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Irmgard
Keun

Irmgard Keun: Nach Mitternacht

Susanne Moder (Sanna), aufgewachsen in Lappesheim an der Mosel, kommt nach dem Tod ihrer Mutter mit 16 Jahren zu ihrer Tante Adelheid nach Köln, die Geld von ihrer Schwester bekam und nun Sanna unterhalten muss. Sanna und Adelheids Sohn Franz verlieben sich und wollen gemeinsam einen Zigarettenladen eröffnen. Doch die bösartige Adelheid denunziert Sanna bei der Gestapo, worauf diese Franz (der sie nicht unterstützt) verlässt und zu ihrem älteren Bruder, dem Schriftsteller Algin Moder, nach Frankfurt geht. Dort gerät sie in eine bacchantische Gesellschaft von Leuten, die schon im Fokus der Gestapo sind (Algin, der Journalist Heini, der Jude Breslauer u.a.), aber weiterhin in Apfelweinschenken kritisch- zynische Reden halten und ausschweifende Feste feiern.  Das gipfelt in Liskas (Algins Frau) Fest, bei dem die „Rassenschande“ Dieter Aarons mit der blonden Gerti bekannt wird, Liska vergeblich versucht, die Liebe von Heini zu gewinnen, und plötzlich Franz auftaucht, der ebenfalls in Köln denunziert wurde. Plötzlich liegt jemand tot im Wohnzimmer, und die Polizei wird kommen. Sanna, die bislang am Rande dieses Geschehens stand, muss sich entscheiden – und handeln.

Schon thematisch ist dieser Roman ein erhellendes Zeugnis der Zeit (seiner Entstehung und der Handlung), dem Jahr 1937. Einleuchtend wird beschrieben, wie das Gift des Nationalsozialismus systematisch die Reste bürgerlichen Anstands zersetzt, wie Menschen andere Menschen aus miesen, egoistischen Motiven denunzieren und der Gestapo, wenn nicht sogar dem Konzentrationslager, ausliefern. Jeder weiß, was Sache ist (niemand hat hier nix gewusst) – der sich in Zynismus flüchtende Journalist Heini tut es laut in seinen Kneipenmonologen kund. Mit poetischer Kraft und Eindringlichkeit und atmosphärisch dichten Beschreibungen entfaltet die Autorin die Geschichte, die in einen phantasmorgischen Schluss nach Mitternacht (auf Liskas Fest) mündet. Nach dem Lesen – innehalten und spüren, was man nie im Geschichtsunterricht so spüren konnte. Der Roman ist übrigens Thema von „Frankfurt liest ein Buch“ vom 2.-15. Mai 2022 – also vormerken!

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Ullstein List, Berlin
Jahr: 2018
Seiten: 208
Rezension von HK am 30.09.2021
Roman
(208 Seiten)
Deutschland