Heinrich Krobbach und Bücher
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Hallo und herzlich willkommen auf meiner Webseite!

Hier gibt es mich zu sehen und zu lesen.

Für Literaturliebhaber/innen meine Rezensionen gelesener Bücher. Über viele und nette Kommentare freue ich mich.
Rechts übrigens die neuesten Rezensionen.

Wer sich wundert, dass neuerdings so viele Krimis auftauchen. Seit dem Superstart der VHS-Lesungen "Tod im Turm" bekomme ich massenhaft Empfehlungen - ich bin sozusagen fast im Krimi-Lese-Stress. Aber es gibt auch immer wieder unblutige Literatur.

Ich suche natürlich auch Gäste für meine Ferienwohnung am schönen Traunsee (Österreich, Salzkammergut).

Viel Spaß beim Surfen
Heinrich Krobbach

Neue Bücher
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Marc-Oliver Bischoff

Marc-Oliver Bischoff: Die Sippe

Die Hamburger Krankenschwester Katharina ist besorgt, weil sie ihre Schwester Sara nicht mehr erreichen kann. Auch als sie kurz entschlossen in Saras Rostocker Wohnung fährt, findet sie Sara dort nicht, aber auch kein Anzeichen, dass sie verreist sein könnte. Anhaltspunkte findet sie in Saras Akten; ihr letzter Termin als Gerichtsvollzieherin war Grantzow, in einem kleinen Dorf 60 km südlich von Rostock. Dort trifft sie auf eine seltsam verschworene Dorfgemeinschaft, die sie zunächst freundlich aufnimmt. Aber erste Fragen nach ihrer Schwester zeigen die Risse in dieser scheinbar heilen Welt. Viel später, fast schon zu spät muss sie erkennen, dass sie in einem monströsen völkischen Dorfexperiment gelandet ist, deren Bewohner zu allem entschlossen sind.

Kein Krimi der üblichen Art, sondern eher ein Politthriller der besonderen. Sehr instruktiv werden die Gedanken- und Gegenwelten rechtsextrem-völkischer Gemeinschaften geschildert wie auch ihre subtilen, aber ggf. auch brutalen Methoden. Das emotionale Eintauchen Katharinas in diese Welt ist szenisch und dialogisch sehr nachvollziehbar beschrieben. Nebenbei wird auch die dubiose Rolle des Verfassungsschutzes in Bezug auf rechtsextreme Gruppen zum Thema. Und die Spannung und der Nervenkitzel bleiben hoch bis zum Schluss.

 

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: grafit, Dortmund
Jahr: 2016
Seiten: 317
Rezension von HK am 12.06.2018

Jochen Frickel

Jochen Frickel: Villa Clementine

Im Jahr 1888 trifft die serbische Königin Natalija mit ihrem Sohn Aleksandar in Wiesbaden ein. Der Kronprinz soll dort seine Schulausbildung fortsetzen. Hintergrund ist aber auch, dass die Ehe Natalijas mit ihrem Mann, König Milan, völlig zerrüttet ist. Andererseits steht Milan politisch erheblich unter Druck und will seinen Sohn, den Thronfolger, nach Serbien zurückholen, um seine Macht zu stabilisieren. Und dazwischen agieren noch eine oppositionelle Untergrundorganisation, die „schwarze Spinne“, der russische Geheimdienst und die preußische Regierung, alle mit jeweils ganz speziellen Interessen. Zwischendrin der umtriebige Reporter Freddie Diekmann, der das Vertrauen der Königin gewinnt (und das Herz von Marie, der Erzieherin des Kronprinzen) und mit Tricks und Finten versucht, das Unvermeidliche – die Rückführung Aleksandars nach Serbien – zu verhindern.

Aus einigen historischen Fakten (im Kern der Besuch der Königin mit ihrem Sohn in Wiesbaden) hat der Autor eine lebendige und facettenreiche Geschichte gestrickt. Etwas von Krimi und Agententhriller, aber auch Liebesgeschichte und politischer Roman. Die Protagonisten sind sehr farbig und eingängig beschrieben (mit Ausnahme des Bruchs in Persönlichkeit und Motiven Freddie Diekmanns). Sehr gelungen ist aus meiner Sicht die illustrative Beschreibung der Alltagskultur, des Lebens und Lebensgefühls im preußischen Wiesbaden im ausgehenden 19. Jahrhundert – wie auch jene des preußischen Beamtenapparats.

 

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Roland Reischl, Köln
Jahr: 2018
Seiten: 348
Rezension von HK am 10.06.2018

Petra Morsbach

Petra Morsbach: Justizpalast

Thirza Zorniger, geb. 24.11.1956, wächst in beschaulichen Verhältnissen bei Großvater und Tanten in Pasing auf. Der Großvater war nazi-vorbelasteter Richter, die Mutter Gudrun (früh gestorben) wollte Juristin werden, gab das Studium jedoch wegen ihrer Hochzeit mit Carlos Zorniger auf. Dieser ein egomanischer Schauspieler, der es in seinem Leben auf ca. 20 Kinder mit zahlreichen Frauen bringt. Thirza will – gegen den Rat des Großvaters – Richterin werden. Sie schafft das Studium und Referendariat mit glänzenden Noten und wird über etliche Stationen (Staatsanwaltschaft, Amtsgericht, Ministerium) Vorsitzende Richterin am Landgericht (Zivilkammer für Wirtschaftsstreitigkeiten).

Der Hauptteil des Buches besteht aus Schilderungen der Gerichtsprozesse mit – auch für Laien lesbaren – Darstellungen der Sachverhalte und juristischen Erwägungen. Besonders lesenswert sind allerdings die, zum Teil schillernden, Persönlichkeiten sowohl der Streitparteien als auch der Anwälte und Richter. Oft scheint mehr psychologische Kompetenz als juristisches Wissen vonnöten zu sein. Ein durchgehendes Thema ist auch Thirzas Frage nach dem Verhältnis (oder auch Missverhältnis) von Recht und Gerechtigkeit. So entsteht der Eindruck von Aktenberge umschichtenden juristischen Mühlenarbeitern, die viel Recht sprechen, aber an den wirklichen ungerechten Verhältnissen nichts ändern – besonders dann, wenn (staatliche, wirtschaftliche) Macht ins Spiel kommt.

Auf der Strecke bleibt dabei für Thirza das eigene Leben. Die erste Liebesbeziehung beginnt im Referendariat und endet nach kurzer Zeit im Chaos. Danach nur sporadische kollegial-freundschaftliche Kontakte. Erst im höheren Alter begegnet sie mit dem erfolgslosen Versicherungsjuristen, aber literarisch gebildeten Max ihrer großen Liebe. Wobei sowohl das Zustandekommen als auch das gemeinsame Leben wesentlich auf Max‘ Initiative beruht. So erweist sich die Hauptfigur Thirza als ziemlich zweigeteilte Persönlichkeit. Beruflich stark und von starken Motiven geleitet, scheint sie im privaten Leben eher dahin zu treiben. Zwar bleibt sie – im Kontrast zu Kollegen und Bekannten – von Schicksalsschlägen unversehrt („Hab ich ein Glück gehabt“, lautet mehrfach ihr Kommentar), doch als sich der Bogen zum Ende neigt, stellt sich die – milde vorgetragene – Frage, was ein glückliches Leben wäre.

 

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Knaus, München
Jahr: 2017
Seiten: 480
Rezension von HK am 07.06.2018

Heinrich Steinfest

Heinrich Steinfest: Die Büglerin

Tonia Schreiber wurde vor der Küste Chiles auf der Segelyacht „Ungnadia“ ihrer Eltern Max und Ruth geboren. Diese waren Botaniker und konnten sich aufgrund einer überraschenden (und skurrilen) Millionenerbschaft leisten, rund um die Welt zu segeln. Der Name des Schiffes ist Programm – nicht nur für den frühen Tod der Eltern, als die Yacht im Sturm kentert und beide ertrinken. Tonia ist da schon in Italien im Internat, wohnt später mit ihrer Halbschwester in Wien und kümmert sich um ihre Nichte Emilie. Doch das sorgenfreie Leben (materiell immer noch wegen der Erbschaft) endet für Tonia abrupt, als Emilie 16jährig auf tragische Weise stirbt und sie sich dafür verantwortlich hält. Sie gibt ihren Beruf als Meeresbiologin auf, verschenkt ihr gesamtes Vermögen und arbeitet in Deutschland als Büglerin.

Im beschaulichen Heidelberg scheint ihr Leben einigermaßen in ruhiges Fahrwasser zu geraten. Sie lebt bescheiden und zurückgezogen, aber offen für ihre Umwelt und entwickelt eine platonische Liebesbeziehung zum feinsinnigen Gemüsehändler Karl. Der hat diesen Beruf gewählt, weil er in gekühlten Räumen sein krankhaftes Schwitzen reduzieren kann. Doch die Vergangenheit holt Tonia wieder ein. In Form eines Emblems, das an Malewitschs schwarzes Rechteck erinnert, auf einem Hemd, das sie bügelt. Als später Karls Tochter Vivien in Lebensgefahr gerät, nimmt das „Schicksal“ seinen Lauf.

Gleich vornweg – Heinrich Steinfest ist ein Meister des Augenblicks. Detailreiche, poetische Beschreibungen von Szenen und Dialogen lassen Bilder von seltener Intensität entstehen. Sprachgefühl und auch Sprachwitz hemmen nicht den Lesefluss, sondern machen „slow reading“ zu einem Lesegenuss. Nur mit der Geschichte und den Motiven konnte ich mich nicht anfreunden. Da folgt mir die – ansonsten liebenswerte und selbstbewusste – Tonia allzu sehr dunklen Vermächtnissen und Schicksalsbestimmungen.

 

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Piper, München
Jahr: 2018
Seiten: 288
Rezension von HK am 01.06.2018

Gerd Fischer

Gerd Fischer: Ebbelwoijunkie

Der EU-Politiker Hans-Georg Schumann will per EU-Verordnung die Höchstmenge des zu konsumierenden Apfelweins auf 200ml pro Tag beschränken und außerdem die Bezeichung als Apfel-“Wein“ verbieten lassen. Einleuchtend, dass er in Frankfurt nicht auf helle Freude trifft. Doch er erscheint nicht zu den Gesprächen und wird am nächsten Morgen erwürgt und auf dem Bullen vor der Börse festgebunden gefunden. Ein Ritualmord? Oder Rache eines Apfelweinfreundes? Denn die Obduktion ergibt, dass ihm Apfelwein in den Hals gespritzt wurde. Und schon wird der Kelterer Karl Wöhr festgenommen. Alle Indizien sprechen gegen ihn, Polizeidirektor Markowsky schließt den Fall – einzig Kommissar Andreas Rauscher glaubt nicht daran.

Es kommt zum lautstarken Streit, und Rauscher wird vom Dienst suspendiert. Doch (natürlich) ermittelt er weiter und nimmt – mit nichts als Intuition – Schumanns Ehefrau Corinna und dessen Assistenten Lennart Friedrichs ins Visier. Eher haltlose Besessenheit zur Bestätigung des eigenen Egos als vernünftige Polizeiarbeit. Dann werden sein Sohn Max entführt und er mit der Aufforderung konfrontiert, die Nachforschungen einzustellen. Dies löst eine existenzielle Familienkrise aus. Ob das und was davon gut ausgeht…?

Zeitweilig fragt sich der Leser schon, ob Andreas Rauscher sie noch alle hat. Zu irrsinnig, berserkerhaft und irrational führt er sich alle 5 Seiten auf, als dass es noch als realitätsnah wahrgenommen werden kann. Das beeinträchtig aber kaum die Spannung des flott geschriebenen Krimis, die sich am Ende zum Nervenkitzel steigert. Am besten mit einigen Äpplern lesen.

 

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: mainbook, Frankfurt
Jahr: 2017
Seiten: 238
Rezension von HK am 26.05.2018