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Juli
Zeh

Juli Zeh: Neujahr

Eigentlich sind Henning und Theresa die moderne Musterfamilie – beide berufstätig, Hausarbeit und die Erziehung der beiden Kinder Bibbi und Jonas teilen sie sich. Theresas egozentrische und nervige Eltern und Hennings Schwester Luna, die in den Tag hineinlebt und allzu oft rauchend das gemeinsame Homeoffice-Büro des Ehepaars bewohnt, dürften dieses Lebensglück eigentlich nicht trüben. Dennoch ist Henning nicht zufrieden und fühlt sich überfordert, was ihn seit geraumer Zeit vorwiegend nachts als „ES“ (Panikattacken und Herzanfällen) heimsucht. So auch in der Silvesternacht beim Familienurlaub auf Lanzarote. Theresa reagiert genervt: „Deine Neurosen belasten die ganze Familie. Reiß dich endlich zusammen!“ Am Neujahrstag will er es dann offensichtlich seinem Körper zeigen und mit dem Fahrrad den Steilaufstieg nach Fermés schaffen. Es wird nicht nur eine kräftezehrende Angelegenheit, sondern auch eine Fahrt tief in seine eigene traumatische Kindheit.

Hennings Radtour ist die die erste Handlungsebene, währenddessen er über seine Familiensituation und die jüngsten Ereignisse ebenso sinniert wie über seine Herkunftsfamilie. Das alles ist nichts ungewöhnliches, und die unterschiedlichen Leitbegriffe von Henning („funktionieren“) und Theresa („machen“) regen an, über moderne Beziehungen in der heutigen Zeit nachzudenken. Sprachlich prägnant und einfühlsam wie gewohnt entfaltet Juli Zeh diese Themen ebenso wie den eigentlichen Kern der Geschichte. Hennings plötzliche Kindheitserinnerung an die damaligen dramatischen Ereignisse im Haus auf dem Gipfel oberhalb von Fermés. Der Befreiungsschlag (Radtour zum Gipfel) führt zum Urgrund des Unzulänglichkeitsgefühls (kindliches Unvermögen). Vielleicht ist das die psychologische Deutung – sicher bin ich mir nicht. Schon gar nicht bin ich überzeugt, ob der Schluss die Rettung oder nur eine Ersatzhandlung ist.

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: btb, München
Jahr: 2018
Seiten: 192
Rezension von HK am 23.01.2020
Roman
(192 Seiten)
Deutschland