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Artur
Becker

Artur Becker: Der unsterbliche Mr. Lindley

Der Berliner Psychiater Robert Brikschinski wechselt nach einem Fachkongress in Frankfurt-Sachsenhausen ins Hotel Lindley im Frankfurter Ostend. Dort soll das jährliche Familientreffen mit seinen in Kanada lebenden Eltern und seinem Bruder Jack und dessen Familie stattfinden. Jack selbst ist (nach einem erfolglosen Versuch einer Karriere als Gitarrist in London) der „Kulturmanager“ des Hotels, wobei er sich vorwiegend der Verarbeitung und dem Verkauf halluzinogener Pilze widmet. Zunächst muss sich Robert im hoteleigenen Tonstudio die neuen Stücke seines Bruders (gemeinsam mit einem Klon von Frank Zappa) anhören. Dabei trifft er auf die höchst attraktive venezianische Künstlerin Larissa, die die Fassade und den Innenbereich des Hotels gestaltet hat, und stürzt (obwohl seine Frau Karolina nie einen Seitensprung dulden würde) in eine amour fou. Weiterhin muss er noch die rechtspopulistischen Tiraden seines Vaters ertragen, einen Shitstorm im Internet wegen seines Forschungsprojektes zur Prävention von Gewaltverbrechen aussitzen, eigentümliche Diskussionen mit Mr. Lindley (dem eigentlich ja toten Konstrukteur der Frankfurter Kanalisation) führen und sogar sich das Lamento von Pontius Pilatus über seine verkannte Rolle bei der Kreuzigung Jesu anhören.

Schon früh stellt sich dem Leser angesichts der dahin mäandernden Szenen die Frage, um was im Kern bei diesem „Hotelroman“ geht. Vielleicht bisserl die Krise von Robert bürgerlicher Existenz? Eigentlich nicht ernsthaft. Wobei sich beim Lesen sowieso immer die Frage stellt, was jetzt ernst gemeint ist. Die Beschreibungen von Räumlichkeiten, Ereignissen und auftauchenden Figuren changieren zwischen real und surreal. Manches erscheint mystisch aufgeladen, dann aber wieder real bodenständig. So z.B. Larissa, einerseits mit bedeutungsschwangerem Tattoo auf dem Rücken (analog zur Außenfassade des Lindley) und nebenbei als Gewinnerin des Goldenen Löwen auf der Biennale 2017 in Venedig bezeichnet (das wäre dann Anne Imhof mit der Gestaltung des deutschen Pavillons), anderseits eine um Jacks Gesundheit besorgte Freundin und einfühlsame Geliebte für Robert. So lebt denn der Roman von seiner opulenten Ausmalung der Szenen und Charaktere, von den lakonischen Dialogen und nicht zuletzt von der Ungewissheit, was wirklich geschieht und was dem Genuss der leckeren Pilze zuzuschreiben ist.

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Weissbooks, Frankfurt
Jahr: 2018
Seiten: 320
Rezension von HK am 28.09.2020
Roman
(320 Seiten)
Deutschland