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Maike Wetzel: Elly

Das Ehepaar Hamid und Judith lebt mit ihren Töchtern Ines und Elly in Rüsselsheim (erkennbar am genannten Stadtteil Dicker Busch). Die elfjährige Elly fährt mit dem Rad zum Judotraining und verschwindet spurlos. Für die Familie beginnt eine Zeit des Bangens und Hoffens, der Trauer und Verzweiflung, die sie bis an den Rand des psychisch Erträglichen und darüber hinaus treibt. Darf man glücklich sein, wenn Elly vielleicht tot ist? Die Familie zerfällt, doch dann taucht Elly nach vier Jahren wieder auf. Vermutlich traumatische Erlebnisse haben sie zu einer anderen Person gemacht. Dann folgt noch eine Wendung.

Und die zentrale Frage ist, wieviel Leid man aushalten kann, ohne zu zerbrechen. Vorsicht – dieser Roman tut richtig weh. In kurzen Sätzen, die wie gehämmert wirken, entwickelt die Autorin eine Sprachgewalt, die den Leser regelrecht anspringt. Ihm keine Chance lässt, dem unendlichen Leid und den Abgründen emotional auszuweichen. Eine todtraurige Geschichte, aber ganz starke Literatur.

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Schöffling, Frankfurt
Jahr: 2018
Seiten: 152
Rezension von HK am 30.09.2019