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Petra
Morsbach

Petra Morsbach: Justizpalast

Thirza Zorniger, geb. 24.11.1956, wächst in beschaulichen Verhältnissen bei Großvater und Tanten in Pasing auf. Der Großvater war nazi-vorbelasteter Richter, die Mutter Gudrun (früh gestorben) wollte Juristin werden, gab das Studium jedoch wegen ihrer Hochzeit mit Carlos Zorniger auf. Dieser ein egomanischer Schauspieler, der es in seinem Leben auf ca. 20 Kinder mit zahlreichen Frauen bringt. Thirza will – gegen den Rat des Großvaters – Richterin werden. Sie schafft das Studium und Referendariat mit glänzenden Noten und wird über etliche Stationen (Staatsanwaltschaft, Amtsgericht, Ministerium) Vorsitzende Richterin am Landgericht (Zivilkammer für Wirtschaftsstreitigkeiten).

Der Hauptteil des Buches besteht aus Schilderungen der Gerichtsprozesse mit – auch für Laien lesbaren – Darstellungen der Sachverhalte und juristischen Erwägungen. Besonders lesenswert sind allerdings die, zum Teil schillernden, Persönlichkeiten sowohl der Streitparteien als auch der Anwälte und Richter. Oft scheint mehr psychologische Kompetenz als juristisches Wissen vonnöten zu sein. Ein durchgehendes Thema ist auch Thirzas Frage nach dem Verhältnis (oder auch Missverhältnis) von Recht und Gerechtigkeit. So entsteht der Eindruck von Aktenberge umschichtenden juristischen Mühlenarbeitern, die viel Recht sprechen, aber an den wirklichen ungerechten Verhältnissen nichts ändern – besonders dann, wenn (staatliche, wirtschaftliche) Macht ins Spiel kommt.

Auf der Strecke bleibt dabei für Thirza das eigene Leben. Die erste Liebesbeziehung beginnt im Referendariat und endet nach kurzer Zeit im Chaos. Danach nur sporadische kollegial-freundschaftliche Kontakte. Erst im höheren Alter begegnet sie mit dem erfolgslosen Versicherungsjuristen, aber literarisch gebildeten Max ihrer großen Liebe. Wobei sowohl das Zustandekommen als auch das gemeinsame Leben wesentlich auf Max‘ Initiative beruht. So erweist sich die Hauptfigur Thirza als ziemlich zweigeteilte Persönlichkeit. Beruflich stark und von starken Motiven geleitet, scheint sie im privaten Leben eher dahin zu treiben. Zwar bleibt sie – im Kontrast zu Kollegen und Bekannten – von Schicksalsschlägen unversehrt („Hab ich ein Glück gehabt“, lautet mehrfach ihr Kommentar), doch als sich der Bogen zum Ende neigt, stellt sich die – milde vorgetragene – Frage, was ein glückliches Leben wäre.

 

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Knaus, München
Jahr: 2017
Seiten: 480
Rezension von HK am 07.06.2018
Roman
(480 Seiten)
Deutschland