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Synke
Köhler

Synke Köhler: Die Entmieteten

Ein Mietshaus am Prenzlauer Berg wird abgerissen. Dabei findet der Baggerführer eine Leiche. So ist man gleich gespannt, wer dies wohl sein wird. Allerdings wird die Geschichte erst von vorne erzählt, als die (etwa 6) Mietparteien die Nachricht von der Immobiliengesellschaft erhalten. Einige sind so in ihre Alltagsprobleme verstrickt, dass diese neue Wirklichkeit nur langsam einsickert. Eine von Markus einberufene Hausversammlung beschließt zwar, Widerstand zu leisten, doch der bleibt eigentümlich kraftlos, zumal schon die ersten ausziehen. Neben dem Aktivisten Markus sind es die Kunststudentin Kathleen und der Leadsänger der Band „Nachtasyl“, Grozki, die den Protest allerdings eher als künstlerische Performance gestalten. Das hat wenig Wirkung auf die abgefeimte „Mieterberaterin“ Verena Wilke und ihre perfide Doppelstrategie. Einerseits werden die Mieter mit neuen Wohnungen und Abfindungen geködert, andererseits wird das Haus immer unbewohnbarer gemacht (Außengelände verwüstet, Keller geräumt, Heizung fällt aus, Wasser abgestellt usw.)

Soweit wäre es eine bekannte Geschichte, die – neben den üblen Methoden der Spekulanten – auch die Reaktionsbereite der Betroffenen zwischen kollektivem Widerstand und individuellen Nutzenerwägungen illustriert. Genauso viel Platz nehmen aber auch die Geschichten einzelner Figuren ein. So Grozkis Geschichte von der damaligen Gründung der Band und ihrer Genehmigung durch DDR-Kulturfunktionäre oder Kathleens Familiengeschichte (Vater verlässt die Familie). Und schließlich die Affäre Grozkis mit der viel jüngeren Kathleen, die irgendwie mit einer vagen gegenseitigen Anziehung beginnt, jedoch immer wieder durch ein In-sich-zurück-fallen gebrochen wird. Ähnlich traumartig wird das Erleben der (meisten) anderen Figuren geschildert. Ihr Innenleben dominiert und ist nur fragmentarisch mit anderen und der Welt verbunden. Als schwebten alle auf ihrem eigenen Stern durch ein Universum – von Gesellschaft keine Spur, außer der Immobilien-Gesellschaft! Hier steckt die literarische Qualität des Romans. So richtig Spannung konnte trotz der erst am Schluss identifizierten Leiche jedoch nicht aufkommen.

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Satyr, Berlin
Jahr: 2019
Seiten: 256
Rezension von HK am 25.01.2020
Roman
(256 Seiten)
Deutschland