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Lukas
Bärfuss

Lukas Bärfuss: Hagard

In einer nicht genannten Stadt am See (Zürich?) erblickt der Immobilienmakler Philip eine junge Frau, die ihn in ihren Bann zieht. Er folgt ihr durch die Stadt, auf Bahnhöfen und in Zügen bis zu ihrem Haus. Er will ihr nahe sein, sich jedoch nicht zeigen. Er versäumt alle Termine, holt auch seinen Sohn nicht von der Tagesmutter ab. Nach einer Nacht im Auto folgt er der Frau erneut, vergisst sein Geld und Handy-Ladekabel. Er fährt schwarz, verliert einen Schuh im Zug und beobachtet – inzwischen hungrig, frierend und mittellos – die Frau weiter. Bis er schließlich – aber der Schluss soll nicht verraten werden.

Eine verstörende (frz. hagard) Geschichte, berichtet von einem (ver)zweifelnden Freund Philips als Ich-Erzähler. Zunächst löst dieser Ausbruch aus den Routinen des Lebens noch Faszination aus, doch bald schlägt es um in selbstzerstörerische Obsession. Sprachlich ist dies alles in dichten atmosphärischen Beschreibungen genial in Szene gesetzt. Doch was die Botschaft sein soll, hat sich mir auch durch die zahlreichen Reflexionen des Erzählers über Freiheit und Bindung, Kontrolle und Getrieben sein nicht erschlossen. Wie bedrückend muss das Leben sein, um sich einer unbekannten Erscheinung aufzuliefern – und dies um den Preis der eigenen Existenz. Wie groß muss die Furcht sein, dass Philip die Frau zwar verfolgt, sich aber scheut, ihr ins Angesicht zu sehen, weil der Zauber dann verfliegen könnte. Während der Ich-Erzähler Ereignisse wie das Verschwinden des Flugzeugs der Malaysien Airline im Pazifik und die russische Invasion der Krim einflicht, räsoniert er über den Untergang der Welt, wie wir sie kannten. Ob der Apokalypse der Welt mit individueller Apokalypse zu begegnen ist, wäre dann eine der offenen Fragen, mit der Bärfuss die Leser zurücklässt.

Land: Schweiz
Genre: Roman
Verlag: btb, München
Jahr: 2019
Seiten: 176
Rezension von HK am 17.08.2019
Roman
(176 Seiten)
Schweiz