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597 Bücher - und was mir dazu eingefallen ist....

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Österreichische Literatur

25 Bücher von ausgewählten österreichischen Autoren in der Ferienwohnung.
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Ingeborg
Bachmann

Ingeborg Bachmann: Malina

Soweit man sagen kann, dass hier eine Geschichte erzählt wird, geht es um das Dreiecksverhältnis der Ich-Erzählerin mit den Männer Malina (Nachname) und Ivan (Vorname). Mit Malina lebt sie zusammen und führt lange Gespräche mit ihm. Mit Ivan hat sie ein Liebesverhältnis. Zunächst wird dieses enger (sie unternehmen viel mit seinen Kindern), doch dann zieht er sich zurück. Da sie nur noch für ihn gelebt hatte, verkraftet sie dies nicht. Sie hatte sich immer mehr von der Welt zurück gezogen, Kontakte gemieden, Briefe und Anfragen nicht mehr beantwortet, gesellschaftliche Anlässe verweigert und den Freundeskreis nur noch passiv ertragen. Und - Dialektik des Psychischen - wer sich von der Welt zurück zieht, zieht auch aus sich aus. So ist das Ende (des Romans) vorgezeichnet. Die Handlungen und die Personen sind in eigentümlicher Weise unwirklich. Die Ich-Erzählerin ist offensichtlich eine prominente Person (Kultur, Wissenschaft, Literatur?), bewegt sich in den besseren Kreisen Österreichs und muss sich doch finanziell von Malina aushalten lassen. Sie Ivan kommt zu ihr nach Hause - und im nebulösen bleibt, ob Malina davon weiß. Das Zweifeln der Ich-Erzählerin an ihrem Ich und der Welt wird in zum Teil verwirrenden Dialogen und Reflexionen geschildert. Das Faszinierende an diesem Buch ist eher die poetische Kraft und Präzision, mit der Ingeborg Bachmann die Themen der Identität und des Lebens zur Debatte stellt. Für literarisch Interessierte ein Leckerbissen. Als Unterhaltungslektüre weniger geeignet.

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: Suhrkamp, Frankfurt
Jahr: 1971
Seiten: 356
Rezension von HK am 13.05.2004
Roman
(356 Seiten)
Österreich
Thomas
Bernhard

Thomas Bernhard: Heldenplatz

Prof. Josef Schuster hat Selbstmord begangen. Der jüdische Professor aus Wien wurde 1938 (beim "Anschluss" ans Reich) von den Nazis vertrieben und war nach Oxford emigriert. Nach dem Krieg ist er auf Bitten des Wiener Bürgermeisters wieder zurück gekehrt. Er hat eine Wohnung am Heldenplatz gekauft, dort wo 1938 Hitler von den jubelnden österreichischen Massen empfangen wurde. Dort hat er sich aus dem Fenster gestürzt. In drei Akten (es ist ein Bühnenstück) unterhalten sich die Haushälterin, das Hausmädchen, sein Bruder, seine Töchter, sein Sohn, ein befreundeter Professor und die Witwe über Leben und Tod, den Charakter des Verstorbenen, über die politische, geistige und kulturelle Niedertracht der Österreicher. Einigkeit besteht in dem Ekel vor dieser Wirklichkeit; Dissenz nur darüber, ob man sich zurück ziehen oder den Dingen ins Auge schauen soll (wobei da dann wohl nur der Selbstmord bleibt). Die Uraufführung 1988 im Burgtheater entfachte einen Skandal. Der damalige Bundespräsident Kurt Waldheim hielt es für eine Beleidigung des österreichischen Volkes. Wenn auch hier der getroffene Hund gebellt hat. Und wenn auch einiges - angesichts der Stärke der "Freiheitlichen" - in Österreich zu klären wäre. Und auch bei aller literarischen Zuspitzung - es ist schon starker Tobak, wie hier über die geistigen Fähigkeiten und die Moral einer ganzen Bevölkerung geurteilt wird. Unwillkürlich nimmt man die Protagonisten des Stücks in den Blick. Mit professoraler Bildung (im eigentlichen Sinne des Wortes Bildung) hat das ebenso distanziert-arrogante wie dümmliche Gerede nichts zu tun. Die pseudo-moralischen Be-(Ver-)urteiler befinden sprachlich und analytisch knapp unterhalb jenen Kleingeistern, die sie kritisieren. Es macht immer wieder Lust, das Geätze von Thomas Bernhard zu lesen - aber man muss es auch gegen den Strich, den er bürstet, tun.

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: Suhrkamp, Frankfurt
Jahr: 1988
Seiten: 165
Rezension von HK am 06.08.2004
Roman
(165 Seiten)
Österreich
Thomas
Bernhard

Thomas Bernhard: Holzfällen

Der Ich-Erzähler (Schriftsteller) befindet sich auf einem "künstlerischen Abendessen" bei den Auersbergers in der Wiener Gentzgasse. Er war mit dem Ehepaar Auersberg und anderen der Gäste befreundet, bis er vor etwa 25 Jahren alle Beziehungen abgebrochen hatte und nach London gegangen war. Er sitzt lange Zeit allein in einem Ohrensessel im Vorzimmer und beobachtet die anderen. Schließlich erscheint der auch eingeladene Burgtheaterschauspieler, das Abendessen beginnt (um 00.30 Uhr), die "Konversation" setzt sich fort. Der Ich-Erzähler sagt kaum etwas, sondern erinnert sich an Ereignisse der früheren Zeit und besonders an die damalige Künstlerfreundin Joana, die - nach ihrem Selbstmord - am Nachmittag des Tages beerdigt wurde. Was der Schriftsteller über die anderen (und auch über sich selbst) denkt, ist typisch Thomas Bernhard: Es häufen sich die Adjektive abstoßend, widerwärtig, dumm, infam, niederträchtig, hasserfüllt, unappetitlich, scheußlich, skrupellos; oft nur überboten von ihrem Superlativ. Sozusagen eine Generalabrechnung mit der Kulturgesellschaft Österreichs. Niemand, der sich selbst für gut hält, kommt bei ihm, der sich selbst widerlich findet, gut weg. Seine plötzliche Begeisterung für die "Lebensstichworte" des Burgtheaterschauspielers "Wald, Hochwald, Holzfällen" entlarvt ihn selbst als bodenlos. Existenzen, hilflos hermetisch in ihrer "Kunstwelt" eingeschlossen, denen die Maßstäbe abhanden gekommen sind. Das Buch ist eine Warnung vor sich selbst.

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: Suhrkamp, Frankfurt
Jahr: 2001
Seiten: 300
Rezension von HK am 02.03.2005
Roman
(300 Seiten)
Österreich
Elias
Canetti

Elias Canetti: Die Stimmen von Marrakesch

Als Ich-Erzähler beschreibt Elias Canetti seinen Aufenthalt in den fünfziger Jahren in Marrakesch. Ob auf dem Kamelmarkt, in der Mellah (jüdisches Viertel), in den Suks (Markt), auf belebten Plätzen - das neugierige Auge und Ohr des Beobachters zeichnen ein eingängiges und vitales Bild des orientalischen Alltagslebens. Ob Kamelmetzger, Bettler, Volksschullehrer oder Wirtin - Canetti "fühlt" die Menschen und präsentiert sie dem Leser in ihrer Freude und Verzweiflung, ihrer Stärke und Schwäche - kurzum in der ganzen Fülle ihres Lebens. Kurzum - hier war ein Menschenfreund am Werk. Man kann das kleine Buch in einem Rutsch lesen und freut sich danach.

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: Süddeutsche Zeitung, München
Jahr: 2004
Seiten: 109
Rezension von HK am 02.12.2004
Roman
(109 Seiten)
Österreich
Arno
Geiger

Arno Geiger: Es geht uns gut

Es ist die Geschichte von Alma und Richard, der Vorkriegsgeneration. Richard ist Direktor der Elektrizitätsgesellschaft, ein Konservativer alter Schule. Den Nationalsozialisten gegenüber während der Annektion Österreichs distanziert eingestellt, wird er nach dem 2. Weltkrieg Minister. Nach seinem Ausscheiden (er wurde von seiner Partei nicht mehr aufgestellt) ist es die Geschichte eines alten Ehepaares mit all ihren Macken und der Fähigkeit, aus Gewohnheit damit umzugehen. Und es ist die Geschichte ihrer Tochter Ingrid, die - trotz der autoritären väterlichen Ablehnung - an ihrem geliebten Peter festhält und ihn heiratet. Peter hat die Endwirren des zweiten Weltkriegs als "Kindersoldat" leicht verletzt überstanden und schlägt sich mit dem Vertrieb eines Gesellschaftsspiels ("Wer kennt Österreich?") mehr schlecht als recht durch. Ingrid schafft es, ihn zu geregelter Berufstätigkeit zu bringen; er wird Straßenverkehrsexperte. Ingrid hält auch an ihrer Berufsperspektive fest und wird Ärztin. Sie verunglückt jedoch (Mitte dreißig) tödlich bei einem Badeunfall. Und dann ist es die Geschichte Philipps (Sohn von Ingrid und Peter), Schriftsteller von Beruf, aber unfähig eine realistische Lebensperspektive zu entwickeln. Und von Johanna, seiner Geliebten. Die aktuellen Schilderungen und Rückblicke in die Vergangenheit gruppieren sich um die Villa der Großeltern, die Philipp nach Almas Tod geerbt hat. Philipp wird mit seiner Familiengeschichte konfrontiert, der er sich jedoch nicht stellen will. Am Ende (?) eine naive (Aus-)flucht. Es sind viele Geschichten: Die der verschiedenen Epochen, ihrer Menschen und Weltbildern; die von starken Frauen; die des Zerfalls von Zukunftsvorstellungen und von Orientierungslosigkeit. Ein einfühlsamer Gang durch die Geschichte aus der Perspektive ihrer Menschen mit all ihren Wünschen, Hoffnungen, Beschädigungen und Enttäuschungen. Ein schönes Buch!

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: Hanser, München
Jahr: 2005
Seiten: 389
Rezension von HK am 12.12.2005
Roman
(389 Seiten)
Österreich
Wolf
Haas

Wolf Haas: Silentium

Im angesehenen Marianum, einer Ausbildungsstätte für angehende Priester in Salzburg, wird im Tischfußballkasten die zerstückelte Leiche eines ehemaligen Schülers gefunden. Der hatte gerade begonnen, sich bei seinem Analytiker an sexuelle Annäherungen durch seinen Lehrer zu erinnern. Dass dieser wiederum gerade Kandidat für das Bischofsamt ist, lenkt natürlich den Verdacht in seine Richtung. Doch die Ermittlungen des Detektivs Brenner - eine urwüchsige Figur - verzweigen sich zunehmend. Welche Rolle spielt die ehemalige philippinische Küchenhilfe Mary Ogusake in diesem Netz - und welche das geheimnisvolle Fräulein Schuh, Sekretärin bei den Salzburger Festspielen - und dann kommt noch die katholische Heiratsagentur Dr. phil Guth ins Spiel. Erst nach zwei weiteren Morden und viel intuitiver Kombination erschließen sich Brenner das dichte Beziehungsnetz der Salzburger "besseren Gesellschaft" und die wahren Hintergründe. Ein Krimi, den man ich einem Zug lesen möchte - und auch tun sollte, um nicht den Überblick zu verlieren. Nebenbei wird mit feiner Ironie, in sprachlichem Understatement, ein Bild des "Dorfs" in der Weltstadt Salzburg gezeichnet. Wer Österreich und besonders Salzburg kennen lernen will, sollte sich diesen Krimi-Spaß nicht entgehen lassen.

Land: Österreich
Genre: Krimi
Verlag: Rowohlt, Reinbek
Jahr: 1999
Seiten: 223
Rezension von HK am 13.04.2005
Krimi
(223 Seiten)
Österreich
Wolf
Haas

Wolf Haas: Der Knochenmann

Die Grillstation Löschenkohl in der Steiermark besitzt (zur Beseitigung der Hendlreste) eine eigene Knochmühle. Eines Tages werden dort Menschenknochen entdeckt. Die Schwiegertochter des Chefs beauftragt telefonisch Detektiv Brenner, die Herkunft zu klären. Doch bei seiner Ankunft in der Grillstation ist die Schwiegertochter verschwunden. Dann häufen Todesfälle und weitere verschwundene Personen. Zunächst fehlt der Startorwart des FC Klöch, dann wird der Kopf des Stürmers einer gegnerischen Mannschaft im Fußballsack gefunden. Und das ist jener, den der junge Löschenkohl (als Vereinspräsident des FC Klöch) versucht hat zu bestechen. Dann verschwindet der Künstler Horvath, worauf der Wert seiner Werke um das zehnfache steigt. Davon profitiert der Kunstsammler und bankrotte Gummifabrikant Marko, der jedoch auch plötzlich verschwunden ist. Wer lebt noch, wer nicht? Und wie hängt das alles zusammen? Brenner recherchiert auf seine unnachahmliche Weise und entdeckt erstaunliche Verbindungen. Am Ende muss er noch seine eigene Haut von der Knochenmühle retten. Spannende Handlung ohne Ermüdungserscheinungen. Ein Genuss dabei ist der flapsige, aber auch hintergründig kulturkritische Erzählstil von Wolf Haas.

Land: Österreich
Genre: Krimi
Verlag: Rowohlt, Reinbek
Jahr: 1997
Seiten: 165
Rezension von HK am 11.08.2005
Krimi
(165 Seiten)
Österreich
Josef
Haslinger

Josef Haslinger: Opernball

Der Wiener Opernball wird in diesem Jahr ein Mega-Ereignis. Der französische Fernsehsender ETV bringt eine europaweite Liveübertragungund hat es geschafft, mehr Prominenz als in den Vorjahren zum Ball zu bringen. Die Gesamtleitung der Übertragung hat der bekannte Journalist Kurt Fraser, Sohn eines Wiener Professors, der wegen der Nazis nach England emigrieren musste. Dann geschieht nach Mitternacht das Unfassbare: Ein terroristischer Anschlag mit Blausäure vergiftet fast alle Gäste und auch Kurts Sohn, der als Kameramann beteiligt war. Kurt Fraser beginnt zu recherchieren und stellt die Vorgeschichte der Katastrophe in Interviews mit Beteiligten dar. Dabei geht es weit über einen Krimi hinaus. Geschildert wird das geistige Innenleben der rechtsextremen Terrorgruppe "Die Entschlossenen" wie auch die Gedankenwelt der österreichischen Highsociety, der Politik und des Polizeiapparats. Schließlich macht Fraser einen Beteiligten des Anschlags, den "Ingenieur" auf Mallorca ausfindig und gerät dabei selbst in Lebensgefahr. Mein Tipp: Unbedingt lesen!

Land: Österreich
Genre: Krimi
Verlag: Fischer, Frankfurt
Jahr: 2001
Seiten: 473
Rezension von HK am 03.08.2005
Krimi
(473 Seiten)
Österreich
Marlen
Haushofer

Marlen Haushofer: Die Wand

Eine Frau (die Ich-Erzählerin) fährt in das Jagdhaus des Mannes ihrer Kusine, um einige Urlaubstage zu verbringen. Die Kusine und ihr Mann gehen abends noch mal in den Dorfgasthof. Als die Frau am nächsten Morgen erwacht, sind beide nicht zurück. Sie entdeckt zwischen Jagdhaus und Dorf eine unsichtbare Wand und sieht, dass jenseits der Wand alle Lebewesen erstarrt und offensichtlich tot sind. Mit dem Jagdhund des Mannes, einigen Katzen und einer aufgefundenen trächtigen Kuh richtet sie ihr Leben ein. Es folgen Wochen, Monate und Jahre, die sie mit schwerer Arbeit verbringt, um ihr Überleben zu sichern. Schließlich beginnt sie, einen Bericht (dieses Buch) aufzuschreiben. Eigentümlich - ihre Distanz zu den Toten auf der anderen Seite der Wand. Selbst der wahrscheinliche Tod ihrer Kinder scheint sie nicht sonderlich zu berühren. Um so intensiver ihre Beziehung zu den Tieren, ihr Schmerz, wenn eine der Katzen stirbt. Schließlich bahnt sich ein Drama an. Ein Mann taucht auf und erschlägt das Kalb (der Kuh) und den Hund. Sie erschießt ihn ohne Reue. Eine sehr dichte und ergreifende Erzählung einer Frau und ihrem Verwachsen mit der Natur - und ihrer Distanz zu den Menschen. Die Wand als Metapher. Deprimierend-schön zu lesen.

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: Claasen, Düsseldorf
Jahr: 1968
Seiten: 276
Rezension von HK am 04.05.2005
Roman
(276 Seiten)
Österreich
Elfriede
Jelinek

Elfriede Jelinek: Die Klavierspielerin

Erika Kohut, Mitte 30, wird von ihrer Mutter zu einer Karriere als Pianistin gedrängt, schafft es jedoch nicht. Nun arbeitet sie als Klavierlehrerin am Wiener Konservatorium, ohne weitere Perspektive, zumindest was ihre Größenvorstellungen und die ihrer Mutter betrifft. Erika wird von ihrer Mutter unter tyrannischer Aufsicht gehalten. Keine Aktivität, keine Bekanntschaft, die nicht von der Mutter kontrolliert und meistens verhindert wird. So liest sich der Roman über weite Strecken wie die psychoanalytische Inszenierung einer Mutter-Tochter-Beziehung, die nicht von Liebe und Wachstum, sondern von narzisstischer Besetzung und Kälte bestimmt ist. Einleuchtend, dass Erika deshalb aus diesem Gefängnis nicht ausbricht. Vielmehr treibt sie ihre Angst vor echter Beziehung entweder zu schmuddeligem Voyeurismus oder wieder in die Arme der Mutter. Einleuchtend auch, dass Erika ihre Mitmenschen und besonders ihre Schüler/innen herab lassen und erniedrigend behandelt. Einleuchtend auch das letzte I-Tüpfelchen, dass Erika nur wirkliche Empfindungen hat, wenn sie sich mit der Rasierklinge im Intimbereich blutig ritzt. Als dann der Student Walter Klemmer mit Beharrlichkeit um sie wirbt, kann sie dies weder liebend annehmen noch zurück weisen. Die emotionale und sexuelle Katastrophe nimmt ihren Lauf.... Einfach stark, wie Elfriede Jelinek mit kräftigem Sprachpinsel und Eindringlichkeit ungestüme Körperlichkeit und Gefühlswogen zeichnet. Man fühlt mit, ist mittendrin - angezogen von der Sprache und zugleich abgestoßen vom Geschriebenen.

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: Rowohlt, Reinbek
Jahr: 1983
Seiten: 285
Rezension von HK am 11.03.2005
Roman
(285 Seiten)
Österreich
Alfred
Komarek

Alfred Komarek: Blumen für Polt

Simon Polt ist Ortspolizist in Burgheim, einem abgelegenen Nest im österreichischen Weinviertel - nahe der Grenze zu Tschechien. Da geht's natürlich sehr familiär zu, was aber Mord und Totschlag aus verwickelten Motiven nicht ausschließt. Zuerst gibt es einen Unfall: Der verarmte Pächter des Runhofes, Horst Breitwieser, überfährt Rudi Riebel, was tödlich ausgeht. Nun ist Riebel bekannt für fingierte Unfälle, um Schmerzensgeld rauszuschinden. Kurz darauf wird Will, ein geistig Behinderter, der Simon ans Herz gewachsen war, tot aufgefunden. Er ist einen Abhang hinunter gestürzt. Simon zweifelt an einem Unfall und beginnt - zum Teil private - Ermittlungen. Immer mehr stellt sich dabei die Frage, welche Rolle eine Viererbande aus Schülern spielt, die bisher durch viel Randale (Fahrradklau, Fensterscheiben einwerfen) aufgefallen ist. Dabei kooperiert Simon mit Karin, der Dorfschullehrerin, und schon ist die Liebesgeschichte mit im Spiel. Natürlich ist die Auflösung (Täter und Motiv) überraschend - und für meinen Geschmack etwas zu sehr aus dem Hut gezaubert. Aber es ist eine nette und spannende Geschichte mit viel Lokalkolorit, gutem Wein, sympathischen Figuren, aber auch engstirnigen Dorfcharakteren und tragischen Schicksalen.

Land: Österreich
Genre: Krimi
Verlag: Haymon, Innsbruck
Jahr: 2000
Seiten: 186
Rezension von HK am 15.08.2005
Krimi
(186 Seiten)
Österreich
Anna
Mitgutsch

Anna Mitgutsch: Haus der Kindheit

Dies ist die Lebensgeschichte von Max, Sohn jüdischer Eltern, die ihr Haus in der österreichischen Stadt H. verlassen mussten und nach New York gingen. Als sein Vater Saul die Familie verlässt beginnt ein sozialer Abstieg, markiert von Umzügen in immer ärmere Wohnviertel. Seine Mutter Mira lebt melancholisch viel zu sehr in der europäischen Vergangenheit und ist unfähig, die Entwicklung aufzuhalten. Als US-Soldat kommt Max 1945 nach H. zurück und wird von den jetzigen Bewohnern seines ehemaligen Elternhauses feindselig abgewiesen. Er beschließt, dass Haus zurück zu verlangen. Doch lange Jahre nimmt ihn das Leben in Amerika in Beschlag. Er wird zum erfolgreichen Restaurator und Raumdesigner, verkehrt mit berühmten Künstlern und geht zahlreiche Beziehungen zu Frauen ein, die jedoch an seinem Widerstand, sich zu binden, scheitern. Er ist über 50 Jahre alt, als er wieder nach H. zurückkehrt und die Rückgabe des Hauses voran treibt. Er lernt durch Spitzer (den Vorsteher der jüdischen Gemeinde) Nadja - eine mäßig begabte Malerin - kennen, die sich in ihn verliebt. Auf ihr Drängen holt er sie später in die USA und besorgt ihr einen Studienplatz. Erst nach längerer Zeit geht er eine Liebesbeziehung mit ihr ein, die jedoch ebenfalls scheitert - er weigert sich, mit ihr zusammen eine Wohnung zu teilen. Nach der Trennung wird Nadja eine erfolgreiche Fotografin. Max wird sie erst Jahre später in Europa wiedersehen; nach einem kurzen Zusammentreffen in H. wird sie in der Ukraine während eines Fotoauftrags tot aufgefunden (wahrscheinlich ermordet). Als er fast 70 Jahre alt ist, kehrt er nach H. zurück und bezieht das inzwischen leere Haus. Er versucht, bei der Restaurierung die Atmosphäre aus seiner Kindheit wieder herzustellen, doch es gelingt ihm nicht. Er nimmt rege am Leben der jüdischen Gemeinde teil und beginnt - nach dem Zusammentreffen mit einem jungen Historiker - die Geschichte der jüdischen Gemeinde in H. (seit dem Mittelalter) zu schreiben. Dann stirbt Spitzer, mit dem ihn eine enge Freundschaft verbunden hatte. Als schließlich Nadja ermordet wird, kehrt er zurück nach New York. Eine lange Inhaltsangabe, die nicht einmal alle Seitenstränge der Geschichte wiedergibt. Es sind diese vielen Lebensgeschichten und Schicksale von Menschen, die sich begegnen und wieder verlassen, verlieren, die den Reiz dieses Buches ausmachen. Und mittendrin Max auf der Suche nach Heimat - immer dort, wo keine sein kann oder darf. Ein erfülltes Leben, das erst am Ende "ankommt"? Anna Mitgutsch vermeidet klare Botschaften, sondern entfaltet ein reichhaltiges Repertoire des Lebens. In (Lebens-)Geschichte eingebunden sind alle, doch wer was daraus macht, ist das Entscheidende.

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: DTV, München
Jahr: 2000
Seiten: 318
Rezension von HK am 14.08.2005
Roman
(318 Seiten)
Österreich
Eva
Rossmann

Eva Rossmann: Freudsche Verbrechen

Eine junge Amerikanerin wird im Wiener Freud-Museum von der Museumsangestellten Ulrike erwürgt aufgefunden. Die bittet aufgeregt ihre alte Schulfreundin Mira Valenski, eigentlich Lifestyle-Reporterin beim "Magazin", um Hilfe. Bei der Toten wird ein Zettel mit der Anschrift "Birkengasse 14" gefunden - das Haus des Ministerialrats Bernkopf. Kurz darauf wird der Psychiater Zimmermann mit vergifteten Bonbons ermordet. Er war der Freund Ulrikes und hat sich auch mehrmals mit Jane (der jungen Amerikanerin) getroffen. Als Ulrike des doppelten Eifersuchtsmordes verdächtigt wird, startet Mira eigene Ermittlungen. Unterstützt von ihrer tatkräftigen bosnischen Putzfrau Vesna entdeckt sie Ereignisse, die bis in die Nazizeit zurück reichen. Das Haus in der Birkengasse gehörte Janes Urgroßeltern, die von den Nazis enteignet wurden. Günstig erworben hatte es dann Bernkopfs Vater. Die Zusammenhänge klären sich; doch die Familie Bernkopf behauptet, Jane nie gesehen zu haben. Was ist wirklich geschehen, und wie ist es zu beweisen? Ein Krimi wie ein Puzzlespiel, ohne jedoch bis zum Ende die Spannung zu verlieren. Kantige, aber doch sympathische Charaktere; eine nette Liebesgeschichte zwischen Mira und Ulrikes Rechtsanwalt Oskar. Sauber eingeflochtene Zeitgeschichte der Naziverbrechen an Juden. Scharfe Satire gegen zynische Verdrängungspolitiker, die die Morde als eine linksextremistische Inszenierung bezeichnen. Rundum ein Lesevergnügen.

Land: Österreich
Genre: Krimi
Verlag: Lübbe, Bergisch Gladbach
Jahr: 2001
Seiten: 330
Rezension von HK am 14.08.2005
Krimi
(330 Seiten)
Österreich
Joseph
Roth

Joseph Roth: Radetzkymarsch

Glanz und Untergang der österreichischen K+K Monarchie. In der Schlacht von Solferino 1859 rettet der slowenische Leutnant Joseph Trotta dem Kaiser Franz Joseph I. das Leben und wird dafür geadelt. Sein Sohn, ganz im Geist der Zeit erzogen und auf die Bahn gesetzt ("Ich habe beschlossen, dass du Jurist wirst", sagte der Vater) wird Bezirkshauptmann in Böhmen. Bei dessen Sohn, Carl Joseph misslingt jedoch die harte Männlichkeitserziehung. Zwar bringt er es zum Leutnant, ist jedoch zu empfindsam, zu unsicher in seinem Weltbild für das an Macht und Unterordnung, Ehre und todesverachtende Vaterlandsliebe ausgerichtete Militärleben. Symbolisiert durch das Bild seines Großvaters, das seltsam entrückt in der väterlichen Wohnung hängt, ist die alte Zeit noch präsent, verliert aber seine Wirkung. Höchstens noch, dass der Enkel des "Helden von Solferino" durch kaiserliche Protektion selbst bei Fehltritten nie in ernsthafte Schwierigkeiten gerät. Als er unverschuldet Auslöser eines Duells wird, bei dem sich die Kombattanten gegenseitig erschießen, entsteht die erste Krise. Er lässt sich von der Kavallerie (richtig Reiten war auch nicht seine Sache) zur Infanterie an die Grenze zu Russland versetzen. Dort jedoch nimmt die Auflösung erst recht ihren Lauf. Frauengeschichten, Spielschulden, Alkohol zersetzen die Reste der "Soldatenmoral". Neue fassbare Weltbilder sind nicht in Sicht; die "Auflösung" des Menschen Carl Joseph ist ebenso nicht mehr aufzuhalten wie der Verfall der K+K Monarchie in die verschiedenen Nationalitäten. Auch wenn's nicht gut ausgeht; ist die klare literarische Sprache, mit der Joseph Roth psychologisch einfühlsam seine Figuren zeichnet, ein Genuss.

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: DTV, München
Jahr: 1932
Seiten: 320
Rezension von HK am 03.11.2005
Roman
(320 Seiten)
Österreich
Robert
Schneider

Robert Schneider: Die Luftgängerin

"Seine Augen stürzten auf sie und begriffen den Menschen auf einmal in seiner ganzen seraphischen Erscheinung. Nichts Unbekanntes. Immer bei ihm gewesen. Bei ihm gewohnt. Ihn immer geliebt." Schon die verrückte Begegnung von Ambros und Amrei macht Lust weiter zu lesen. Die anarchische Kraft der Liebe schützt zwar nicht vor Desorientierung, gesellschaftlicher Auflösung bis hin zu phantastisch anmutenden Gewaltausbrüchen, aber sie bleibt als Kern der Hoffnung. Die heranwachsende Maudi, Tochter von Ambros und Amrei, wird zur Luftgängerin, zur engelsgleichen Gestalt, "deren einzige Aufgabe es sein sollte, in denen, welchen sie begegnete, die Sehnsucht wachzuhalten". So wie die Botschaft lautet, ist auch das Buch geschrieben - aus dem Inneren der Menschen heraus, die sich in diesem Kleinstädtchen Jacobsroth begegnen, lieben, hassen, helfen, bekämpfen. Ihre Geschichte, Schicksale und Hoffnungen, Begrenztheiten und Sehnsüchte machen sie alle liebenswert. Robert Schneiders Sprache ist im 2. Buch seiner rheintalischen Trilogie mehr als Worte und Beschreibung, sie entwirft ein barockes Gemälde des Lebens und der Liebe - oder zumindest dessen, was sie sein könnten. Ein Buch, das Freude macht.

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: Goldmann, München
Jahr: 1998
Seiten: 350
Rezension von HK am 03.04.1999
Roman
(350 Seiten)
Österreich
Robert
Schneider

Robert Schneider: Die Unberührten

Antonia Sahler wächst mit drei weiteren Geschwistern im rheintalischen St- Damian auf. Ihr Vater, ein Fuhrmann - zuerst mit Maultieren, dann mit Lastwagen, liebt seine Frau und die vier Töchter über alles und überschüttet sie mit Geschenken. Bis er daran verarmt, zerbricht und zunächst spurlos verschwindet. Die Mutter stirbt bei der Fehlgeburt eines fünften Kindes. Anschließend wird Antonia - die Geschichte spielt in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts - an einen Agenten vermittelt, der sie in Amerika als billige Arbeitskraft zu verkaufen beabsichtigt. Wie Antonia, das in seinen Phantasien lebende achtjährige Kind, es schafft, sich fast spielerisch leicht in der rauhen und unwirtlichen Welt zu behaupten, ist allein schon eine spannende Geschichte. Natürlich steht bei Robert Schneiders Abschluss seiner rheintalischen Trilogie wiederum das Mysterium von Liebe als Kraft im Hintergrund. Und sie zeigt sich als verbindendes Element - ausgedrückt durch Antonias wundersame Gesangs-Begabung - zwischen sozialen Abgründen: Dem Dahinvegetieren unter einer Brücke, der Prostitution, dem körperlichen Zerfall einerseits und dem Leben in einer Familie der New Yorker Upper-Class und Antonias Karriere als Operstar der Metropolitan Opera andererseits. "Die wirkliche Liebe kennt keine Hoffnung, keine Berechnung und hat keinen Plan. Darum ist sie so groß." Und wiederum wird die Trias von sozialer Bedingheit, individueller Lebenskraft und mystischer Beseeltheit lebendig - und fordert die Leser/innen heraus, das Leben / ihr Leben anzusehen. "Wir alle haben einmal unser Leben vorausgesehen. Unser geglücktes Leben. Seitdem tasten wir mit blinder Sehnsucht durch die Zeit."

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: Goldmann, München
Jahr: 2000
Seiten: 252
Rezension von HK am 13.06.2001
Roman
(252 Seiten)
Österreich
Arthur
Schnitzler

Arthur Schnitzler: Traumnovelle

Fridolin und Albertine führen eine glückliche und harmonische Ehe. Nach einem Maskenball erzählen sich beide ihre erotischen Phantasien anlässlich verschiedener Begegnungen mit fremden Frauen und Männern während ihres letzten Urlaubs. Der Bruch dieses "Tabus" zeigt seine Wirkung - zumindest bei Fridolin - im realen Leben. Nach einem nächtlichen Patientenbesuch (bei dem ihm die Tochter des Verstorbenen Avancen macht) streift er durch die Stadt, lässt sich von einer jungen Prostituierten in ein Beinahe-Abenteuer verwickeln und landet schließlich in einem erotischen Ritual einer clandestinen Gesellschaft. Er wird als Eindringling endeckt und hinaus geworfen. Zurück gekehrt findet er Albertine noch in einem erotischen Traum vor, in welchem ihr sogar seine Hinrichtung egal ist. Das gefährliche Spiel zwischen flüchtiger Phantasie und Realität nimmt seinen Lauf. Man muss wissen, dass das Buch 1926 erschienen ist - für die damalige Zeit ein brisantes Thema. Hoffnungen auf anregende sexuelle Szenen sollte sich niemand machen. Stattdessen ist es eine psychologische Studie, die sogar Sigmund Freud beeindruckt hat. Entgrenzte Sexualität und Tod versus eheliche Treue und Leben. Also eher eine Mahnung, dass man die Finger davon lassen sollte. Die ambivalenten Wunschphantasien sind aber so lebensnah und nicht-moralisch beschrieben, dass man sich in diesem Buch gerne verlieren darf.

Land: Österreich
Genre: Novelle
Verlag: Süddeutsche Zeitung, München
Jahr: 1925
Seiten: 93
Rezension von HK am 15.01.2005
Novelle
(93 Seiten)
Österreich
Arthur
Schnitzler

Arthur Schnitzler: Der Weg ins Freie

Die Kernhandlung ist schnell erzählt. Der junge Baron Georg von Wergethin verliebt sich in die Bürgerstochter Anna Rosner. Das Verhältnis bleibt nicht ohne Folgen, Anna wird schwanger, doch das Kind stirbt bei der Geburt. Gelöst von dieser Verpflichtung muss sich Georg, von Zweifeln über sein eigentliches Wollen geplagt, entscheiden. Mehr zu berichten, würde das Lesen des Buches unspannend machen. Aber der Roman ist viel mehr: Ein episches Gemälde von Kultur, Moral und Politik in der besseren Gesellschaft Wiens um die Jahrhundertwende. Schillernde, farbenprächtige und gebildete Gestalten, ausgefeilte, oft poetische Dialoge beim Nachmittagstee in herrschaftlichen Häusern, in der Oper, in der Sommerfrische, bei ausgedehnten Spaziergängen. Dabei präsentiert sich eine Welt im Umbruch. Therese Golowski, einerseits "Dame von Welt", engagiert sich andererseits als sozialistische Politikerin für Demokratie und soziale Gerechtigkeit. Der Schriftsteller Heinrich Bermann kämpft mit seinem Nihilismus. Juden streiten, ob man ein Palästina (als jüdischen Staat) wollen soll oder nicht - und streiten mit Antisemiten. Die Alten verstehen die Welt nicht mehr, die Jungen noch nicht. Ein glänzender Stoff, den Arthur Schnitzler genial entwickelt. "Nichts Menschliches ist ihm fremd", könnte man sagen. Und dies ist so einfühlsam und wirklich geschrieben, dass man all seinen Figuren sehr nahe kommt oder sie sogar liebt, mindestens jedoch Verstehen vor Verurteilen setzt.

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: Insel, Frankfurt
Jahr: 1908
Seiten: 380
Rezension von HK am 12.09.2005
Roman
(380 Seiten)
Österreich
Marlene
Streeruwitz

Marlene Streeruwitz: Jessica 30

Jessica, 30jährige Journalistin in Wien, hat ein heimliches Verhältnis mit Gerhard, Staatssekretär für Zukunftsfragen in der österreichischen Regierung. Von ihrer Chefredakteurin erhält sie den Auftrag, über eine sexuelle Affäre zwischen Gerhard und Mia (Ex-Wohngemeinschaftsfreundin von Jessica) zu recherchieren. Gerhard soll Mia zwei Tage ans Bett gefesselt liegen gelassen haben. Die Sache ist nicht recht beweisbar, allerdings stößt Jessica bei ihrer Recherche auf einen anderen Vorfall: Eine Sex-Orgie mit Prostituierten, an der Gerhard und andere Politiker teilnahmen, wurde aus der Parteikasse bezahlt. Jessica will diese Story an den Stern verkaufen. Soweit die Story. Die Handlung auf der ersten Erzählebene ist recht kurz: In Kapitel 1 joggt Jessica eine Stunde. In Kapitel 2 hat sie Sex mit Gerhard, der sie mit der Hand zur Vollendung des Oralverkehrs zwingt, während er mit seiner Frau telefoniert. In Kapitel 3 sitzt sie etwa 1 ½ Stunden im Flugzeug nach Hamburg. Wie die Geschichte ausgeht, erfahren wir nicht. Wenn auch Roman auf dem Klappentext steht, ähnelt die Struktur doch eher einer (längeren) Kurzgeschichte. Und da liegt die Qualität des Buches. Das Handlungsgefüge bietet genügend Stoff für Jessicas Reflexionen zu den orientierungslosen Geschlechtsidentitäten, sich auflösender Frauensolidarität, zum kulturellen und moralischen Zerfall von Politik und Medien. Eine Fülle von hochspannenden Fragen einer 30jährigen, wer ich bin, was ich sein will und wo ich stehen kann in der Gesellschaft. Und keine einzige Antwort - und das ist gut so! Sprachlich anstrengend und ein Genuss zugleich. Außer in wenigen kurzen Dialogen gibt es im ganzen Buch keinen Punkt, sondern nur Kommas. Im freien Gedankenfluss mit allen Exkursen und Assoziationen wirkt Jessica atemlos und getrieben - keine beruhigende Perspektive in Sicht. Und auch das ist gut so! Es wirft die Frage auf, ob es DAS sein sollte, was man gutes Leben (oder die Möglichkeit dazu) nennt.

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: Fischer, Frankfurt
Jahr: 2004
Seiten: 255
Rezension von HK am 28.04.2005
Roman
(255 Seiten)
Österreich
Peter
Henisch

Peter Henisch: Die schwangere Madonna

Josef, Anfang 40, freier Rundfunkjournalist, ist in einer Krise, liefert seinen Beitrag nicht rechtzeitig ab und verliert die Aufträge des Senders, der sowieso einsparen will. Versehentlich (seit einem Beitrag über Alzheimer-Patienten vergisst er ständig Dinge) will er seinen Sohn an einem Tag von der Schule abholen, an welchem seine Ex-Frau an der Reihe ist. Recht orientierungslos sieht er auf dem Parkplatz einen VW-Golf; der Schlüssel steckt in der Tür. Das Signal zum Einsteigen zum Ausstieg. Nach kurzer Fahrt bemerkt er, dass auf dem Rücksitz eine Schülerin schläft. Maria hat im Auto auf Wolf gewartet, ihren Religionslehrer, von dem sie schwanger ist. Nun beginnt ein Roadmovie, das Josef und Maria (!!!) durch ganz Italien führt. Es endet in Monterchi vor dem Bildnis der schwangeren Madonna. Dort wird Josef verhaftet, weil er über Nacht im Ausstellungsraum geblieben ist und verdächtigt wird, das Kunstwerk stehlen zu wollen. Was dazwischen passiert erzählt Josef dem Commissario. Eine amüsante und tiefsinnige Geschichte einer wechselhaften "Beziehung" zwischen dem viel älteren Josef und der 18jährigen Maria. Ob es dem biblischen Josef, dessen Frau ja auch von einem anderen (wenn auch in der Hiercharchie Höherem als ein Religionslehrer) schwanger war, mag sich jeder selbst denken. Während Josel sich in seinen Phantasien verstrickt, handelt Maria sehr pragmatisch und zielstrebig. Flott geschrieben, sehr farbig gezeichnete, zum Teil exzentrische, Charaktere ist es eine Lust, das Buch zu lesen - und man ist durchgehend gespannt, wie es wohl ausgeht.

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: Residenz Verlag, St. Pölten
Jahr: 2005
Seiten: 345
Rezension von HK am 10.07.2006
Roman
(345 Seiten)
Österreich
Eva
Rossmann

Eva Rossmann: Ausgejodelt

Die Journalistin Mira Valensky will Downhill-Sepp, einen Star aus der Volksmusikszene interviewen. Sie findet ihn jedoch tot in seiner Garderobe. Als kurze Zeit später der Produktionsleiter der Sommer-Show in seinem Büro von seinem Scheinwerfer erschlagen aufgefunden wird, glaubt niemand mehr an Unglücksfälle – und die Serie der toten Stars geht noch weiter. Mira beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und verliebt sich dabei Joe, den Moderator der Show. Doch ist er vielleicht der Mörder? Schon die Suche nach dem Motiv ist verwickelt und führt tief in Verstrickungen um Neid, Geld und Machtkämpfe. Mira gerät selbst in tödliche Gefahr und erst mit Hilfe ihrer bosnischen Putzfrau Vesna Krajner gelingt ihr die – überraschende? – Lösung.

Eine sympathische Hauptfigur, beißend-ironische Kritik an österreichischer Volkstümelei und eine spannende Mordgeschichte. Das Lesen wollte nicht mehr aufhören….

Land: Österreich
Genre: Krimi
Verlag: Lübbe, Wien
Jahr: 2002
Seiten: 270
Rezension von HK am 06.04.2008
Krimi
(270 Seiten)
Österreich
Peter
Handke

Peter Handke: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter

Der Bauarbeiter Josef Bloch, der früher ein bekannter Fußball-Torwart war, meint, ihm sei auf seiner Baustelle gekündigt worden. Ziellos lässt er sich durch Wien treiben, bandelt mit einer Kinokassiererin an, verbringt die Nacht mit ihr – und erwürgt sie am nächsten Morgen. Er entkommt – zunächst unerkannt – fährt in einen südlichen Grenzort, wo er die Pächterin einer Gaststätte kennt. Auch dort tut er eigentlich – nichts – auch als seine Entdeckung und Verhaftung näher rückt.

Die Spannung entsteht in der Erzählung aus dem Nichts – weil unser zielgerichtetes Denken hinter jedem zufälligen Ereignis oder hinter jeder Handlung einen Zweck, einen Fortgang der Handlung vermutet – und enttäuscht zum Weiterlesen drängt. Stattdessen entfernt sich das Erleben (des Erzählten Bloch) von der Wirklichkeit. Seine Wahrnehmung wird zunehmend „privat“ und verengt – Worte, Bedeutungen und Geschehen fallen auseinander. Eine präzise und beängstigend dichte Beschreibung einer Psychose, die auch die Moral von der Geschichte (der Tormann hält den Ball, weil er stehen bleibt) nicht mehr aufhalten kann.

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: Suhrkamp, Frankfurt
Jahr: 1998
Seiten: 127
Rezension von HK am 10.01.2010
Roman
(127 Seiten)
Österreich
Ernst
Jandl

Ernst Jandl: Laut und Luise

Noch keine Rezension geschrieben.

Land: Österreich
Genre: Gedichte
Verlag: Reclam, Ditzingen
Jahr: 1986
Seiten: 159
Rezension von HK am 01.01.2009
Gedichte
(159 Seiten)
Österreich
Karl
Kraus

Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit

Noch keine Rezension geschrieben.

Land: Österreich
Genre: Tragödie
Verlag: Suhrkamp, Frankfurt
Jahr: 2008
Seiten: 848
Rezension von HK am 01.01.2009
Tragödie
(848 Seiten)
Österreich
Robert
Musil

Robert Musil: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß

Noch keine Rezension geschrieben.

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: Rowohlt, Reinbek
Jahr: 2008
Seiten: 208
Rezension von HK am 01.01.2009
Roman
(208 Seiten)
Österreich