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Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann

Luise wächst (etwa in letzten Drittel des 20. Jahrhunderts) in einem Dorf im Westerwald auf. Statt ihrem Vater Peter (der allerdings bald zu einer Dauer-Weltreise aufbricht und nur noch tageweise zu Besuch kommt) und ihrer Mutter Astrid (die ein Blumengeschäft betreibt und nach Abreise des Vaters ein Verhältnis mit Alberto, dem Inhaber des Eissalons, beginnt) ist ihre Großmutter Selma die wichtigste Person in ihrem Leben – eine kluge, lebenserfahrene, freundliche und zugewandte Frau. Wenn sie allerdings nachts von einem Okapi träumt, wird in den nächsten 24 Stunden jemand aus dem Dorf sterben. Überhaupt ist die im Roman genannte Dorfgesellschaft – der Optiker (der Selma heimlich liebt, aber von seinen inneren Stimmen gehindert wird, sich zu offenbaren), die Witwe Elsbeth, die mürrische Marlies, der Einzelhändler – ein liebenswertes Völkchen. Und sogar der gewalttätige Jäger Palm, der seinen Sohn Martin (engster Freund von Luise) herrschsüchtig erzieht macht eine Wandlung durch. Weit gesteckt ist der geographische Aktionsradius (außer bei Luise Vater) nicht – Luise macht eine Lehre als Buchhändlerin in der nahen Kreisstadt – als plötzlich der zwar in Hessen geborene, aber in Japan lebende buddhistische Mönch Frederik auftaucht.

Voilà – das Liebespaar des Romans. Berührend zu lesen ist, wie die Dorfgemeinschaft an den Höhen und Tiefen der Liebesgeschichte Anteil nimmt. Insgesamt ist es dieses Gefühl des Aufgehoben-Seins im Dorf, das den Reiz des Buches ausmacht. Die Leute sind verwurzelt und weltoffen, skurril und freundlich (meistens). Die Protagonist*innen und Geschehnisse (ob fröhlich, nachdenklich oder traurig) sind farbig, flott und oft ironisch, aber immer empathisch und liebevoll sprachlich in Szene gesetzt. Es ist so eine schöne Geschichte des prallen Lebens.

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: DuMont, Köln
Jahr: 2019
Seiten: 320
Rezension von HK am 23.08.2021