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Karen
Duve

Karen Duve: Fräulein Nettes kurzer Sommer

Der Roman erzählt die Geschichte der jungen Annette von Droste-Hülshoff etwa von ihrem 15. bis 24. Lebensjahr (1812-1821) und hält sich weitgehend an die recherchierten historischen Fakten. Thematisch wesentliche Teile spielen auf dem Bökerhof ihres Onkels August von Haxthausen, der während seines Studiums in Göttingen Mitglied der dortigen „poetischen Schusterinnung“ war und mit dem Schriftsteller Heinrich Straube (den er finanziell aushält) und den Brüdern Grimm befreundet war, die gern und oft gesehene Gäste auf dem Bökerhof waren. Auch Annette, ihre Schwestern und ihre Mutter machen dort oft bei ihren Besuchsreisen zur weitläufigen Verwandtschaft Station. Annette gilt sowieso schon als schwierig und unangepasst, weil sie sich in Männergespräche einmischt und an ihren literarischen Ambitionen festhält, anstatt wie ihre Schwestern sittsam zu schweigen und Deckchen zu sticken. Als sie und Heinrich Straube sich ineinander verlieben, ist die adlige Familie alarmiert – schließlich ist Straube ein Bürgerlicher und somit eine Verbindung zur Freifrau Annette unmöglich. Nun tritt auch noch August von Arnswaldt (ebenfalls aus dem Göttinger Kreis) auf den Plan und wirbt um Annette. Halb lässt sie sich auf körperliche Berührungen ein, weist ihn dann jedoch zurück, weil sie Straube liebe. Arnswaldt stellt die Sache gegenüber der Familie so dar, dass er im Interesse seines Freundes Straube Annettes Treue habe testen wollen. Damit verliert Annette auch ihren geliebten Heinrich und wird von der Familie als unmoralische Nestbeschmutzerin geächtet.

Gleich vornweg mein Eindruck zur Sprache. Die äußeren und inneren Geschehnisse sind in einfühlsamer sowie einprägsamer Sprache beschrieben. Szenen wie beschwerliche Kutschfahrten, Kälte in Studentenkammern, prächtige Gärten, romantische Landschaften, Festbankette und vieles mehr sind in kräftigen Farben so beschrieben, als dass man sie zu sehen, riechen und schmecken meint. Ebenso eindrucksvoll erfährt der Leser über Annettes Innenleben. Thematisch ist sicherlich auch interessant, wie sich Studenten, Burschenschaften, Intellektuelle zum Nationalismus (unter zeitgemäßer Verteufelung alles Französischen) und zur Religion (als Gegenreaktion zur Aufklärung) hinwenden, oder auch, die Abgrenzung der Adels gegenüber dem aufstrebenden Bürgertum. Soweit eine schön geschriebene Geschichte der Biedermeier-Epoche, deren Sitten und Denken uns heute eher befremdlich erscheinen. Kann man lesen, wenn man sich keine neuen Erkenntnisse erhofft.

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Galiani, Berlin
Jahr: 2018
Seiten: 592
Rezension von HK am 25.07.2019
Roman
(592 Seiten)
Deutschland