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G. T. Selzer: Altersruh

Vor dem Haus von Steffen Velber (Polizeiobermeister in Kaltenberg) wird der Detektiv Thomas Reismüller von einem dunklen SUV überfahren und schwer verletzt. In der noblen Seniorenresidenz in Steinthal stirbt Charlotte Hagen just in der Nacht, in der sie mit Stephanie Velber (Steffens Großmutter) das Zimmer getauscht hat, weil sie Angst vor einem Einbrecher hatte. Unter dem Eisernen Steg in Frankfurt wird Matthias Jung mit einer tödlichen Kopfverletzung aufgefunden. Jedoch ergibt die Untersuchung, dass der Tod schon vor vier Tagen eingetreten ist und die Leiche zwischenzeitlich gekühlt aufbewahrt wurde. Drei verschiedene Fälle für den knorrigen Hauptkommissar Langer und Oberkommissar Korps (nicht zu vergessen den findigen Assistenten Schmidtbauer), doch plötzlich ergeben sich – zunächst vage – Zusammenhänge. Die geschickte Befragungstechnik von Langer und Korps sowie die gründlichen Recherchen von Schmidtbauer bringen Stück für Stück die (Familien-)Geschichten, Verstrickungen und Motive der Beteiligten ins Licht. Und die Geschichten reichen bis in die Generation von Urgroßeltern und die Zeit des Nationalsozialismus. Dann gibt es noch Joachim Holstein, den Professor für mittelalterliche Geschichte und Witwer, dessen Sohn Max in die KiTa von Katja Velber (die sich von ihrem Mann Steffen trennen will) geht.

Damit sind noch nicht alle Protagonisten benannt, aber es gibt dankenswerter Weise zu Beginn des Krimis ein Personenverzeichnis. Man sieht, die Autorin hat weit ausgeholt und ein komplexes Netz von Menschen und ihren Verhältnissen gespannt und schafft es überzeugend, alle Fäden am Ende zu verknüpfen, so dass alle Motive und Handlungen – ob moralische Schuld, Erpressung, Geldgier oder enttäuschte Liebe – einleuchtend aufgelöst werden. Um als Leser den Überblick zu behalten, ist sicher auch hilfreich, dass die Autorin die Kripo-Leute öfter mal den Stand der Ermittlungen zusammenfassen lässt. Also, schon mal ein großes Lob für den handwerklich sauberen Plot. Neben der durchgängigen Spannung sorgen aber auch der Sprachwitz und humorige Gespräche für Lesevergnügen. Und das geht nicht auf Kosten der Ernsthaftigkeit. Die „Themen“ der Protagonisten – sei es z.B. Katjas und Steffens Ehekrise oder die Verletzlichkeit der alten Menschen in der Residenz oder Joachims Schuldgefühle – werden wunderbar einfühlsam, teilweise mit zärtlicher Zugewandtheit, in Szene gesetzt. Ein Buch, dass mich in seine Handlung hineingezogen hat – mein Lesetipp!

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Pintas, Frankfurt
Jahr: 2019
Seiten: 304
Rezension von HK am 01.12.2019