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Sally Rooney: Gespräche mit Freunden

Die Ich-Erzählerin Frances und Bobbie, zwei Studentinnen (Anfang 20) in Dublin, waren mal ein Paar und sind jetzt befreundet. Sie lernen das Anfang 30jährige Ehepaar Melissa (Fotojournalistin) und Nick (Schauspieler) kennen. Von Beginn an fühlen Frances und Nick sich voneinander angezogen, was in eine Affäre mündet, deren Verlauf der wesentliche Handlungsstrang des Romans ist. Bobbie verliebt sich zwar auch in Melissa, was aber für die gesamte Handlung nur nebensächlich ist. Es passiert – außer einem Kuss – auch nichts. Bei Frances und Nick geht es um Moral (anfänglich heimlicher Seitensprung), Eifersucht (Melissa auf Frances? Frances auf Melissa? Bobbie auf Nick?) und nicht-komplementäre Erwartungen. Parallel wird Frances‘ Kindheit und ihr schwieriges Verhältnis zum alkoholkranken Vater geschildert.

Von den Höhen von Frances‘ Verliebtheit lesend habe ich mich dauernd gefragt, wie man es zielsicher schafft, den Absturz in die Tiefen der Enttäuschung zu inszenieren. Also eher ein eingängiges Psychogramm der Selbstzweifel eines ungeliebten Kindes. So richtig in den Bann gezogen haben mich dieses Buch und seine Figuren nicht. Und der Schluss ist entweder sehr mutig oder zutiefst naiv. Und nach dem Ende des Buches könnte ein zweites, ein drittes usw. folgen und in Dauerschleife eine jetzt schon ermüdende neverending story wiedergeben.

Land: Irland
Genre: Roman
Verlag: Luchterhand, München
Jahr: 2019
Seiten: 384
Rezension von HK am 08.12.2020