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Francesca
Melandri

Francesca Melandri: Alle, außer mir

Die Hauptfigur des Romans Attilio Profeti wurde 1915 in Lugo in Romagna als Sohn des Bahnhofsvorstehers geboren. 1935 bricht er sein Studium ab und zieht als Schwarzhemd (italienische Faschisten) in den Abessinienkrieg (völkerrechtswidrige Annexion Äthiopiens durch Italien). Und er hat immer Glück, wird nicht verletzt, kann sich aus den ärgsten Grausamkeiten heraushalten, wird nicht wegen seiner Beziehung zu der einheimischen Abeba verurteilt. Auch zurück in Italien ist im das berufliche Glück dank guter „Beziehungen“ hold. Er heiratet Marella und hat mit ihr 3 Kinder. Und er hat wieder Glück, dass seine parallele Beziehung zu Anita (1 Kind) nicht entdeckt wird. Zeitweise schafft er es, morgens sowohl Marellas Tochter Ilaria als auch Anitas Sohn Attilio junior zur Schule zu fahren. Es ist sein Lebensmotto: „Alle, außer mir“ (wird was passieren).

Doch die Geschichte wird andersrum erzählt. Die inzwischen 46jährige Ilaria trifft vor ihrer Wohnungstür auf einen jungen Flüchtling aus Äthiopien, der behauptet ihr Neffe zu sein. Sohn des Sohnes, den Attillio während seiner Zeit in Äthiopien mit Abeba gezeugt habe. Ihren nun 95jährigen und dementen Vater kann sie kaum damit befragen, also beginnt sie eine umfangreiche Recherche und fördert die wahre Geschichte ihres Vaters zu Tage. Diese opulente Familiengeschichte ist eingebettet in eine kenntnisreiche und schonungslose Schilderung der faschistischen Machtergreifung in Italien, des grausamen Eroberungs- und Vernichtungskriegs in Äthiopien und der aktuellen (2010!!!) unmenschlichen Behandlung von Flüchtlingen in Italien. Und das alles erzählt in einer kraftvollen poetischen Sprache, die Ereignisse wie Protagonisten in allen Farben und Schattierungen lebendig werden lässt. Man liest dieses Buch nicht, sondern man lebt in diesem Buch!

Land: Italien
Genre: Roman
Verlag: Wagenbach, Berlin
Jahr: 2018
Seiten: 608
Rezension von HK am 25.07.2018
Roman
(608 Seiten)
Italien