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Horst Eckert: Der Preis des Todes

Die bekannte Talk-Show-Moderatorin Sarah Wolf verliebt sich in Christian Wagner, Staatsekretär im Bundesgesundheitsministerium. Eine geplante Sendung zum Thema Lobbyismus bringt sie in einen Zwiespalt, ist doch gerade ihr neuer Freund als Lobbyist des Krankenhauskonzern Samax AG in die Schlagzeilen geraten. Und Christian wird plötzlich erhängt in seiner Berliner Wohnung gefunden. Bald stellt sich heraus, dass es kein Selbstmord war. Sarah beginnt auf eigene Faust zu ermitteln.

Etwa zeitgleich wird in der Nähe von Düsseldorf die Leiche von Johanna Kling gefunden. Sie war Mitarbeiterin von Humanity First International und verschwand kurz nach ihrer Rückkehr aus Daadab, dem größten Flüchtlingslager der Welt in Kenia. Offensichtlich hatte dieser Besuch sie erheblich verstört – ich sie versuchte, Kontakt zu Christian Wagner aufzunehmen. Kriminalhauptkommissar Paul Sellin hatte die Vermisstenanzeige von Johannas Eltern bearbeitet und wird deshalb nun zur Mordkommission hinzugezogen. Dort ist er der Einzige, der nicht an die These der Beziehungstat durch Johannas Ex-Freund glaubt, sondern die größeren Zusammenhänge in den Blick nimmt. Beide Fälle bewegen sich also aufeinander zu, und da Sellin der Vater von Sarah ist (soviel darf man hier verraten), ergibt sich noch eine Familienzusammenführung.

Doch zunächst muss Sarah eine höchst gefährliche Reise nach Daadab überstehen, wohin sie mit einem Kamerateam reist, um – unter dem Deckmantel einer Fernsehreportage – ihre eigenen Recherchen voranzutreiben. Sie stößt auf ein schreckliches Geschäft mit Menschen bzw. deren Körpern, in das offensichtlich sowohl die Hilfsorganisation als auch die Samax AG verwickelt sind. Und entkommt mit knapper Not deren Helfershelfern, denen ein Menschenleben nichts wert ist.

Zurück in Deutschland, aber noch nicht außer Gefahr, bis es der Polizei (nach weiteren Toten) in einer dramatischen Aktion gelingt die Mörder von Johanna, die es auch auf Sarah abgesehen hatten, zu fassen. Doch der Mord an Christian Wagner ist damit noch nicht geklärt. Auch nicht, wie weit „oben“ die Verantwortlichen für das mörderische Geschäft in Kenia sitzen – und ob man sie zur Rechenschaft ziehen kann. Sarah muss nochmals ihre ganze Cleverness beweisen.

Wow, Horst Eckert hat weit ausgeholt und ist tief eingestiegen. Zwei bis drei Kriminalfälle in einem Thriller– und alles ist nicht nur schlüssig verarbeitet, sondern treibt wechselseitig die Spannung an – und die hält bis zum Schluss. Auch an politisch heißen Eisen mangelt es nicht. Von der Profitgier privater Gesundheitsunternehmen und handfesten Lobbyismus über skrupellose Geschäfte mit Menschenleben hin zu dem einfühlsam beschriebenen Elend der ca. 350.000 Menschen im (wenig bekannten, aber wirklich existierenden) kenianischen Daadab. Auch die illustre Schilderung des Innenlebens des Berliner Politikbetriebs klingt doch sehr lebensnah. Wie auch die Beschreibung des „Geschäfts“ im Medienbetrieb (Sarahs TV-Produktionsfirma, der öffentlich-rechtliche Rundfunk, die politische Einflussnahme, die Einschaltquote usw.) sehr einleuchtend erscheint. Ein Wochenende und weg waren die 400 Seiten – weil‘s so spannend war und Spaß gemacht hat.

 

Land: Deutschland
Genre: Thriller
Verlag: Rowohlt, Reinbek
Jahr: 2018
Seiten: 416
Rezension von HK am 12.03.2018