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Marc-Oliver Bischoff: Die Sippe

Die Hamburger Krankenschwester Katharina ist besorgt, weil sie ihre Schwester Sara nicht mehr erreichen kann. Auch als sie kurz entschlossen in Saras Rostocker Wohnung fährt, findet sie Sara dort nicht, aber auch kein Anzeichen, dass sie verreist sein könnte. Anhaltspunkte findet sie in Saras Akten; ihr letzter Termin als Gerichtsvollzieherin war Grantzow, in einem kleinen Dorf 60 km südlich von Rostock. Dort trifft sie auf eine seltsam verschworene Dorfgemeinschaft, die sie zunächst freundlich aufnimmt. Aber erste Fragen nach ihrer Schwester zeigen die Risse in dieser scheinbar heilen Welt. Viel später, fast schon zu spät muss sie erkennen, dass sie in einem monströsen völkischen Dorfexperiment gelandet ist, deren Bewohner zu allem entschlossen sind.

Kein Krimi der üblichen Art, sondern eher ein Politthriller der besonderen. Sehr instruktiv werden die Gedanken- und Gegenwelten rechtsextrem-völkischer Gemeinschaften geschildert wie auch ihre subtilen, aber ggf. auch brutalen Methoden. Das emotionale Eintauchen Katharinas in diese Welt ist szenisch und dialogisch sehr nachvollziehbar beschrieben. Nebenbei wird auch die dubiose Rolle des Verfassungsschutzes in Bezug auf rechtsextreme Gruppen zum Thema. Und die Spannung und der Nervenkitzel bleiben hoch bis zum Schluss.

 

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: grafit, Dortmund
Jahr: 2016
Seiten: 317
Rezension von HK am 12.06.2018