Drucken

Andreas Heinzel: Herr Neumann will auf den Olymp

Der populäre Frankfurter Oberbürgermeister Balthasar Neumann hat es geschafft. Frankfurt erhält den Zuschlag für die Olympischen Spiele.  Dass Stefan Drosdorf, sein findiger Geschäftsführer des Frankfurter Olympischen Komitees (FOK) das Bewerbungsvideo etwas manipuliert hat, ist dann aber das kleinste Problem. Es braucht ein Stadion, ein olympisches Dorf und auch einen Regatta-See – und dafür braucht man in einer Stadt wie Frankfurt Standorte, bei denen niemand Schwierigkeiten macht. Und schon kommen die irrwitzigsten Ideen ins Spiel – und auch die Widersacher. Im Mittelpunkt Britta Hohlfeld, die streitbare Bornheimer Kindergartenleiterin, die ihr marodes Klettergerüst von der Stadt erneuert haben möchte und einen Feldzug gegen die olympische Geldverschwendung beginnt. Aber auch der intrigante Stadtkämmerer (der selbst Oberbürgermeister werden wollte), der renitente Eigenheimbesitzer Karlheinz Löwinger, der mit Unterstützung einer amerikanischen Burger-Kette einen Fressstreik gegen seine Enteignung startet, und einige andere mehr. Kaum räumt der Chef des FOK mit mehr oder weniger seriösen Mitteln ein Problem aus dem Weg, steht das neue vor der Tür (z.T. im wahrsten Sinne des Wortes). Wird es Balthasar Neumann gelingen, sich ein unvergessliches Denkmal zu setzen?

Eine flotte und mit viel Sprachwitz geschriebene Lokalposse mit originellen Figuren, die oft clownesk daherkommen. Moderat gewürzt mit sozialen Fragen, Liebesstürmen und einer Portion Sex, allerdings wenig getrübt von Kenntnissen von Regeln und Verfahren der Kommunalpolitik und -verwaltung (macht aber nix) – nett und vergnüglich zu lesen.

Land: Deutschland
Genre: Satire
Verlag: Mainbook, Frankfurt
Jahr: 2019
Seiten: 272
Rezension von HK am 08.05.2019