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Gerd Fischer: Frau Rauschers Erbe

Kommissar Andreas Rauscher (der – ebenso wie seine Freundin Jana Kern – vom Dienst suspendiert ist) erhält die Nachricht, dass seine Tante Adelheid Bergmann-Rauscher gestorben ist und ihn als Alleinerben eingesetzt hat. Das kommt nun sehr überraschend, denn er hatte seit 30 Jahren keinen Kontakt zu ihr. Offensichtlich ist damals ein Bruch in der Familie Rauscher entstanden, der mit dem Tod des Onkels Karl Bergmann zu tun hatte. Der übrigens wurde umgebracht und der Mörder nie gefunden. Als plötzlich sein Cousin Thomas (Sohn von Karl und Adelheid) nach 30 Jahren in den USA auftaucht und aggressiv sein Erbe verlangt, ist der Instinkt von Rauscher geweckt, das lange gehütete Familiengeheimnis zu lüften. Ohne polizeiliche Hilfe und Befugnis verbeißt er sich in diesen Fall.

Damit ist schon mal ein hervorstechendes Thema benannt. Nämlich das des Egozentrikers Andreas Rauscher, der für Gerechtigkeit wütet, aber eigentlich seinen Seelenfrieden sucht (S. 174), der die Fälle löst, aber dabei sein Umfeld in Schutt und Asche legt (S. 15). Da hat Gerd Fischer eine starke Figur zwischen fürsorglichem Vater, liebevollem Partner einerseits und eruptivem Choleriker andererseits entwickelt und muss wohl nun therapeutisch eingreifen, damit die Figur nicht entgleitet.

Handlungsmäßig wird schnell klar, dass Karl Bergmann nicht nur der erfolgreiche Unternehmer und das geachtete Mitglied der Frankfurter Stadtgesellschaft war, sondern seine dunklen Seiten hatte – und einigen Menschen Anlass für tödliche Feindschaft gegeben hatte. Wie alles wirklich war, wer wen geschädigt bis umgebracht hat, wird lange in der Schwebe gehalten, was der Spannung guttut.

Ein Sahnehäubchen setzt der Autor der durchgängigen Frankfurter Äppelwoi-Seligkeit seiner Krimis diesmal noch genealogisch drauf. Was ist wohl mit der Namensverwandtschaft zwischen unserem Kommissar und der Frau Rauscher aus de Klappergass?

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: mainbook, Frankfurt
Jahr: 2018
Seiten: 254
Rezension von HK am 29.05.2019