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Dörte
Hansen

Dörte Hansen: Altes Land

Nach dem 2. Weltkrieg kommt auf dem Bauernhof (im Marschland der Elbe nordwestlich von Hamburg) der verwitweten Ida Eckhoff die aus Ostpreußen geflüchtete Hildegard von Kamcke mit ihrer fünfjährigen Tochter Vera an. Trotz anfänglicher Abneigung kommen die Frauen miteinander aus. Als jedoch Idas Sohn Karl aus russischer Gefangenschaft kommt und zwischen ihm und Hildegard eine Liaison beginnt, bricht die Konkurrenz neu auf, eskaliert schließlich und Ida erhängt sich auf dem Dachboden. Jahre später lernt Hildegard den reichen Fritz Jacobi kennen, bekommt ihre Tochter Marlene mit ihm, zieht nach Hamburg und lässt die 14jährige Vera bei Karl auf dem Hof zurück. Die wächst – unterstützt von Idas Schwester und der Nachbarsfamilie Lührs – auf, studiert Zahnmedizin, eröffnet eine Praxis im Dorf und lebt ein unabhängiges Leben mit Hunden, Pferden, Jagdleidenschaft und gelegentlichen Liebhabern. Als der inzwischen alte, gebrechliche Karl (mit Hilfe) stirbt, zieht Vera sich zurück und vernachlässigt das Haus. Dann taucht Anne (die Tochter Marlenes), die von ihrem untreuen Lebensgefährten Christoph verlassen wurde, mit ihrem kleinen Sohn Leon auf. Und wieder gibt es „zwei Frauen und ein Haus“ und die Frage, ob es diesmal gut gehen kann.

Soweit die – natürlich unzureichende – Inhaltsangabe des opulenten Romans, der viele interessante Themen kritisch bis satirisch entfaltet. So z.B. die Konfrontation der traditionellen bäuerlichen Produktion und Lebensweise mit modernen Bio-Bauern, aber auch mit Bauernhöfen, die nur noch als Touristenbelustigung existieren – bei Dörte Hansen bekommen alle ihr Fett weg. Dann die humoristische Schilderung des (aus der Hamburger Kreativszene ausgestiegenen) Werbetexters Burkhard, der mit seiner Frau Eva dem unverstellten Landleben, der „Gummistiefelwelt“ huldigt (und dies in Büchern vermarkten will), dann aber ernüchtert in die geerbte Villa nach Hamburg zurückkehrt. Das alles beschreibt die Autorin mit feiner Ironie und zeichnet die Figuren überzeugend und lebensecht. Im Fokus steht jedoch die Geschichte der Frauen Hildegard, Vera, Marlene und Anne, ihre Angst, verloren zu gehen, ihr Wunsch und Wille nach einem Platz im Leben. Nach einem Haus, das mehr ist als Mauern und Dach überm Kopf. Doch diese Mütter und Töchter unterscheiden sich nicht nur in der Vorstellung von einem guten Leben, sondern auch in ihrer Mitmenschlichkeit (Anne) bzw. ihres brutalen Egoismus (Hildegard). Und hier wird die Sprache atmosphärisch dicht, existenziell und zum Teil bedrohlich und fesselt den*die Leser*in. Wenn auch zwischendurch der Handlungsbogen etwas dahin mäandert und die assoziativen Sprünge zwischen den Zeitebenen hier und da verwirren, ist es ein starkes Stück Familiengeschichte.

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Penguin, München
Jahr: 2017
Seiten: 304
Rezension von HK am 01.02.2021
Roman
(304 Seiten)
Deutschland