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Tomas Espedal: Das Jahr

Der Schriftsteller Tomas (53 Jahre) aus Bergen berichtet von seinem Leben – Wanderungen in der Provence, Lesereisen, gelegentliche Nächte mit Frauen, gemeinsame Feste mit Freunden, das Donnerstag-Abendessen-Ritual mit seinem Vater uvm. Doch über allem schwebt seine unüberwindbare Liebe zu Janne, die ihn verlassen hat und nun mit einem Freund von ihm zusammenlebt. Er will ein neues Leben, doch er kann nicht leben ohne Janne. Melancholie wechselt sich ab mit Alkoholabstürzen, Hass und Todessehnsucht.

Das Jahr, so der Titel – beschrieben werden die Ereignisse in den Kapiteln Frühling und Herbst in einer Art Tagebuchstil. Dessen eigenwillige Zeilenumbrüche, die entfernt an ein Versmaß (ist aber keins) erinnern, bremsen den Lesefluss und schaffen gerade dadurch eine dichte Erzählatmosphäre. Sprachlich finde ich das originell und dem Thema sehr förderlich. Das Thema selbst, die verlorene Liebe, wird nicht gelöst. Die Verweise auf den Renaissance-Dichter Petrarca und dessen unerfüllte Liebe zur jungen Laura beleuchten höchstens den Aspekt, ob man(n) mitten im viralen Leben der (körperlichen) Liebe abschwören kann. Ehrlich gesagt, ein nettes literarisches Einsprengsel, während die Verzweiflung unaufhaltsam ihren Gang geht – und den Leser gerührt und verstört zurücklässt. Ich habe es mal bei Roman eingeordnet, obwohl es eigentlich keiner ist.

Land: Norwegen
Genre: Roman
Verlag: Mathes & Seitz, Berlin
Jahr: 2019
Seiten: 196
Rezension von HK am 06.10.2019