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Regula Portillo: Schwirrflug

Die Schwestern Alma und Judith (beide Mitte/Ende 20) lösen den Haushalt ihrer verstorbenen Eltern Ruth und Markus auf. Dabei stoßen Sie auf zahlreiche Dokumente und Briefe über die Zeit ihrer Eltern zu Beginn der 1980er Jahre als Brigadisten in Nicaragua. Viele Menschen aus aller Welt wollten damals die Entwicklung des kleinen mittelamerikanischen Landes nach dem Sieg der sandinistischen Revolution über die Somoza-Diktatur unterstützen. Und auch durch ihre Anwesenheit einen öffentlichkeitswirksamen Schutz gegen die Angriffe der von den USA finanzierten Contra bieten. Alma und Judith, die bislang nichts von diesem Engagement wussten, beschließen, auf den Spuren ihrer Eltern Nicaragua zu bereisen.

In wechselnden Kapital schildert das Buch die Ereignisse während des achtmonatigen Aufenthalts von Ruth und Markus sowie die Reise von Almut und Judith. Herausgekommen ist eine Hommage an die Hoffnungen der Menschen auf ein Leben in Frieden, Freiheit, Solidarität und sozialer Sicherheit nach jahrzehntelangem Leid und Tod unter der Diktatur. Es sind die einzelnen Menschen (sowohl Nicaraguaner als auch Brigadisten), die die Autorin ebenso einfühlsam wie differenziert beschreibt. Dies jedoch nicht unkritisch – die Schilderung von Schwächen, Ängsten und Verstrickungen vermeidet ideologische Heroisierungen. Abgerundet wird dies durch kritische Würdigungen sowohl der damaligen Politik der sandinistischen Regierung als auch der zynisch-ignoranten Politik auch europäischer Länder, die dem US-initiierten Contra-Krieg gegen die Bevölkerung tatenlos zusahen. Schließlich ist es aber auch ein anrührender Roman, der den Untertitel „Annäherung an die Eltern“ tragen könnte.

 

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: B├╝cherlese, Luzern
Jahr: 2017
Seiten: 248
Rezension von HK am 16.05.2018