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Jan
Zweyer

Jan Zweyer: Starkstrom

„Kern-Europa“ (von Italien gehört nur noch Groß-Tirol dazu, von Spanien nur Katalonien) hat sich im Jahr 2030 durch einen hochtechnisierten Zaun gegen jegliche Migration abgeschottet. Aufgegriffene Flüchtlingen werden wegen versuchten illegalen Grenzübertritts sofort abgeschoben oder zu Hunderttausenden in „Transitzentren“ interniert. Raus kommt hier nur, wer sein Herkunftsland preisgibt (und dann abgeschoben wird) oder bei der monatlichen Lotterie einen von 500 Berechtigungen zur Einreise erhält. Doch das ist den verantwortlichen Politikern, wie Staatssekretär Grinter im deutschen Innenministerium, nicht genug. Gemeinsam mit Hagedorn, Vorstand des Zaunbetreibers GoFeCo (Good Fence Cooperation) verfolgt er einen irren Plan, Flüchtlinge noch stärker abzuschrecken. Doch dabei geht einiges schief – ein Mitarbeiter kommt am Zaun durch Stromschlag zu Tode und die Öffentlichkeit fragt sich, warum dort auch ein totes Schwein gefunden wurde. Auch intern drohen Grinter Probleme, denn sein Referent Baader interessiert sich zu sehr für sorgsam gehütete Geheimnisse – und muss dies mit dem Leben bezahlen.

Als Parallelhandlung reist die Journalistin Karla Touré mit dem Fotografen Ben zu einer Recherche über Flüchtlinge, Fluchtursachen und Schlepperorganisationen in den Senegal und nach Niger. Nach einem abenteuerlichen Verlauf, auch über Tripolis und Palermo, schmuggeln sie einen Flüchtling durch den Zaun. Zurück in Hamburg versuchen sie Awa Mané, die dort lebende Frau und „Kassenwartin“ des nigerianischen „Schlepperkönigs“ zu befragen und stoßen auf personelle Verbindungen zur Grenzzaun-Connection. Zusammen mit der BKA-Kommissarin Julia, Nielsen, die den Tod ihres Freundes Baader aufklären will und auch die Schwester von Karlas Ex-Mann Peter Nielsen (leitender Angestellter bei GoFeCo) ist – hier wird in der Konstruktion der Handlung der Zufall vielleicht etwas zu sehr bemüht – stoßen sie auf eine äußerst unappetitliche Verquickung von Politik und Wirtschaft, bei der es um sehr viel Geld auf Kosten von sehr viel Menschen geht.

So, das war der Versuch, wenigstens den groben Verlauf dieses opulenten Kriminalromans darzustellen. Aber trotz vieler Verästelungen behält man immer den Überblick, was wie zusammengehört. Außer natürlich, was die Auflösung betrifft. Hier bekommt der Leser jeweils die gesunde Portion Ahnung, um der Erkenntnis am Schluss entgegenzufiebern. Also richtig spannend geschrieben. Und schließlich leuchten die „Verästelungen“ sehr gut die Verhältnisse und die „Denke“ in solchen Milieus wie dem Berliner Politikbetrieb aus. Oder schildern mit Empathie das Elend afrikanischer Dörfer, das die Menschen dort in die Flucht treibt. Auch die handelnden Figuren werden differenziert und sehr lebendig gezeichnet. Und schließlich eine deutliche Warnung, wo es hinführt, wenn man auf Kosten der Menschlichkeit den Rechtsextremen immer schneller hinterherlaufen will.

 

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Grafit, Dortmund
Jahr: 2018
Seiten: 282
Rezension von HK am 24.04.2018
Krimi
(282 Seiten)
Deutschland