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Heinrich
Steinfest

Heinrich Steinfest: Die Büglerin

Tonia Schreiber wurde vor der Küste Chiles auf der Segelyacht „Ungnadia“ ihrer Eltern Max und Ruth geboren. Diese waren Botaniker und konnten sich aufgrund einer überraschenden (und skurrilen) Millionenerbschaft leisten, rund um die Welt zu segeln. Der Name des Schiffes ist Programm – nicht nur für den frühen Tod der Eltern, als die Yacht im Sturm kentert und beide ertrinken. Tonia ist da schon in Italien im Internat, wohnt später mit ihrer Halbschwester in Wien und kümmert sich um ihre Nichte Emilie. Doch das sorgenfreie Leben (materiell immer noch wegen der Erbschaft) endet für Tonia abrupt, als Emilie 16jährig auf tragische Weise stirbt und sie sich dafür verantwortlich hält. Sie gibt ihren Beruf als Meeresbiologin auf, verschenkt ihr gesamtes Vermögen und arbeitet in Deutschland als Büglerin.

Im beschaulichen Heidelberg scheint ihr Leben einigermaßen in ruhiges Fahrwasser zu geraten. Sie lebt bescheiden und zurückgezogen, aber offen für ihre Umwelt und entwickelt eine platonische Liebesbeziehung zum feinsinnigen Gemüsehändler Karl. Der hat diesen Beruf gewählt, weil er in gekühlten Räumen sein krankhaftes Schwitzen reduzieren kann. Doch die Vergangenheit holt Tonia wieder ein. In Form eines Emblems, das an Malewitschs schwarzes Rechteck erinnert, auf einem Hemd, das sie bügelt. Als später Karls Tochter Vivien in Lebensgefahr gerät, nimmt das „Schicksal“ seinen Lauf.

Gleich vornweg – Heinrich Steinfest ist ein Meister des Augenblicks. Detailreiche, poetische Beschreibungen von Szenen und Dialogen lassen Bilder von seltener Intensität entstehen. Sprachgefühl und auch Sprachwitz hemmen nicht den Lesefluss, sondern machen „slow reading“ zu einem Lesegenuss. Nur mit der Geschichte und den Motiven konnte ich mich nicht anfreunden. Da folgt mir die – ansonsten liebenswerte und selbstbewusste – Tonia allzu sehr dunklen Vermächtnissen und Schicksalsbestimmungen.

 

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Piper, München
Jahr: 2018
Seiten: 288
Rezension von HK am 01.06.2018
Roman
(288 Seiten)
Deutschland