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Helene
Hegemann

Helene Hegemann: Bungalow

Charlie wächst in einer Modellsiedlung (wohl Berlin) auf, in der sich Mietwohnblöcke (für den ärmeren Teil der Bevölkerung) als auch direkt angrenzend Bungalows (für die Betuchteren) befinden. Das Mädchen erzählt seine Geschichte (aus der Retrospektive) von der Grundschule bis zur weiterführenden Schule, die sie recht erfolgreich absolviert. Dies wäre nicht bemerkenswert, wenn nicht Charlies Elternhaus völlig zerrüttet wäre. Ihre alleinerziehende Mutter ist alkoholkrank und nur zeitweise in der Lage, Haushalt und Existenz beieinander zu halten. Ekelerregende Beschreibungen von verdreckter Wohnung, Schimmel, in die Hose pissen (Mutter), Apathie, Aggression und Autoaggression, die den Alltag von Charlie und ihrer Mutter bestimmen, werden seitenlang beschrieben. Dies bleibt dem Umfeld (Charlies Kinderfreund Iskender, den Lehrern) nicht verborgen. Obwohl als Assi erkannt, gelingt es Charlie, ihre Position zu behaupten – allerdings um den Preis traumatischer Belastung. Aber auch das Wohnumfeld ist alles andere als „behaust“ – prekäre Schicksale, sich häufende Selbstmorde – der Leser muss sich auf ein Horrorszenario nach dem anderen einlassen. Als gegenüber in einen der Bungalows ein junges schillerndes Ehepaar einzieht, verknüpfen sich Charlies Fantasien von einem besseren Leben mit den beiden und sie versucht verzweifelt (und chaotisch) deren Nähe.

Kein Roman im klassischen Sinne, wenn man einen Handlungsbogen erwartet, der irgendwo hinsteuert. Hier steuert niemand irgendwo hin. Die Geschichte spielt gnadenlos im Hier und Jetzt, und das ist widerwärtig und traumatisch genug, um alle Kraft fürs Überleben zu gebrauchen oder auch sich erschöpft fallen zu lassen. Das Buch ist die Diagnose einer Endzeitstimmung ohne Ziel und Perspektive. Sprachlich glänzt es durch die Intensität der Beschreibungen – man sieht, hört, spürt, riecht geradezu das Chaos, den Dreck und die Angst – und bleibt verstört zurück. Lediglich, dass die von der Sprache her intelligente Ich-Erzählerin die Geschichte in der Retrospektive erzählt, vermittelt diffuse Hoffnung.

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Hanser, Berlin
Jahr: 2018
Seiten: 288
Rezension von HK am 07.07.2019
Roman
(288 Seiten)
Deutschland