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Ulrike Ladnar: Frankfurter Szenen

Die junge, aus Wien stammende, Ärztin Mascha wohnt in Frankfurt in einer Pension mitten unter Theaterleuten. Mitten im Ersten Weltkrieg (1916) will der kriegsversehrte Dichter Selmar Marsel ein Anti-Kriegsstück über die Rolle der Frauen im Krieg inszenieren, an welchem alle Bewohner der Pension beteiligt sind. Do plötzlich taucht eine Totenpuppe in einem Sarg auf, die der Hauptdarstellerin und Selmars Frau, Rosalinde Geiger, täuschend ähnlich sieht. Mascha ist (als einzige) sehr besorgt und bittet ihre in Zürich Jura studierende Jugendfreundin Sophia zu Hilfe. Gemeinsam recherchieren sie, erstatten aber auch Anzeige bei der Polizei und treffen dort auf den attraktiven Kommissar Max Großmann, womit nicht nur kriminalistische Verwicklungen ihren Lauf nehmen. Großmann bittet seinen früheren Vorgesetzten Heinrich Cronhart um Hilfe, der vor einem Jahr einen ähnlichen (und ungelösten) Fall mit einer Totenpuppe hatte. Und schnell werden viele persönliche Verbindungen zwischen beiden Fällen sichtbar.

Soweit der kriminalistische Teil der Geschichte. Der Leser bemerkt aber bald, dass dies nur ein Teil der Handlung ist. Und eigentlich sind die zahlreichen Protagonisten durch die Bank weg viel zu gut, um einen Mörder zu geben. Damit ist noch nicht über die Auflösung verraten. Viel schöner und interessanter ist das Sittengemälde einer aufgeklärten Szene von Kulturmenschen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Kluge und selbstbewusste Frauen, liberale und friedliebende Männer, kulturschaffende und -interessierte Menschen, die – bis auf Eifersucht und Neid im Menschenmaß – respektvoll und hilfsbereit miteinander umgehen. Für das Kriegsjahr 1916 liest sich die sprachlich liebevoll geschriebene Geschichte wie ein Märchen. Schön. Punkt.

 

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Gmeiner, Me├čkirch
Jahr: 2017
Seiten: 408
Rezension von HK am 24.02.2018