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Petra Piuk: Toni und Moni

Petra Piuk schreibt einen Heimatroman und gibt – in Dialogen mit ihrer Lektorin Tanja – gleich die Anleitung dazu. Es ist die Geschichte von den Nachbarkindern Toni und Moni in Schöngraben an der Rauscher (der Name dieses fiktiven österreichischen Dorfes sagt schon was) von ihrer Geburt bis zur glücklichen Hochzeit. In diesem Dorf ist die Welt noch in Ordnung. Der Mann ist der Herr im Haus, die Frau kocht, wäscht, kriegt Kinder und hat den Rock hochzuheben, wenn es dem Herrn beliebt. Beim Dorfwirt geht man saufen und Karten spielen. Kinder haben die Klappe zu halten und zu essen, was auf den Tisch kommt, sonst setzt’s eine Watschn. Bedrohlich ist alles Fremde, besonders aus der Stadt – im Heimatroman verkörpert durch die abtrünnige Groß-Cousine. Und die bringt auch noch Moni auf dumme Gedanken, so dass Toni um seine ewige Liebe kämpfen muss.

Eine nette Idee dieser gewissermaßen interaktive Heimatroman, in dessen Entstehung sich ständig, die Lektorin, eine ominöse Schriftstellerin, Leserbriefschreiberin und Dorfbewohner einmischen. Und was da zu lesen ist, ist so schrecklich dumpf, dass es an den frühen Franz Xaver Kroetz erinnert, und so wunderbar böse, dass Elfriede Jelinek um die Ecke lugt. Das Lachen bleibt einem dennoch nicht im Halse stecken.

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: Kremayr & Scheriau, Wien
Jahr: 2017
Seiten: 208
Rezension von HK am 25.01.2019