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H.K. Anger: Odenwaldglut

Die Anwältin Charlie Knapp hat in Hamburg einen Drogendealer hinter Gitter gebracht und wird nun von dessen Bruder bedroht. Um zur Ruhe zu kommen, kehrt sie in ihre Heimatregion, den Odenwald, zurück und findet Unterkunft auf dem Atzeldoalhof ihres Schulfreundes Reiner Haase; doch die Idylle hält nicht lange. Beim traditionellen „Lärmfeuer“ entdeckt sie eine Leiche in dem brennenden Holzstapel. Schnell finden Kriminalkommissar Gunter Haase (Bruder von Reiner) und seine Leute heraus, dass der Tote (der Eigenbrötler, aber heimlich sehr reiche Schorschel Binz) schon vorher getötet wurde. Kurze Zeit später „stolpert“ Charlie über die nächste Leiche, die der alleinlebenden Brigitte Dingeldein. Binz wurde mit Methanol vergiftet, Brigitte durch ein Pesto, das giftige Kräuter enthielt. Da auch in Brigittes Wohnung Feuer gelegt wurde, geht die Polizei von einem Täter aus. Doch sie tappt (auch nach einem weiteren Mordversuch) im Dunklen. War es Brigittes Geliebter? Oder diese ominöse Gruppe radikaler Tierschützer (beim Lärmfeuer verbrennen Kleintiere; Brigitte liebte Pelzmäntel)? Aufklärung kommt erst durch Charlies Neugier und (eher zufällige) Beobachtungen, wobei sie selbst in tödliche Gefahr gerät.

Schön zu lesen ich das Buch als detailreich geschilderte Heimatgeschichte des Odenwalds rund um die Tromm von den Zeugnissen aus römischer Zeit über die wunderbare Landschaft, die Wanderwege, die dörfliche Gemeinschaft bis hin zu den Problemen der modernen Landwirtschaft. Bevölkert ist der Krimi (auf der Seite der Guten) mit herzlichen und sympathischen Menschen zwischen Tradition und Moderne. Kriminalistisch gesehen ist jedoch noch Luft nach oben (ist ja der erste Krimi). Die mehrfach eingeschobene Erwähnung eines ominösen Mannes im Wald, der zu einem Treffpunkt (mit wem eigentlich?) geht und düsteren Gedanken nachhängt, verweist schon von Anfang auf einen Täter, den aber niemand (über 80% des Textes) auf dem Schirm hat. So weiß der Leser schon früh, dass die Polizei falsche Spuren verfolgt, so dass die Handlung irgendwann ihre Längen bekommt und dahinplätschert. Aber insgesamt war’s schon spannend zu lesen. Ach ja, als „Zugeroasde“ hat die Autorin das mit dem Odenwälder Dialekt recht gut hingekriegt.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Gmeiner, Me├čkirch
Jahr: 2019
Seiten: 376
Rezension von HK am 04.08.2019