Heinrich Krobbach und Bücher
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Hallo und herzlich willkommen auf meiner Webseite!

Hier gibt es mich zu sehen und zu lesen.

Für Literaturliebhaber/innen meine Rezensionen gelesener Bücher. Über viele und nette Kommentare freue ich mich.
Rechts übrigens die neuesten Rezensionen.

Wer sich wundert, dass neuerdings so viele Krimis auftauchen. Seit dem Superstart der VHS-Lesungen "Tod im Turm" bekomme ich massenhaft Empfehlungen - ich bin sozusagen fast im Krimi-Lese-Stress. Aber es gibt auch immer wieder unblutige Literatur.

Ich suche natürlich auch Gäste für meine Ferienwohnung am schönen Traunsee (Österreich, Salzkammergut).

Viel Spaß beim Surfen
Heinrich Krobbach

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G. T. Selzer

G. T. Selzer: Altersruh

Vor dem Haus von Steffen Velber (Polizeiobermeister in Kaltenberg) wird der Detektiv Thomas Reismüller von einem dunklen SUV überfahren und schwer verletzt. In der noblen Seniorenresidenz in Steinthal stirbt Charlotte Hagen just in der Nacht, in der sie mit Stephanie Velber (Steffens Großmutter) das Zimmer getauscht hat, weil sie Angst vor einem Einbrecher hatte. Unter dem Eisernen Steg in Frankfurt wird Matthias Jung mit einer tödlichen Kopfverletzung aufgefunden. Jedoch ergibt die Untersuchung, dass der Tod schon vor vier Tagen eingetreten ist und die Leiche zwischenzeitlich gekühlt aufbewahrt wurde. Drei verschiedene Fälle für den knorrigen Hauptkommissar Langer und Oberkommissar Korps (nicht zu vergessen den findigen Assistenten Schmidtbauer), doch plötzlich ergeben sich – zunächst vage – Zusammenhänge. Die geschickte Befragungstechnik von Langer und Korps sowie die gründlichen Recherchen von Schmidtbauer bringen Stück für Stück die (Familien-)Geschichten, Verstrickungen und Motive der Beteiligten ins Licht. Und die Geschichten reichen bis in die Generation von Urgroßeltern und die Zeit des Nationalsozialismus. Dann gibt es noch Joachim Holstein, den Professor für mittelalterliche Geschichte und Witwer, dessen Sohn Max in die KiTa von Katja Velber (die sich von ihrem Mann Steffen trennen will) geht.

Damit sind noch nicht alle Protagonisten benannt, aber es gibt dankenswerter Weise zu Beginn des Krimis ein Personenverzeichnis. Man sieht, die Autorin hat weit ausgeholt und ein komplexes Netz von Menschen und ihren Verhältnissen gespannt und schafft es überzeugend, alle Fäden am Ende zu verknüpfen, so dass alle Motive und Handlungen – ob moralische Schuld, Erpressung, Geldgier oder enttäuschte Liebe – einleuchtend aufgelöst werden. Um als Leser den Überblick zu behalten, ist sicher auch hilfreich, dass die Autorin die Kripo-Leute öfter mal den Stand der Ermittlungen zusammenfassen lässt. Also, schon mal ein großes Lob für den handwerklich sauberen Plot. Neben der durchgängigen Spannung sorgen aber auch der Sprachwitz und humorige Gespräche für Lesevergnügen. Und das geht nicht auf Kosten der Ernsthaftigkeit. Die „Themen“ der Protagonisten – sei es z.B. Katjas und Steffens Ehekrise oder die Verletzlichkeit der alten Menschen in der Residenz oder Joachims Schuldgefühle – werden wunderbar einfühlsam, teilweise mit zärtlicher Zugewandtheit, in Szene gesetzt. Ein Buch, dass mich in seine Handlung hineingezogen hat – mein Lesetipp!

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Pintas, Frankfurt
Jahr: 2019
Seiten: 304
Rezension von HK am 01.12.2019

Uwe Ittensohn

Uwe Ittensohn: Requiem für den Kanzler

Die Besetzung von Altbundeskanzler Helmut Kohl in Speyer am 1. Juli 2017 findet unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt, zumal der Polizei und den Nachrichtendiensten Hinweise auf zwei geplante Anschläge (von Islamisten und von russischen Nationalisten) vorliegen. Hauptkommissar Frank Achill von der Schwetzinger Kripo hat die Hauptverantwortung vor Ort und bittet seinen alten Freund André Sartorius um Hilfe, der als Stadtführer jeden kleinsten Winkel in Speyer kennt. Für André, der mit seiner Mieterin, der russischen Studentin Irina, entspannt wie Vater und Tochter lebt und auch den skurrilen Besuch von Onkel und Tante aus Russland mit Humor besteht, eine ungewohnte Aufgabe, die er aber mit Scharfsinn meistert. Doch zunächst bekriegen sich die Terroristen gegenseitig, bis nur noch der russische Anschlag im Raum steht. Frank Achill bleibt nur wenig Zeit, die Gefahr zu bannen, sonst würde die weltweit beachtete Beisetzung abgesagt. Doch der Attentäter Komarow ist nicht nur brutal, sondern auch sehr findig und hat mehrere Möglichkeiten vorbereitet. Und ist er wirklich die einzige Bedrohung der Feierlichkeiten? Während diese in vollem Gange sind, vollzieht sich im Hintergrund ein atemloses Hase- und Igelspiel zwischen Polizei und Attentätern.

Ein handwerklich sauber gestalteter Plot und überraschende (aber nachvollziehbare) Wendungen sorgen für – zum Teil wirklich atemlose – Spannung. Das historisch reale Geschehen ist nahtlos mit dem fiktionalen Krimi verknüpft. Der Leser behält durch wechselnde Perspektiven immer den Überblick, kann ahnen und miträtseln. Hübsch kontrastiert sind die gewalttätigen Teile mit dem humorigen Alltagsleben von André und Irina und ganz viel Speyerer Lokalkolorit, sowohl architektonisch als auch gastronomisch (Domhof, Currysau). Die Protagonisten sind recht farbig und eindrucksvoll gezeichnet, wobei hier und da etwas zu viel Klischee hineingerutscht ist (besonders bei Komarow). Aber das tut der Leselust keinen Abbruch.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Gmeiner, Meßkirch
Jahr: 2019
Seiten: 310
Rezension von HK am 28.11.2019

Klaus Maria Dechant

Klaus Maria Dechant: Mordseier

Auf der Rheininsel Ketsch bei Schwetzingen wird der Rocker und Vize der Neo-Nazi-Gruppe Germania, Dietmar Heinemann tot aufgefunden. Er wurde regelrecht hingerichtet, und in seinem Anus findet sich ein mit Kokain-Ei. Die Spur führt naheliegend zum Präsidenten der Germania, Harald Kannengießer, ein zwielichtiger Anwalt. Doch der scheint eher Opfer eines Komplotts zu sein – wird doch sein Vereinsheim zu jenem Zeitpunkt in die Luft gesprengt, als er eigentlich dort sein sollte. Außerdem fädeln Mitglieder seiner Bruderschaft einen undurchsichtigen Deal mit Ukrainern um den Verkauf von 400 kg Kokaineiern im Wert von 9 Millionen Euro ein, die plötzlich verschwunden sind. Und die Ukrainer (oder sind es Russen?) wollen von Kannengießer das Geld. Dann passieren auch mysteriöse Dinge im Kleintierverein Ingelrein, wo Konflikte zwischen bornierten Mitgliedern und der dunkelhäutigen Vereinsvorsitzenden eskalieren, aber auch plötzlich Menschen spurlos verschwinden und schließlich auch zahlreiche der Kokaineier gefunden werden. Die gerade in den Dienst zurückgekehrte Schwetzinger Hauptkommissarin Michaela Cordes muss in unübersichtlich Terrain ermittelt, in welchem bald nicht mehr klar ist, wer Täter und wer Opfer ist – und das auch in den Reihen der Polizei.

Weitere Handlungsstränge von angeblichem Verrat und Rache, korrupten Polizisten, russischer Mafia, pubertierenden Teenagern mit Nazi-Affinität, zwielichtigen Geschäftsverbindung usw. können hier nicht beschrieben werden, ohne gleich spoilernd eine ganze Inhaltsangabe zu liefern. Der Autor hat eine Menge Mosaiksteine in diesen Krimi gepackt. Die oft überraschenden Wendungen sorgen mit den häufigen Thrillermomenten für Spannung bis zum Schluss. Jedoch bewegt sich die Erzählung auch oft am Rande des kaum Nachvollziehbaren (z.B. wer, wie und warum zu Kokaineiern gekommen ist und daraus Profit schlagen will) und präsentiert im letzten Drittel doch allzu viele plötzlich neu auftauchende „Schachtelteufel-Ereignisse“. Und menschliche Verstrickungen, wie Oberkommissarin Gaby Hellers familiäre Probleme (besonders die pubertierende Tochter Samantha) oder Michaelas Trauma bezüglich des Frauenmörders (in den sie vor der Entlarvung verliebt war), werden sehr differenziert und ausdrucksstark beschrieben. Auch die ruppige Annäherung von Michaela und Gaby bereichert das Buch um Szenen Marihuana rauchender Kommissarinnen am Rhein, während andere Figuren (z.B. der Frauenmörder oder der russische Mafiaboss) doch recht klischeehaft bleiben.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Südwestbuch Verlag, Waiblingen
Jahr: 2019
Seiten: 300
Rezension von HK am 27.11.2019

Yvonne / July Schwegler / Sjöberg

Yvonne / July Schwegler / Sjöberg: Eiskalt weggewischt

Theres Fugger, ihr Handwerk eher gelassen ausübende Putzfrau im Heidelberger Polizeipräsidium bekommt mit der putzwütigen Schwäbin Elvira Schäufele eine neue Kollegin. Die ist nach Heidelberg gezogen, um auf ihre Tochter Jessica (Studentin der Kunstgeschichte bei Professor Burghard Hemmerling) aufzupassen. Eben dieser Professor zeigt bei Kommissar Clemens Bendinger (übrigens Neffe von Theres) an, dass er bedroht wird. Und zwei Tage später wird er tot in den Kasematten des Heidelberger Schlosses gefunden, und zwar von Jessica, die eine Schulklasse führen wollte. Theres nimmt sich heimlich Jessicas Schlüssel für die Kasematten, untersucht die Leiche und verliert den Schlüsselanhänger unter dem Körper des Toten. Damit ist Jessica natürlich hauptverdächtig, und Theres versucht mit Hilfe von Elvira, den wahren Mörder zu finden – ohne ihrem Neffen Clemens verraten zu müssen, dass sie bei der Leiche war. Wie durch höhere Fügung ergeben sich nun Aufträge für das Putz Team, das unterschiedlicher nicht sein konnte, z.B. bei der Witwe Hemmerlings, der Baronin Xenia von Bodenstett. Dort und an anderen „Einsatzstellen“ stoßen die findigen Putzfrauen auf noch ganz andere Motive und Verdächtige. Aber erst nach zwei weiteren Leichen und dramatischen Aktionen (besonders in baden-württembergischen Schlössern und Gärten) löst sich das Rätsel in einer nicht ganz überraschenden Wendung.

Ein Krimi der netten Art, der irgendwie eine heimelige Atmosphäre verbreitet. Aber dennoch ist – trotz der abenteuerlichen Recherchemethoden der zwei Putzfrauen – der Plot handwerklich sauber ausgearbeitet; die Spannung wird durchgehend gehalten. Scharf gezeichnete Charaktere, zum Teil bis zur Karikatur, sorgen für vergnügliches Lesen, besonders wenn Putzfrauen-Welten wie Theres und Elvira aufeinandertreffen. An einigen Stellen wäre allerdings weniger „Philosophiererei“ mehr gewesen. Übrigens sollte man für flüssiges Lesen Grundkenntnisse des Schwäbischen besitzen. Man merkt, die Autorinnen sind vom Fach, und so ist dieser Krimi auch eine nette Führung durch die Schlösser in Heidelberg und Schwetzingen.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Pfefferkorn, Nußloch
Jahr: 2019
Seiten: 284
Rezension von HK am 23.11.2019

Dana und Ulrich Müller-Braun

Dana und Ulrich Müller-Braun: Das Auge des Adlers

Severin ist freier Journalist und war bis vor 10 Jahren Hooligan bei den Eagles (Erkennungszeichen war ein in die Haut gebranntes Adlerauge). Während eines Heimspiels der Frankfurter Eintracht fällt ihm ein Ordner auf, der sich mysteriös verhält und in der Tiefgarage verschwindet. Intuitiv folgt Severin ihm und wird Zeuge, wie der Mann zwei Frauen ersticht. Als er Hilfe leisten will, wird er durch das Messer selbst schwer verletzt. Lydia, alte Schulfreundin von Severin und nun stellvertretende Stadionsprecherin, muss die Ausnahmesituation bewältigen, zumal der Ordner im Stadion ein verdächtiges Paket abgelegt hat (was sich später jedoch als harmlose Pyro-Attrappe erweist). Später wird der Täter selbst erstochen aufgefunden – und bei ihm Severins Freund Mic(hael). Der sitzt nun in Untersuchungshaft. Weder Severin noch Lydia glauben an dessen Schuld und beginnen auf eigene Faust zu recherchieren. Lydia wird durch Andeutungen des Vereinsvorsitzenden auf die Spur der undurchsichtigen Lizenzerteilung für die Eintracht im Jahr 2002 gebracht. Doch selbst ihr Vater – ein früherer Funktionär des Fußballclubs – kann ihr nicht weiterhelfen. Dann folgen weitere Morde im Umfeld der Eagles, wobei Gustav, die Autorität dieses Hool-Clubs und früher Severins väterlicher Freund, eine zwielichtige Rolle spielt. Alles scheint sich um die frühere Eagle-Clique Mic und Hel(ena), Kevin und Kat(harina) und Severin zu drehen. Dabei rückt immer mehr ein Pokalspiel in Rostock im Jahr 2008 in den Fokus. Dort wurde damals von der Clique ein Rostock-Fan krankenhausreif geschlagen. Schließlich geraten Lydia und Severin in tödliche Gefahr, bevor der wahnsinnige Plan und auch der kaltblütige Mörder (der sich in geheimnisvollen Zwischenkapiteln immer mal wieder zu Wort meldet) enttarnt werden können.

Mannomann, das ist mal ein epischer Krimi, den Vater und Tochter auf 375 Seiten ausgebreitet haben. Lange Pausen sollte niemand beim Lesen einlegen, sonst verliert man den Überblick. Wird aber auch kaum jemand tun, weil die actionreiche Schilderung die Spannung vorantreibt. Nebenbei erhält man instruktive Einblicke ins Milieu und die Psychologie der Fußballfans – besonders der Hooligan-Szene. Die Hauptfiguren Lydia und Severin sind sehr farbig gezeichnet und lassen den Leser mitzittern. Lediglich Severins persönliche Verstrickung ist zwar einleuchtend, jedoch zum Teil sprachlich unnötig dramatisiert und überzeichnet. So bizarr der Plot insgesamt ist, bringt er doch starke Thrillerqualitäten mit und belohnt die Leselust.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Societät, Frankfurt
Jahr: 2019
Seiten: 384
Rezension von HK am 21.11.2019