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Susanne
Gregor

Susanne Gregor: Das letzte rote Jahr

Die Ich-Erzählerin Misa berichtet von ihrer Kindheit als 14jährige im (damals tschechoslowakischen – nun slowakischen) Zilina mit den gleichaltrigen (und im gleichen Haus wohnenden) Mädchen Rita und Slavka. Eine wunderliche Freundschaft, denn die drei entwickeln höchst unterschiedliche Interessen. Slavka beginnt schon früh mit Gymnastik (Bodenturnen) und entwickelt erstaunliche Fähigkeit – „Glanz und Grazie“ sind ihr wichtig. Rita engagiert sich bei den Pionieren und verteidigt vehement die sozialistischen Prinzipien gegen westliches Konsumstreben. Misa selbst steht irgendwo dazwischen und vertieft sich in die Welt der Bücher. Zusätzlich wird die Freundschaft in der fortschreitenden Pubertät auf die Probe gestellt, weil sich die Mädchen in recht unterschiedlicher (und überraschender) Weise dem männlichen Geschlecht zuwenden.

Nicht einfach für die (auch miteinander befreundeten) Eltern der drei Pubertierenden, zumal ja auch weitere Kinder (wie Misas 17jähriger Bruder Alan – langhaariger, Ohrring tragender Schlagzeuger einer Band) für Familienkonflikte sorgen. Dabei erweist sich Misas und Alans Vater – nach außen ein freundlicher und umgänglicher Mann als wahrer Familientyrann. Eine besondere Dynamik unter den Beteiligten entwickelt sich anhand der Frage, ob man die Ausreise in den Westen versuchen sollte. Die Geschichte spielt im Jahr 1989!

Zu diesem Thema fand ich den Roman stark, der sehr differenziert die Alltagsperspektive der Handelnden im „real existierenden Sozialismus“ beschreibt. Die Macht der Partei müssen Ritas Vater (wird kein Abteilungsleiter) und jener von Misa (ist hilflos gegenüber der aufgedrängten Freundschaft des Parteisekretärs) ertragen; die Mädchen müssen im Unterricht die „Tabu-Themen“ akzeptieren und (im Jahr 1989!) Reden des Direktors über den Fortschritt des Sozialismus anhören; die Familien – obwohl gut situiert – müssen sich mit dem Mangel an Konsumgütern befassen und sehen gleichzeitig die schillernde Welt des Kapitalismus. Es scheiden sich jedoch die Geister, ob man dort gut aufgehoben sei.

Sehr einfühlsam wird auch die Entwicklung der drei Mädchen geschildert. Besonders Misas „Erwachsenwerden“, der Abschied von einer als beständig geglaubten Welt, das Neujustieren von Nähe und Loyalitäten (Freundinnen versus Freund) sind zwar keine brandneuen Themen, aber doch treffend beschrieben. Sprachlich wirkt der Text überwiegend recht nüchtern wie ein Bericht über abgeschlossenes Vergangenes und lässt die Leselust so dahinplätschern. Irgendwo zwischen Frühling und Sommer (der Roman ist in 4 Kapitel nach den Jahreszeiten gegliedert) bekommt dann die Aneinanderreihung von Familienszenen ihre Längen, was aber bei insgesamt 220 Seiten nicht so bedeutend ist.

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt
Jahr: 2019
Seiten: 224
Rezension von HK am 28.02.2020
Roman
(224 Seiten)
Österreich