Drucken

Aka Morchiladze: Reise nach Karabach

Der 24jährige Gio lebt in Tbilissi (Tiflis, Georgien), hängt mit seiner Clique ab (Alkohol, Kiffen, junge Frauen), was so ziemlich der einzige Lebensinhalt ist. Dann verliebt er sich in Jana; die wird schwanger und beide träumen von einer Familie. Doch sein herrischer Vater Tengiz ist dagegen und trennt die beiden (Jana wird offensichtlich zum Schwangerschaftsabbruch gezwungen). Dann überredet ihn sein Freund Gogliko nach Aserbaidschan zu fahren, um für einen Dealer Drogen zu kaufen. Sie verirren sich und geraten ins Kriegsgebiet Karabach (der Roman spielt 1992). Aus dem „Roadmovie“ (Klappentext) wird ein bizarrer Kriegsfilm, bei dem das eigene Leben am seidenen Faden hängt.

Sehr deutlich zeigt sich im Protagonisten die Fremdheit gegenüber den politischen Umwälzungen dieser Zeit, dessen Wunsch es eher ist, in Ruhe gelassen zu werden in der kleinen privaten Existenz, auch wenn er damit auch nicht so recht was anfangen kann. Irgendwie ein diffuses Leiden am Leben ohne eigenen Standpunkt. Auch die (wie auch immer) politisch überzeugten Kriegsparteien, die übrigens wie Karikaturen wirken, berühren ihn nicht. Mit jugendlicher Coolness durchlebt er Überfälle, Entführungen, Schießereien, als würde es als Schülertheater aufgeführt. Verlorenes Leben in verlorenen Gegenden dieser Welt – das wäre das einzige stimmige (wenn auch nicht tröstliche) Fazit dieser Geschichte aus der postsowjetischen Ära.

Land: Georgien
Genre: Roman
Verlag: Weigle, Bonn
Jahr: 2018
Seiten: 176
Rezension von HK am 28.07.2018