Drucken

Daniel Galera: So enden wir

Aurora, Antero, Emiliano und Andrej Dukelski, genannt Duke (sie sind 20 – 25 Jahre alt) betreiben Mitte der 1990er in Brasilien das Online-Magazin Orangotango. Ein Projekt der späten Gegenkultur – Literatur, Szene-Kultur, Aktionskunst (z.T. pornografisch). In der Jetzt-Zeit des Romans (2014) treffen sich die drei erstgenannten wieder, und zwar auf der Beerdigung von Duke (inzwischen erfolgreicher Schriftsteller), der bei einem Raubüberfall erschossen wurde. Aurora promoviert in Mikro-Biologie, Emiliano ist Journalist und Antero Inhaber einer erfolgreichen Werbeagentur. Außer von dem Austausch von Erinnerungen erfahren wir, dass Aurora das Ende der Welt kommen sieht, Emiliano den Auftrag erhält, eine Biografie über Duke zu schreiben, und beginnt zu recherchieren, Antero einen bizarren Vortrag über Marquis de Sade in der Werbung hält. Außerdem ist Aurora von Antero schwanger (sie hatten Sex am Abend von Dukes Beerdigung) und abtreibt. Antero wird von seiner Frau Giane vor die Tür gesetzt. Aurora will aufs Land an einen Ort, wo alle vier 1999 gezeltet haben (ein Anwesen von Emilianos Eltern).

So wechselt halt ein Kapitel das andere ab – jeweils als Ich-Erzählung eines der drei Überlebenden. Und diese Erzählungen plätschern emotionslos dahin. Keine Menschen aus Fleisch und Blut (außer vielleicht beim Masturbieren), bisserl Geist, aber seelenlos. Wenn’s das ist, ja dann – so enden wir. So endet dann aber auch Literatur, die noch was will.

 

Land: Brasilien
Genre: Roman
Verlag: Suhrkamp, Berlin
Jahr: 2018
Seiten: 231
Rezension von HK am 22.06.2018