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Anne
Weber

Anne Weber: Annette, ein Heldinnenepos

Bei einer Podiumsdiskussion im südfranzösischen Dieulefit lernt die Autorin die sehr alte Anne Beaumanoir kennen. Die erzählt beim Abendessen von ihrem Leben und Anne Weber denkt: „Dich gibt’s? Dich gibt es wirklich?“ Am Ende steht dieses Buch über das Leben der Anne Beaumanoir, genannt Annette, das 2020 den deutschen Buchpreis gewinnt. Die Geschichte des wissbegierigen Mädchens, der hilfsbereiten jungen Frau, der Medizinstudentin, der Resistance-Kämpferin, der Ehefrau, der Ärztin, der Mutter, der Untergrundaktivistin für Algeriens Unabhängigkeit, der Gefängnisinsassin, der Geliebten – und immer der Frau, der Menschlichkeit und Gerechtigkeit in die Wiege gelegt scheint.

Annette – ein Heldinnen-Epos? Eine Heldin ist sie ganz gewiss. Ihr intuitives Eintreten für Menschen, denen Leid und Unrecht geschieht, trotzt den Gefahren (und auch der „richtigen Line“ der kommunistischen Partei). Und dennoch – oft hinkt die Erkenntnis dem Impuls hinterher: „Eingesperrt mit Algerierinnen merkt Annette, dass sie für ein Land kämpft, von dem sie keine Ahnung hat.“ Und gegenüber den dunklen, grausamen und herrschsüchtigen Seiten der Freiheitskämpfer wirkt sie ratlos bis naiv, was der kritische Zwischenruf der Erzählerin „Warum machst du da mit, Annette, warum setzt du dein Leben ein für diese Leute?“ nahelegt. Bei allen (produktiven) Zweifeln – geschildert wird eine Frau, deren Leben Respekt und Anerkennung fordert. Ein Heldinnen-Epos – ist es denn ein Epos? Formal hat das Buch mit dem mittelalterlichen Heldenepos wenig zu tun. Es gibt zwar vorzeitige Zeilenumbrüche (die aber bald weniger werden), jedoch keinerlei Versmaß. Auch der Reportagestil, der die Leser/innen auf Distanz hält, aber auch Spannung erzeugt, ist wenig heldenepisch – aber anmutig getragen von der Sympathie der Erzählerin für dieses bemerkenswerte Frauenleben.

Land: Frankreich
Genre: Erzählung
Verlag: Matthes & Seitz, Berlin
Jahr: 2020
Seiten: 208
Rezension von HK am 15.04.2021
Erzählung
(208 Seiten)
Frankreich