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Michael Kibler: Abendfrost

Im Darmstädter Seniorenstift Goldenstern (eher für betuchte Bewohner/innen) kommt eine alte Dame durch einen tödlichen Sturz ums Leben. Für Leah Gabriely und Steffen Horndeich von der Darmstädter Mordkommission ein komplizierter Fall. Schließlich war die ehemalige Star-Harfenistin sehr vermögend und gleich eine Reihe von Beschäftigten des Stifts und auch möglichen Erben hätte ein Motiv haben können. Doch dann entdeckt der knorrige Gerichtsmediziner Hinrichs, dass die Frau mit Frostschutzmittel langsam vergiftet wurde. Eine mühsame und kleinteilige Recherche, besonders vom findigen IT-Spezialisten der Kripo, Richard Feller vorangetrieben, die schließlich auf die Spur eines monströsen und mörderischen Systems führt.

Auch wenn die Recherche „mühsam und kleinteilig“ ist, so wirkt sich dies gewiss nicht auf das Lesevergnügen aus. Der Leser kann schlüssig mitkombinieren und die Spannung wird durchgehend gehalten, etwa in der ersten Hälfte mit der Frage, wer es war, und danach mit jener, wie es zuweisen ist und der/die Täter/in dingfest gemacht werden kann. Also einfach sauberes Krimihandwerk. Eher nebenbei wird das politische Thema aufgeworfen, wie Pflegebedürftige ohne Millionen auf dem Konto eine menschenwürdige Betreuung im Alter gesichert werden kann. Darmstädter Lokalkolorit und einige Beziehungs- und Liebesgeschichten der Kripo-Leute runden die Sache ab. Steffen Horndeichs tragische Kindheitsgeschichte, die den Bruch mit seiner Mutter nach sich zog, jedoch wirkt zwar anrührend, aber im Endeffekt doch etwas konstruiert.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Piper, M√ľnchen
Jahr: 2018
Seiten: 368
Rezension von HK am 29.03.2019