als ein Präsident der Tolkenier sich in eine Bohemierin verliebt, verbinden sich beide Gemeinschaften und feiern ein ausschweifendes Fest im surrealen unterirdischen Wald des Clubhauses. Verbinden tut beide eher liberal-alternative Gruppen ihre Feindschaft zu der konservativen Verbindung der Rho Alpha Tau, was in einem brutalen Showdown zwischen dem bohemischen Verteidigungsminister Ragnarök und dem Chef der Rho Alpha Tau führt.

Dann gibt es Geschichten vom – für Menschen unsichtbaren – Volk der Kobolde (Tolkien lässt grüßen), die aber sehr menschlich mit Liebesdingen und Eifersüchteleien umgehen. So muss Puck um seine Liebe Zephyr kämpfen, die ihm nicht den Seitensprung mit Saffron Dey verzeihen will, zumal er einen anderen Kobold bewusst dabei hat zu schauen lassen. Vorwiegend fürchten sich die mit Schwert und Armbrust bewaffneten, etwa 15cm großen Wesen vor dem Angriff von Ratten, besonders weil Ältester Hobart vom großen Krieg berichtet, in welchem ein Rattenheer und Anführung von Rasferret der Engerling für große Verluste gesorgt hatte und nur mit Mühe zurückgedrängt wurde. Das ist lange her und die Büchse der Pandora liegt fest verschlossen im Knochenacker – oder doch nicht (mehr)?

So, nun gibt es noch Luther, ein Hundemischling aus den New Yorker Bronx, der den Himmel suchen will, um seinen verstorbenen Vater wieder zu treffen. Da ihm das nicht auszureden ist, schickt der Hundechef Malcolm den klugen, atheistischen und kampferprobten Kater Blackjack zu seinem Schutz mit. Nach einigen Tagen geraten sie in einer Stadt in tödliche Gefahr, weil der dortige reinrassige Hundeherrscher Drakon alle Mischlinge vernichten will. Mit viel List können sie flüchten und erreichen irgendwann Ithaca, was Luther für den Himmel hält. Er sollte sich täuschen… Mr. Sunshine braucht schließlich Unterhaltung und treibt die Geschichte auf ein finales Chaos zu.

So, was soll ich nun von der Geschichte halten? Laut Klappentext soll’s ja ein Roman sein. Na ja, den Bogen gibt es schon – schließlich lässt George zu Beginn und am Ende einen Drachen steigen (und zwischendurch hat er seinen Weg zur Liebe gemacht). Es wirkt halt alles – auch was den Tiefgang betrifft – eher wie im Märchen als in einer griechischen Tragödie, und dies trotz aller Anspielungen an die griechische Mythologie – Kalliope, Aurora (gr. Eos) – und sollte Mr. Sunshine etwa Zeus sein (wollen)? Fast tritt dieser Handlungskern hinter dem Gemisch aus Bohemiern, Kobolden, Katzen, Hunden, Ratten – dem Genre-Hopping zwischen Fantasy, Science-Fiction und amerikanischem Kulturroman zurück. Wenn man weiß, dass dies die Abschlussarbeit von Matt Ruff an der Cornell University war, dann ist es ein gelungenes Potpourri, was man alles an Geschichten schreiben und wie der Schreibprozess dahintreiben, ruckeln und wieder Fahrt aufnehmen kann. Und die einzelnen Teile sind supergut, mit viel Sprachwitz und spannend geschrieben. Wenn mich nicht gerade die Frage nach dem tieferen Sinn / der Message belästigt hat, hat es richtig Spaß gemacht.

Land: USA
Genre: Roman
Verlag: dtv, München
Jahr: 2016
Seiten: 576
Rezension von HK am 17.01.2019

Charly Weller

Charly Weller: Bonames

In Frankfurt ist kriminalistisch was los. Auf der Messe fällt der Ingenieur Hanno Erlenbrecht kurz vor einem öffentlichen Auftritt einem Attentat zum Opfer. Offensichtlich wollte jemand verhindern, dass er interne Details zum Abgasbetrug der Autoindustrie enthüllt. Dann wird in Bonames die erschossene Bankmitarbeiterin Birgit Wohlraab in ihrem Auto gefunden. Später beobachtet in Sachsenhausen die Sekretärin Rebecca Lohrberg die Entführung eines Briefkastenleerers und kurz darauf wird die Post vom Entführer erpresst, der allerdings nur läppische 12.000€ fordert – und außerdem fehlt der Post gar kein Mitarbeiter. Zwischendrin der arbeitslose Hilmar Petri, der die tote Birgit entdeckt hatte und zeitweise unter Verdacht gerät. Dann noch das Muttersöhnchen Hans-Christian Wilhelmi und dessen alter Freund Roland ihm wegen Schulden die Heizung abmontieren will.  Kommissar Roman Worstedt, der mit seiner Kollegin Regina Martz wegen seiner Milieukenntnis (Ffm-Bonames) aus Gießen herbeigeordert wird, bekommt all diese Fälle von den Frankfurter Kollegen zugeschoben. Doch es muss erst noch viel blutiger werden, bevor sich die Zusammenhänge enthüllen.

Oben ist nur etwa ein Drittel des Personals benannt, das in diesem mehrschichtigen Krimi auftritt. Ohne ein Personenverzeichnis und Notizen zu den einzelnen Kapiteln (die mit durchschnittlich 5 Seiten die Handlung sprunghaft werden lassen) hätte ich völlig den Überblick verloren. Das kratzt dann doch schon an der durchaus vorhandenen Spannung dieses Krimis. Immerhin werden (fast) alle Handlungsstränge am Ende zwecks Lösung der Fälle zusammengeführt, wenn auch sich nicht alle Teile logisch einfügen. Aber das geht mir ja beim Tatort jeden Sonntag so. Sehr farbig konturiert ist die Hauptperson Roman Worstedt, wobei dessen „kerniger“ Grundton Geschmacksache ist. Eine Kritik muss noch sein. Wenn schon Lokalkrimi mit genauen Ortsbezeichnungen, dann müssen sie stimmen. Der Knast und die Obere Kreuzäckerstraße sind nicht in Praunheim, sondern in Preungesheim. Bonames ist nicht der nördlichste Stadtteil von Frankfurt (da sind noch Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach drüber). Es gibt keine Kreuzung von Höhenstraße und Eckenheimer Landstraße. Ansonsten hat es Spaß gemacht, den flott und launig geschriebenen Krimi zu lesen.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: KBV, Hillesheim
Jahr: 2018
Seiten: 280
Rezension von HK am 13.01.2019

Maja Lunde

Maja Lunde: Die Geschichte des Wassers

Es handelt sich um zwei – mehrschichtig miteinander verbundene – Geschichten. Die 67jährige Norwegerin Signe fährt im Jahr 2017 mit ihrem Segelboot von Norwegen nach Frankreich. Geladen hat sie 12 gestohlene Kisten Eis, das nach Südfrankreich transportiert werden sollte, um dort als Eiswürfel in exklusiven Drinks zu dienen. In der Nähe von Bordeaux lebt ihre Jugendliebe Magnus, der als Ingenieur mitverantwortlich für die Zerstörung des Gletschers und der Wasserfälle war – und auch für den Abbau und Export des Eises. Sie will ihm das Eis vor die Füße werfen, doch das kommt am Ende anders… Während der langen und gefährlichen Überfahrt lässt sie die Vergangenheit Revue passieren. Kindheit, Eltern, Jugendliebe – und der Verrat von Magnus an den Protesten gegen die Umweltzerstörung.

In der parallelen beschriebenen zweiten Geschichte flieht David mit seiner Tochter Lou im Jahr 2041 aus Argelès vor Dürre und Feuersbrünsten. In einem Flüchtlingslager in der Nähe von Bordeaux warten beide auf Ehefrau Anne und Sohn August, die sie während der panischen Flucht aus den Augen verloren haben. Die Verhältnisse im Lager werden immer schlechter und die Vorräte (besonders Wasser) immer knapper. Bei einer Erkundung der Umgebung entdecken sie ein Anwesen, in dessen Schuppen ein Boot aufgebockt ist (Signes Boot – so viel darf man verraten, da es auch im Klappentext steht), und richten sich – als es im Lager unerträglich wird – dort ein. Und sie warten auf Regen, der jahrelang ausgeblieben war – und eine Chance zu überleben.

Ein wahrhaft kunstvoll gestalteter Roman. Besonders durch den Kontrast zwischen der Vergangenheit (die von Signe im Rückblick erzählte Geschichte muss etwa um die 1970er Jahre spielen), in der Ursache der Klimakatastrophe ebenso lieben wie die ersten Warnungen davor, und der Zukunft, in der die Menschen unter den gnadenlosen Auswirkungen leiden müssen. Dem entsprechen die Bilder – Gletscher, kaltes Wasser einerseits und Dürre, brennende Sonne andererseits. Und auch die alte Signe und der junge David mit seiner Tochter. Außerordentlich gut gelungen ist die atmosphärisch dichte, farbige und einfühlsame Sprache, mit der sowohl Szenen beschrieben als auch die Protagonisten entfaltet werden. Selten war ich in einem Roman so drin – davon so gefesselt. Und habe mitgefiebert, dass es irgendwie gut ausgehen möchte.

Land: Norwegen
Genre: Roman
Verlag: btb, München
Jahr: 2018
Seiten: 480
Rezension von HK am 09.01.2019

Christof A. Niedermeier

Christof A. Niedermeier: Tödliches Sushi

Ein japanischer Geschäftsmann wird nachts auf der Loreley enthauptet; der Kopf wurde vom Mörder mitgenommen. Restaurantchef Jo Weidinger, in dessen Lokal auf der anderen Rheinseite das Opfer vorher noch gegessen hatte, wird neugierig und beginnt eigene Ermittlungen. Kurz darauf wird ein weiterer Japaner in Düsseldorf enthauptet. Während die Polizei im Dunklen tappt, lässt sich Jo von seiner Intuition leiten und erkundet Hintergründe der Opfer – beide gehörten Familien mit uralter Samurai-Tradition an. Eine Rückfrage bei seinem früheren Seemannsfreund Kenji ergibt, dass auch in Japan in jüngerer Zeit ein Mensch enthauptet wurde. Kurzentschlossen reist Jo nach Japan. Kenji hat zwar wenig Zeit, doch seine junge (und sehr attraktive) Tante Mikiko, Professorin für mittelalterliche Geschichte, macht nicht nur die Fremdenführerin, sondern hilft bei seinen Recherchen. Und sie stoßen auf die uralte Legende der 5 Samurai. Doch erst nach dramatischen Ereignissen und weiteren Toten gelingt es beiden, im Zusammenspiel von Mikikos historischen Fachkenntnissen und Jos Spürsinn dem wahnsinnigen Killer auf die Spur zu kommen.

Ein Krimi, der besonders von den Kontrasten seiner Bestandteile belebt wird. Hier die beschauliche Atmosphäre von Jos Restaurant im Rheintal und seiner sympathischen Crew, dort der blutige und mörderische Thriller. Hier die moderne aufgeklärte Gesellschaft (in Deutschland und Japan), dort jahrhundertealte archaische Tradition und Konvention. Der originelle Plot bereichert den Krimi zusätzlich um interessant Einblicke in die japanische Geschichte und auch in historische Forschungsweisen. Lediglich die psychologisierende Biografie des Killers schrammt nur knapp am Klischee vorbei. Wie auch die etwas romaneske Liebesgeschichte zwischen Mikiko und Jo. Aber insgesamt ein Krimi, der die Spannung bis zum dramatischen Finale hochhält. Ach ja, sehr appetitanregend sind auch die detaillierten Beschreibungen der kulinarischen Leckerbissen, die Jo zubereitet.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Gmeiner, Meßkirch
Jahr: 2018
Seiten: 408
Rezension von HK am 06.01.2019