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Michel Houellebecq: Serotonin

Florent-Claude Labrouste, 46 Jahre, finanziell gut ausgestatteter Berater des Landwirtschaftsministeriums, gibt seinen Job auf und verlässt seine Geliebte Zuzu, indem er seine Wohnung, in der sie mit ihm lebt, heimlich kündigt und spurlos verschwindet. Er mietet sich in einem anderen Stadtviertel von Paris in ein kleines Hotelzimmer ein und verbummelt die Zeit. Er hat eine Depression und schluckt Captorix, das ihn impotent macht. Dem will er sowieso abgeschworen haben, seine Gedanken kreisen aber ständig um dieses Thema. In Rückblenden berichtet er dem Leser von den Frauen in seinem Leben, wobei die Beziehungen immer scheiterten, weil er immer davon ausging, dass es so sein muss. Auch Gründe für seine Depression erfährt man nicht. So strebt er zuverlässig dem Tode entgegen.

Also zerbrochene Beziehungen und Depression im Stil der Self-Fulfilling-Prophecy. Irgendein unbestimmbares Leiden am Leben und der Welt, vielleicht ein diffuser Verlust von Ursprünglichkeit (z.B. Landwirtschaft). Gesellschaftskritik wird daraus aber noch nicht. Der Überdruss gegenüber den meisten seiner Ex-Frauen sowie die kranken Fantasien hinsichtlich Camille eher frauenverachtende Gedankenauswüchse. Es gab schon intelligenteres (Gejammer) von Houellebecq.

Land: Frankreich
Genre: Roman
Verlag: Dumont, Köln
Jahr: 2019
Seiten: 330
Rezension von HK am 08.04.2019