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Klaus Maria Dechant: Mordseier

Auf der Rheininsel Ketsch bei Schwetzingen wird der Rocker und Vize der Neo-Nazi-Gruppe Germania, Dietmar Heinemann tot aufgefunden. Er wurde regelrecht hingerichtet, und in seinem Anus findet sich ein mit Kokain-Ei. Die Spur führt naheliegend zum Präsidenten der Germania, Harald Kannengießer, ein zwielichtiger Anwalt. Doch der scheint eher Opfer eines Komplotts zu sein – wird doch sein Vereinsheim zu jenem Zeitpunkt in die Luft gesprengt, als er eigentlich dort sein sollte. Außerdem fädeln Mitglieder seiner Bruderschaft einen undurchsichtigen Deal mit Ukrainern um den Verkauf von 400 kg Kokaineiern im Wert von 9 Millionen Euro ein, die plötzlich verschwunden sind. Und die Ukrainer (oder sind es Russen?) wollen von Kannengießer das Geld. Dann passieren auch mysteriöse Dinge im Kleintierverein Ingelrein, wo Konflikte zwischen bornierten Mitgliedern und der dunkelhäutigen Vereinsvorsitzenden eskalieren, aber auch plötzlich Menschen spurlos verschwinden und schließlich auch zahlreiche der Kokaineier gefunden werden. Die gerade in den Dienst zurückgekehrte Schwetzinger Hauptkommissarin Michaela Cordes muss in unübersichtlich Terrain ermittelt, in welchem bald nicht mehr klar ist, wer Täter und wer Opfer ist – und das auch in den Reihen der Polizei.

Weitere Handlungsstränge von angeblichem Verrat und Rache, korrupten Polizisten, russischer Mafia, pubertierenden Teenagern mit Nazi-Affinität, zwielichtigen Geschäftsverbindung usw. können hier nicht beschrieben werden, ohne gleich spoilernd eine ganze Inhaltsangabe zu liefern. Der Autor hat eine Menge Mosaiksteine in diesen Krimi gepackt. Die oft überraschenden Wendungen sorgen mit den häufigen Thrillermomenten für Spannung bis zum Schluss. Jedoch bewegt sich die Erzählung auch oft am Rande des kaum Nachvollziehbaren (z.B. wer, wie und warum zu Kokaineiern gekommen ist und daraus Profit schlagen will) und präsentiert im letzten Drittel doch allzu viele plötzlich neu auftauchende „Schachtelteufel-Ereignisse“. Und menschliche Verstrickungen, wie Oberkommissarin Gaby Hellers familiäre Probleme (besonders die pubertierende Tochter Samantha) oder Michaelas Trauma bezüglich des Frauenmörders (in den sie vor der Entlarvung verliebt war), werden sehr differenziert und ausdrucksstark beschrieben. Auch die ruppige Annäherung von Michaela und Gaby bereichert das Buch um Szenen Marihuana rauchender Kommissarinnen am Rhein, während andere Figuren (z.B. der Frauenmörder oder der russische Mafiaboss) doch recht klischeehaft bleiben.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: S├╝dwestbuch Verlag, Waiblingen
Jahr: 2019
Seiten: 300
Rezension von HK am 27.11.2019