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Karin Kalisa: Radio Activity

Nora Tewes ist in einer kleinen Hafenstadt an der Nordsee aufgewachsen und lebt nach einer Ballettausbildung in New York. Als sie dort die Nachricht erhält, dass ihre Mutter im Sterben liegt, kehrt sie in die Heimatstadt zurück, findet Arbeit in einem Tonstudio (hat sie von ihrer Mutter gelernt) und kümmert sich um ihre Mutter. Im Tonstudio trifft sie ihre Schulfreunde Tom und Grischa wieder. Gemeinsam mit Helge, der beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk arbeitet und Geld sowie die Zuteilung einer Frequenz organisieren kann, gründen sie das Radio „Tee und Teer“. Es wird auf Anhieb ein Erfolg, nicht zuletzt wegen Noras genialer Radiostimme, mit der sie als „Holy Gomighty“ die Hörer/innen verzaubert. Doch Nora verfolgt einen geheimen Plan. Mit Hilfe einer Quizreihe will sie den Täter, der ihre Mutter Annabel als Kind missbraucht hat (ist inzwischen juristisch verjährt), öffentlich brandmarken. Der Plan scheitert, doch dann hat der eher unscheinbare Rechtsreferendar Simon ein genialen, wenn auch nicht ganz so legalen, Plan.

Steht die strafrechtliche Behandlung der Täter moralisch im rechten Verhältnis zum Leiden der Opfer? Diese brisante Frage wird im Buch intensiv beleuchtet und – besonders durch Simons Aktion – zur Debatte gestellt. Unterstrichen wird dies durch die einfühlsame Schilderung, wie die Mutter sich in ihren letzten Lebenstagen ihrer Tochter offenbart. Hier zeigt sich auch die sprachliche Stärke des Romans. In der farbigen Ausmalung innerer Monologe und Empfindsamkeiten und im bedachten Umgang mit Worten wie „seelenversehrt“. Wenn auch hier und da einige verschaltete Sätze zu unübersichtlich geraten sind, was es ein Leseerlebnis (weil es mir schwerfällt bei diesem Thema von Lesegenuss zu sprechen).

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: C.H. Beck, M√ľnschen
Jahr: 2019
Seiten: 351
Rezension von HK am 21.02.2020